ESRB erklärt: Altersfreigaben aus Nordamerika

Was E, Teen und Mature bedeuten und wie ESRB in Deutschland helfen kann



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Das Entertainment Software Rating Board, kurz ESRB, übernimmt in Nordamerika eine vergleichbare Aufgabe wie die USK in Deutschland oder PEGI in weiten Teilen Europas. Seine schwarz-weißen Kennzeichen sind vor allem auf amerikanischen und kanadischen Spielen, in internationalen Trailern sowie auf Produktseiten ausländischer Händler zu sehen. Doch welche Altersstufen verwendet das ESRB und welchen Nutzen haben seine Angaben für Verbraucher in Deutschland?

Was ist das ESRB?

ESRB steht für „Entertainment Software Rating Board“. Die gemeinnützige Selbstkontrolleinrichtung wurde 1994 gegründet und bewertet Videospiele und Apps hinsichtlich ihrer Alterseignung und potenziell problematischer Inhalte. Das System entstand, um Eltern und Verbrauchern eine einheitliche Orientierung für den nordamerikanischen Spielemarkt zu bieten. ESRB

Eine ESRB-Kennzeichnung besteht aus bis zu drei Informationsebenen. Die eigentliche Rating Category nennt die empfohlene Altersgruppe. Content Descriptors erklären, welche Inhalte für die Einstufung ausschlaggebend waren. Interactive Elements weisen zusätzlich auf Onlinefunktionen, Käufe oder andere interaktive Bestandteile hin.

Wie bei USK und PEGI bewertet auch das ESRB nicht den Schwierigkeitsgrad oder die Qualität eines Spiels. Ein mit „E for Everyone“ gekennzeichnetes Spiel kann daher trotzdem zu kompliziert für kleine Kinder sein.

Die Alterskennzeichnungen des ESRB

Das nordamerikanische System verwendet Buchstaben und Begriffe anstelle einer unmittelbar sichtbaren Alterszahl. Lediglich einige Kennzeichen enthalten eine zusätzliche Altersangabe.
  • E – Everyone: Der Inhalt ist grundsätzlich für alle Altersgruppen geeignet. Das Spiel kann minimale Cartoon-, Fantasy- oder milde Gewalt sowie gelegentlich sehr zurückhaltende Sprache enthalten.
  • E10+ – Everyone 10+: Das Spiel eignet sich im Allgemeinen für Kinder ab zehn Jahren. Möglich sind etwas deutlichere Cartoon- oder Fantasy-Gewalt, milde Sprache und zurückhaltend angedeutete Themen.
  • T – Teen: Diese Einstufung richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren. Enthalten sein können Gewalt, anzügliche Themen, derber Humor, geringe Mengen Blut, simuliertes Glücksspiel oder gelegentliche stärkere Sprache.
  • M – Mature 17+: Spiele mit diesem Kennzeichen werden für Personen ab 17 Jahren empfohlen. Sie können intensive Gewalt, Blut und drastische Verletzungsdarstellungen, sexuelle Inhalte oder starke Sprache enthalten.
  • AO – Adults Only 18+: Diese Spiele sind ausschließlich für Erwachsene ab 18 Jahren vorgesehen. Gründe können länger anhaltende drastische Gewalt, grafisch dargestellte sexuelle Inhalte oder Glücksspiel mit echtem Geld sein.
  • RP – Rating Pending: Das endgültige ESRB-Rating steht noch aus. Das Symbol erscheint vor allem in Trailern, Werbung und anderem Marketingmaterial zu noch nicht veröffentlichten Spielen. Es handelt sich nicht um eine Altersfreigabe.
Daneben existiert „Rating Pending – Likely Mature 17+“. Dieser Zusatz weist darauf hin, dass die Prüfung noch nicht abgeschlossen ist, das fertige Spiel aber voraussichtlich die Einstufung „Mature 17+“ erhalten wird. Die aktuellen Definitionen der Kategorien führt das ESRB in seinem offiziellen Ratings Guide auf.

