Wege aus der Systemkrise und historische Lehren
Der Film setzt an einem Punkt an, den das Produktionsteam als klassische Systemkrise beschreibt. Globale Konflikte, Aufrüstung sowie die intensive Ausbeutung natürlicher Ressourcen prägen die Gegenwart, während moderne Technologien oft nicht für gesellschaftlich sinnvolle Zwecke, sondern für wirtschaftliche Interessen eingesetzt werden. Zeitgleich arbeiten zahlreiche Menschen im Niedriglohnsektor und stehen unter dauerhaftem Druck. Anstatt reine Symptombekämpfung zu betreiben, stellt „Jeder Acker, jede Fabrik“ die Frage nach den Grundlagen einer post-kapitalistischen Gesellschaft. Dabei greift die Dokumentation auf die historische Frage „Sozialismus oder Barbarei“ zurück und untersucht, welche Lehren aus den sozialen Bewegungen der 1970er-Jahre gezogen werden können.Für das Projekt hat Schellhagen insgesamt 50 Arbeiterinnen und Arbeiter, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie theoretische Experten interviewt. Die Gespräche führen quer durch ganz unterschiedliche Bereiche der Arbeitswelt: Von Beschäftigten auf Gemüseäckern über Personal in Krankenhäusern und Umspannwerken bis hin zu Angestellten in U-Bahnschächten kommen verschiedenste Stimmen zu Wort. Aus ihren Erfahrungsberichten und Analysen versucht der Film, das Bild eines revolutionären Übergangs und die Grundzüge einer demokratischen Planwirtschaft zu entwerfen. Zu den mitwirkenden Persönlichkeiten zählen unter anderem Sergio Bologna, Francisco Moreno, Ana Barradas, Lars Hirsekorn und Heide Lutosch.
Unabhängiger Dokumentarfilm aus Berlin
Hinter dem Werk steht die Berliner Filmemacherin Johanna Schellhagen, die bereits durch ihren vorherigen Dokumentarfilm „Der laute Frühling“ Aufmerksamkeit erlangte. Schellhagen studierte in Österreich analytische Philosophie und arbeitete im Anschluss als Tonschneiderin für verschiedene Fernsehserien. Im Laufe der Zeit wandte sie sich der eigenständigen Produktion von Dokumentarfilmen im aktivistischen Umfeld zu. Dabei arbeitet sie bewusst unabhängig von klassischen Fernsehanstalten oder den Mechanismen des regulären Festivalbetriebs, um eine unbeeinflusste Berichterstattung und Debattenkultur zu ermöglichen.Mit „Jeder Acker, jede Fabrik“ möchte das Team nicht nur bilanzieren, sondern einen Dialog anstoßen, der über die gewohnten Diskursgrenzen hinausgeht. Ob der Film die komplexen ökonomischen und sozialen Theorien verständlich in der vorgegebenen Laufzeit von rund einer Stunde vermitteln kann, kannst du ab dem 15. Oktober 2026 selbst im Lichtspielhaus überprüfen.


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