Ein Huhn bricht aus der Massentierhaltung aus
Die Prämisse des 96-minütigen Spielfilms greift eine der ältesten philosophischen Fragen auf: Was war zuerst da – das Ei oder das Huhn? Für die Tiere auf einer industriellen Geflügelfarm bleibt jedoch kaum Zeit für existenzielle Gedanken. Ihr Weg ist durch automatisierte Abläufe vorbestimmt und führt meist direkt vom Band in den Suppentopf. Doch die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung, als auf einem griechischen Hühnerhof ein außergewöhnlich kluges, schwarz gefiedertes Hühnchen das Licht der Welt erblickt.Statt sich seinem Schicksal zu fügen, gelingt dem rebellischen Vogel die Flucht. Was folgt, ist eine abenteuerliche Reise durch eine für das Tier völlig fremde Welt. Nach einer brenzligen Begegnung mit einem hungrigen Fuchs an einer Tankstelle nutzt die Henne eine Mitfahrgelegenheit auf einem Lastwagen. Schließlich landet sie durch die Mithilfe eines Hundes auf dem Hinterhof eines heruntergekommenen Speiselokals.
Dort ist die Lage kaum friedlicher: Der alternde Restaurantbesitzer kämpft gegen den Ruin, während kriminelle Schmuggler ein- und ausgehen. Für das entflohene Huhn beginnt eine neue Phase der Anpassung. Es muss sich in der strikten Hackordnung des lokalen Hühnerstalls behaupten, Auseinandersetzungen mit Puten ausfechten und das Herz eines Hahns gewinnen. Auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz verstrickt sich das Federvieh immer tiefer in die kriminellen Machenschaften der Wirtsfamilie, was seinen Wunsch nach eigenen Küken ernsthaft gefährdet.
Internationale Festivalerfolge und ein außergewöhnlicher Darstellerpreis
Die internationale Koproduktion zwischen Deutschland, Griechenland und Ungarn (auf deutscher Seite produziert von Pallas Film) feierte ihre Weltpremiere auf dem renommierten Toronto International Film Festival. Auch auf dem Filmfest Hamburg stellte das Werk seine Qualitäten unter Beweis, gefolgt von weiteren Festivalpremieren in Italien, Brasilien, Japan und Griechenland. Für besonderes Aufsehen sorgte eine Auszeichnung beim Calgary International Film Festival: Dort erhielt die Produktion eine besondere Erwähnung der Jury in der Kategorie „Best Performance by a Fowl“ – eine höchst ungewöhnliche Würdigung für die darstellerische Leistung des tierischen Hauptdarstellers.Regisseur György Pálfi und sein visuell innovatives Schaffen
Hinter dem Projekt steht der ungarische Regisseur und Drehbuchautor György Pálfi, der an der Akademie für Theater und Film in Budapest ausgebildet wurde. Pálfi hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen Namen mit visuell außergewöhnlichen und genreübergreifenden Filmen gemacht. Sein Debütwerk „Hukkle – Das Dorf“ aus dem Jahr 2002 etablierte ihn als unverwechselbare Stimme des europäischen Gegenwartskinos. Später folgte das surrealistische Drama „Taxidermia – Friss oder stirb“ (2006) sowie das experimentelle Collagenprojekt „Final Cut: Ladies and Gentlemen“ (2012). Auch mit Filmen wie „Free Fall“ (2014) und „His Master’s Voice“ (2018) sowie VR-Arbeiten erforscht er regelmäßig die Grenzen des filmischen Erzählens an der Schnittstelle von Fiktion und Dokumentation.Mit „Lebensansichten eines Huhns“ verbindet Pálfi erneut präzise Beobachtungsgabe mit einer absurden Prämisse. Der Film versteht sich als emanzipatorische Selbstfindungsgeschichte einer ungewöhnlichen Hauptfigur und hinterfragt zugleich die oft schwierige Koexistenz von Mensch und Natur. Zur Vorbereitung auf den Kinostart wurden nun neben dem offiziellen Trailer und EPK-Material auch ausführliche Interview-Clips mit dem Regisseur zur Verfügung gestellt, die tiefere Einblicke in die Entstehung dieses filmischen Experiments gewähren.


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