Warum die ESRB-Stufen nicht direkt zur USK passen

Die amerikanischen Einstufungen lassen sich nicht ohne Weiteres in deutsche USK-Freigaben übersetzen. Bereits die Altersgrenzen unterscheiden sich deutlich. Während die USK mit den Stufen 0, 6, 12, 16 und 18 arbeitet, verwendet das ESRB unter anderem Empfehlungen ab 10, 13 und 17 Jahren.

Auch scheinbar ähnliche Kennzeichen sind nicht automatisch gleichbedeutend. „E for Everyone“ entspricht nicht zwingend einer Freigabe ab 0 Jahren. Ein Spiel mit der amerikanischen Einstufung „Teen“ kann in Deutschland beispielsweise USK 12 oder USK 16 erhalten. Umgekehrt muss „Mature 17+“ nicht automatisch bedeuten, dass dasselbe Spiel hierzulande ausschließlich für Erwachsene freigegeben wird.

Solche Abweichungen entstehen durch unterschiedliche Prüfkriterien, Altersstufen und gesellschaftliche Maßstäbe. Bestimmte Formen von Gewalt, Sexualität, Sprache, Glücksspiel oder Drogenkonsum können in Nordamerika anders gewichtet werden als in Deutschland. Deshalb sollte ein ESRB-Kennzeichen niemals einfach rechnerisch in eine USK-Freigabe umgewandelt werden.

Content Descriptors erklären die Einstufung

Eine besondere Stärke des ESRB sind die zahlreichen Inhaltsbeschreibungen. Sie stehen meist unter oder neben dem eigentlichen Alterskennzeichen und nennen konkreter, welche Inhalte im Spiel vorkommen.

Dazu zählen unter anderem Hinweise wie „Violence“ für Gewalt, „Intense Violence“ für intensive Gewaltdarstellungen, „Blood and Gore“ für Blut und drastische Verletzungen, „Strong Language“ für starke Sprache oder „Suggestive Themes“ für anzügliche Themen. Weitere Deskriptoren betreffen beispielsweise Nacktheit, sexuelle Inhalte, Drogen, Alkohol, Tabak, Glücksspiel oder derben Humor.

Teilweise unterscheidet das ESRB sehr genau zwischen verschiedenen Intensitätsstufen. „Cartoon Violence“ bezeichnet beispielsweise unrealistische, humorvolle Gewaltdarstellungen, während „Fantasy Violence“ Kämpfe in einer deutlich fantastischen Umgebung beschreibt. „Simulated Gambling“ bezieht sich wiederum auf Glücksspielmechaniken, bei denen kein echtes Geld eingesetzt wird.

Für deutsche Verbraucher können diese Hinweise ausgesprochen nützlich sein. Selbst wenn die amerikanische Altersstufe nicht direkt auf das deutsche System übertragbar ist, zeigen die Deskriptoren recht konkret, weshalb ein Spiel seine Einstufung erhalten hat.

Interactive Elements: Käufe, Chats und Onlinerisiken

Zusätzlich zu den inhaltlichen Beschreibungen verwendet das ESRB sogenannte Interactive Elements. Diese Hinweise beschreiben Funktionen, die für Eltern und Spieler von Interesse sein können, die eigentliche Alterskategorie nach Angaben des ESRB jedoch nicht beeinflussen.

„Users Interact“ weist darauf hin, dass Spieler online miteinander kommunizieren oder von anderen erstellte Inhalte sehen können. „In-Game Purchases“ informiert über den Kauf digitaler Waren oder Dienstleistungen mit echtem Geld. Der erweiterte Hinweis „In-Game Purchases (Includes Random Items)“ macht deutlich, dass darunter auch Gegenstände mit zufälligem Inhalt fallen können.

Weitere Hinweise betreffen die Weitergabe des Standorts oder einen uneingeschränkten Zugang zum Internet. Gerade bei Spielen für jüngere Nutzer können diese Angaben wichtiger sein als einzelne Darstellungen im Spiel, da sie auf mögliche Kosten, Kontakte mit Fremden oder den Zugriff auf externe Inhalte aufmerksam machen. ESRB

Welche rechtliche Bedeutung hat ESRB in Deutschland?

