Musik

Tonia Evans verarbeitet Verratstrauma mit Kate-Bush-Cover

Das neue Album 'Love Me Till I'm Me Again' erscheint im Juli 2026.



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Wenn Künstlerinnen und Künstler einen Klassiker neu einspielen, geht es meist um eine frische Perspektive auf ein bekanntes Werk. Für die in Toronto ansässige Singer-Songwriterin Tonia Evans besitzt ihre Version von Kate Bushs Kultsong "Running Up That Hill" jedoch eine völlig andere Bedeutung. Das Stück bildet das Herzstück ihres kommenden Albums "Love Me Till I'm Me Again", das am 16. Juli 2026 erscheint, und ist für die Musikerin das einzige Lied, das die Last ihres vergangenen Jahres tragen konnte.

Ein Wendepunkt nach Jahrzehnten

Vor etwa einem Jahr reichte Evans nach 23 Ehejahren die Scheidung ein. Der Auslöser war die Aufdeckung von Ereignissen, die eine 27 Jahre andauernde Beziehung schlagartig erschütterten. Wie die Künstlerin schildert, erreichten sie die Enthüllungen vor drei Jahren völlig unvorbereitet über eine Welle anonymer E-Mails, Textnachrichten und sogar über einen Anruf aus einer öffentlichen Telefonzelle, inklusive detaillierter Fotos.
Die Heilung von einem Verratstrauma war als Frau, Mutter und Künstlerin chaotisch, emotional und herzzerreißend. Es wird niemals definieren, wer ich bin. Aber es hat mich auf eine Weise geformt, die ich mir nie hätte vorstellen können – stärker, widerstandsfähiger und kompromissloser als je zuvor.
Tonia Evans
Der Gedanke an eine eigene Interpretation von "Running Up That Hill" begleitete Evans schon seit Jahren. Im Januar 2026 ergab sich an einem ihrer tiefsten Punkte spontan die Gelegenheit zur Umsetzung: Sie hatte lediglich 24 Stunden Zeit, um einen Song auszuwählen, einzustudieren und sich auf eine einstündige Gesangssession vorzubereiten.
Ich habe mich aus dem Bett gezerrt und bin ins Aufnahmestudio gegangen, um dem Prozess einer Chance zu vertrauen, die sich spontan ergab.
Tonia Evans

Echte Emotionen im Tonstudio

Zusammen mit dem Toningenieur Anthony Wright und der Gesangstrainerin Lorraine Lawson entstanden die Hauptgesangsspuren in nur wenigen Durchgängen. Dabei wandelte sich für Evans auch die Bedeutung der ikonischen Textzeile "make a deal with God". Diese richtete sie beim Einsingen nicht mehr an ein Gegenüber, sondern an sich selbst – als Entschuldigung an ihr inneres Kind und als Aufarbeitung jahrelangen Selbstverrats.

Musikalisch zeichnet Dima Graziani für Produktion, Aufnahme, Mix und Mastering verantwortlich. Er steuerte zudem Klavier- und Synthesizer-Passagen bei, um der Nummer eine vielschichtige, cinematische Atmosphäre zu verleihen. Auch das dazugehörige Musikvideo unter der Regie von DIMMANTI setzt auf kompromisslose Ehrlichkeit: Es wurde komplett in Schwarz-Weiß gedreht und inszeniert einen visuellen Dialog zwischen der heutigen Evans und ihrem jüngeren Ich.

Diese Suche nach Selbsterkenntnis spiegelt auch eine historische Äußerung von Kate Bush wider:
Ich hatte Freunde, aber ich verbrachte sehr viel Zeit alleine. Für mich war das entscheidend, denn man lernt extrem viel über sich selbst, wenn man allein ist.
Kate Bush

Vielseitige Hintergründe und neue Veröffentlichungen

Wenn du dir die Biografie von Tonia Evans anschaust, wird schnell deutlich, wie vielschichtig ihr Werdegang ist. Ursprünglich im Kirchen- und Klassikbereich ausgebildet, trat sie mit Ensembles wie dem Cambridge Symphony Orchestra, dem Toronto Concert Orchestra, der Southern Ontario Lyric Opera und dem Casa Loma Symphony Orchestra auf. Zudem setzte sie sich intensiv für das musikalische Erbe ihrer Heimatprovinz Neufundland ein und verfasste zusammen mit ihrem Großvater, dem Historiker Calvin D. Evans, die prämierte Biografie "The Heart's Obsession" über die Opernsängerin Georgina Stirling.

Neben der Musik arbeitet Evans als zugelassene Psychotherapeutin in der Klinik "A Mother's Journey", leitet die gemeinnützige Organisation Wish Arts und schrieb das Kinderbuch "Flick Your Heart-Light On, Let Your Fears Be Gone!". Ihre fundierten Kenntnisse aus der Arbeit mit dem Institute of HeartMath lehrten sie, dass Körper und Herz Gefahren oft wahrnehmen, bevor der Verstand sie verarbeiten kann – eine Erkenntnis, die sich nun auch in ihren Songs wiederfindet.

Das kommende Album "Love Me Till I'm Me Again" umfasst neben "Running Up That Hill" weitere bekannte Coversongs wie "Lightning Crashes", "Runaway", "Fix You" und "Say My Name". Auch eigene Titel wie "Bravery", "Churchyard Roses" und "Thousand Cries" gehören zum Programm. Mit dem Namenswechsel zurück zu ihrem Geburtsnamen Evans unterstreicht die Künstlerin schließlich ihren Neuanfang.

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