Der Weg zur ersten EP
Musikalisch begleitet hat Lorena Handschin ihr Leben lang. Bislang spielte sich das jedoch meist im Verborgenen ab. Im Kämmerchen saß sie am Klavier und schrieb traurige Herzschmerzlieder – ausschließlich für sich selbst. Für die gebürtige Schweizerin, die bereits seit Jahren in Berlin und Zürich lebt und arbeitet, war dieser musikalische Rückzug ein intimer Zufluchtsort. Bisher stand die Schauspielkunst im Mittelpunkt ihres professionellen Schaffens, während die eigene Musik privat blieb.Dass sich das nun ändert, ist einer schicksalhaften Begegnung zu verdanken. Hinter der Bühne des Deutschen Theaters traf sie auf die Musikerin Carolina Bigge. Nach einer gemeinsamen musikalischen Einlage für ein Theaterstück stellte Bigge die entscheidende Frage, ob Lorena denn nicht auch eigene Musik mache. Das war der Funke, der die Arbeit an der Debüt-EP „Unter Wasser“ ins Rollen brachte. Damit wagt die Künstlerin gleich einen dreifachen Neuanfang: Sie gibt ihr Debüt als Solomusikerin, veröffentlicht beim Label Radicalis und singt zum ersten Mal auf Deutsch.
Bewusste Entscheidung für die deutsche Sprache
Der Wechsel zur deutschen Muttersprache war für die Künstlerin kein Zufall, sondern eine wohlüberlegte Herausforderung. Sie wollte sich nicht länger hinter der englischen Sprache verstecken, sondern mit Worten spielen. Auf Deutsch kannst du sie von einer direkteren, klareren Seite erleben, die politische Statements ermöglicht, ohne dabei die emotionale Nähe zum Publikum zu verlieren.Fünf Songs umfasst die EP „Unter Wasser“, die stilistisch irgendwo zwischen Elektropunk und der Neuen Neuen Deutschen Welle verortet sind. Dabei gelingt der Künstlerin ein spannender Spagat: Die Stücke verknüpfen eine klare feministische Haltung mit einer unverkennbaren hedonistischen Lebensfreude. Sie sollen antreiben, mitreißen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen. Wenn du genau hinhörst, spürst du den DIY-Charakter und die Liebe zum Detail, die deutlich von Vorbildern wie Ideal oder Malaria! inspiriert sind.
Auseinandersetzung mit ernsten Themen
Wie das klingen kann, zeigt die erste Single „Einzelfall“ eindrucksvoll. Der Song widmet sich Themen wie dem Patriarchat und Femiziden – und das auf eine bislang ungewohnte Weise. Statt rein anklagend oder wütend zu klingen, schlägt der Track auch lösungsorientierte Töne an. Er verbindet eine spürbare Leichtigkeit mit der nötigen Bestimmtheit, um nachhaltig zu wirken. Lorena Handschin bringt diese Haltung auf den Punkt:Es ist keine Krankheit, es heißt Patriarchat – und weil es keine Krankheit ist, schaffen wir es ab.



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