Eine ESRB-Einstufung besitzt in Deutschland keine rechtlich maßgebliche Wirkung und ersetzt kein USK-Alterskennzeichen. Soll ein Spiel hierzulande Minderjährigen öffentlich zugänglich gemacht werden, ist grundsätzlich eine deutsche Alterskennzeichnung erforderlich.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Spiel ohne USK-Siegel in Deutschland generell verboten wäre. Nicht gekennzeichnete Spiele können unter bestimmten Voraussetzungen an Erwachsene abgegeben werden. Das amerikanische ESRB-Logo ändert an dieser rechtlichen Behandlung jedoch nichts. Für den deutschen Handel und die Abgabe an Minderjährige ist die nordamerikanische Einstufung nicht entscheidend. USK

Kauft ein 15-Jähriger beispielsweise ein importiertes Spiel mit der Kennzeichnung „T for Teen“, darf der Händler daraus nicht ableiten, dass die Abgabe in Deutschland zulässig ist. Ebenso berechtigt ein amerikanisches „E“-Kennzeichen nicht automatisch zum Verkauf an Kinder.

Wann hilft das ESRB deutschen Verbrauchern?

Trotz der fehlenden rechtlichen Wirkung kann das ESRB auch für Spieler in Deutschland eine hilfreiche Informationsquelle sein. Das gilt insbesondere bei Importspielen aus Nordamerika, die keine deutsche Verpackung besitzen. Auch internationale Trailer zeigen häufig zunächst ein RP-, T- oder M-Kennzeichen, bevor eine USK-Freigabe bekannt gegeben wurde.

Hilfreich ist die Einstufung außerdem bei amerikanischen Onlineshops, internationalen Pressemitteilungen und Spielen, die in Deutschland noch nicht offiziell erschienen sind. Wer sich Retrospiele aus den USA bestellt oder seltene physische Fassungen importiert, findet mitunter ausschließlich ein ESRB-Rating auf der Verpackung.

In solchen Fällen vermittelt das Kennzeichen zumindest einen ersten Eindruck. Noch aussagekräftiger sind die zusätzlichen Inhaltsbeschreibungen und die ausführlicheren Rating Summaries in der ESRB-Datenbank. Sie können Informationen enthalten, die auf einer Spieleverpackung keinen Platz finden.

Was deutsche Eltern beachten sollten

Eltern sollten bei einem nordamerikanischen Importspiel zunächst prüfen, ob für denselben Titel eine deutsche USK-Einstufung existiert. Die USK-Datenbank und deutsche Produktseiten bieten hierfür eine bessere Grundlage als der alleinige Blick auf das ESRB-Logo.

Ist keine deutsche Einstufung verfügbar, können ESRB-Kategorie, Content Descriptors und Rating Summary gemeinsam eine sinnvolle Orientierung liefern. Besonders wichtig sind dabei Hinweise auf Gewalt, Angst, Sexualität, Glücksspiel, Onlinekommunikation und In-Game-Käufe.

Auch eine Alterskennzeichnung ersetzt allerdings keine individuelle Einschätzung. Kinder reagieren unterschiedlich auf düstere Atmosphäre, Zeitdruck, kompetitive Onlinemodi oder Kontakte mit anderen Spielern. Deshalb empfiehlt es sich, zusätzlich Spielszenen anzusehen, technische Jugendschutzeinstellungen zu nutzen und mit dem Kind über die Inhalte zu sprechen.

ESRB ist eine Orientierung, aber keine deutsche Freigabe

Das ESRB liefert für den nordamerikanischen Markt ein umfangreiches System aus Altersempfehlungen, Inhaltsbeschreibungen und Hinweisen auf interaktive Funktionen. Für deutsche Verbraucher ist es besonders bei Importspielen, internationalen Trailern und ausländischen Onlineshops hilfreich.

Rechtlich entscheidend bleibt in Deutschland jedoch die USK-Kennzeichnung. ESRB-Ratings sollten daher als ergänzende Informationsquelle verstanden werden, nicht als Ersatz für die deutsche Altersfreigabe. Wer diese Grenze berücksichtigt und neben dem Buchstabensymbol auch die Content Descriptors liest, kann aus dem amerikanischen System dennoch viele nützliche Informationen gewinnen.

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