Zwischen zärtlicher Überforderung und Synth-Arpeggios
Im Zentrum des dreieinhalbminütigen Werks steht Rhian Teasdale, die ein facettenreiches Emotionspanorama auffächert. Das Gefühl des Verliebtseins wird hier nicht einfach gradlinig erzählt, sondern mäandert und breitet sich aus wie ein Synth-Arpeggio. Dabei greift das Video psychologische und emotionale Zustände auf, die dir vielleicht vertraut vorkommen dürften: Verliebtsein als echte Überdruckkammer, als zärtliche Überforderung und als komische Obsession. Die Gefühle verlaufen sprunghaft, intensiv und unvorhersehbar, was durch die körnige Ästhetik des Super-8-Looks noch eindringlicher transportiert wird.In der erzählten Geschichte geht es um eine ebenso skurrile wie faszinierende Beziehung zu einem gigantischen Ei. Diese ungewöhnliche Prämisse fügt sich nahtlos in das wachsende surrealistische Archiv ein, das sich die Band rund um Teasdale im Laufe ihrer Karriere aufgebaut hat. Gespielt wird die Protagonistin in diesem absurden und visuell beeindruckenden Szenario von Alice Longyu Gao. Die Interaktionen und Dynamiken zwischen den beteiligten Charakteren und dem überdimensionalen Requisit spiegeln den humorvollen und gleichzeitig tiefgründigen Ansatz wider, den die Gruppe bei ihren visuellen Umsetzungen konsequent verfolgt.
Ein schiefer Reality-Check unter Regie von Elliott Arndt
Für die visuelle Umsetzung und Regie des Videos zeichnet Elliott Arndt verantwortlich, den man ansonsten von Faux Real kennt. Arndt inszeniert das Geschehen als eine Art schiefen Reality-Check, der dich vor spannende Fragen stellt: Was passiert, wenn Intimität im gleichen Moment ein ungelöstes Rätsel, ein tröstlicher Hafen und eine völlige Überforderung ist? Diese ambivalente Gefühlslage fängt das Video in jeder Einstellung ein und verbindet musikalische Avantgarde mit einer eigenwilligen Bildsprache.Dass Wet Leg für ihre kreativen und abseitigen Einfälle geschätzt werden, haben sie in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen. Nach ihren großen Erfolgen und den verdienten Grammy-Nominierungen zeigt die Formation mit diesem Release einmal mehr, dass sie sich ihre unverkennbare künstlerische Handschrift bewahrt haben. Sie bleiben auch nach weltweiter Aufmerksamkeit Meisterinnen des charmant Abseitigen, die es verstehen, popkulturelle Referenzen mit surrealen Elementen zu verknüpfen. Der Clip zu „pokemon“ liefert dafür einen weiteren kreativen Beweis, der Fans und Neugierige gleichermaßen abholt.


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