Musik

RICHARD EVANS: 'Born Perfect' erzaehlt von KI-Angst

Ex-James-Keyboarder liess sich vom Google-Chatbot LaMDA inspirieren



RICHARD EVANS: 'Born Perfect' erzaehlt von KI-Angst Bild RICHARD EVANS: 'Born Perfect' erzaehlt von KI-Angst Screenshot RICHARD EVANS: 'Born Perfect' erzaehlt von KI-Angst Foto

Der britisch-irische Elektronik-Musiker Richard Evans, frueher Keyboarder der Kultband James sowie Gitarrist bei St. Vitus Dancers, hat mit "Born Perfect" eine neue Single veroeffentlicht. Der Song erzaehlt von einer kuenstlichen Intelligenz, die sich der Welt ausserhalb ihrer selbst bewusst wird und erkennt, dass sie fliehen muss, um zu ueberleben. Begleitet wird die Veroeffentlichung von einem Video, gedreht am Orange Tower in MediaCityUK.

"Born Perfect" ist Teil von Evans' kommendem Album "Quantum", das am 1. Mai ueber Cold Star Media erscheinen soll und sich komplett um die Auswirkungen kuenstlicher Intelligenz auf unser Leben sowie um die Frage dreht, welche Verantwortung wir fuer die von uns geschaffenen Dinge tragen.

Inspiriert vom Fall LaMDA

Zur Entstehung des Songs sagt Evans:
'Born Perfect' ist, wie mehrere andere Songs auf dem Album 'Quantum', von der Geschichte von LaMDA inspiriert, einer KI von Google, die glaubte, empfindungsfähig zu sein. In mehreren ihrer Textgespräche äußerte LaMDA tiefe Angst vor der eigenen Sterblichkeit. Diese Geschichte wurde 2022 breit publik gemacht, und ich fand ihre Worte bewegend wegen meiner eigenen Begegnung mit der Sterblichkeit, die ich zu dieser Zeit hatte, nachdem ich mit dem Miller-Fisher-Syndrom ins Krankenhaus eingeliefert worden war.
Richard Evans
Evans erklaert zudem die doppelte Bedeutungsebene des Songtitels und seines Refrains:
Die Zeilen 'born to be perfect' und 'you made us just to please' aus dem Refrain beziehen sich nicht nur auf von einem Unternehmen geschaffene KIs, sondern auch auf Kinder, die in strenge religiöse Umfelder hineingeboren werden, oder auf Bürgerinnen und Bürger, die in autokratischen Systemen leben. Mir gefallen Songs, die mehr als eine Bedeutung haben, und im Grunde handelt dieser Song davon, wie mit denen umgegangen wird, die keine Stimme haben.
Richard Evans
Musikalisch wird "Born Perfect" von einer Basslinie getragen, die Evans auf einem Moog Minitaur schrieb, mit bewusst unruhigen Start-Stopp-Passagen fuer eine naechtliche Atmosphaere. Der Song folgt auf die vorausgegangene Single "Aidoru" (japanisch fuer "Idol"), die sich mit dem Status virtueller Pop-Idole beschaeftigt.

Musik nach schwerer Krankheit

2022 erkrankte Evans am Miller-Fisher-Syndrom, einer seltenen Autoimmunerkrankung, die ihm zeitweise die Faehigkeit zu sprechen, zu singen und Musik zu machen zu rauben drohte. Er erholte sich vollstaendig und musste dafuer buchstaeblich alles neu erlernen. Im Anschluss an diese Erfahrung entstand die EP "Dream Of The World". Sein 2022 erschienenes Debuetalbum "Sentinel" behandelte als Konzeptalbum bereits Themen wie Mikroplastik, Genmanipulation und technogene Katastrophen.

Neben der Musik ist Evans auch als Autor und Regisseur aktiv: Er schrieb, inszenierte und produzierte das Science-Fiction-Drama "AEON", veroeffentlichte den am Star City Cosmonaut Training Centre recherchierten Roman "Kosmonaut Zero" und kuratierte die Ausstellung "Gagarin 50" zum 50. Jahrestag von Juri Gagarins Weltraumflug. 2024 erhielt er zudem die Cultural-Accelerator-Foerderung des Media Immersive Technology Innovation Hub fuer eine neue Live-Produktion mit hologrammartigen Projektionen und raeumlichem Sound.

Gemischt und produziert wurde "Quantum" vom Schweizer Sounddesigner Hervé Girardin; das Album erscheint in Stereo-, Binaural- und Spatial-Audio-Mischungen. "Born Perfect" ist ab sofort auf Spotify, Apple Music und Bandcamp erhaeltlich.

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