Musik

Lee "Scratch" Perry & Mouse on Mars: Neues Album

Das posthume Kollaborationsalbum verbindet Dub und experimentelle Klänge.



Lee

Wenn sich Legenden des Reggae und experimentelle Klangtüftler treffen, entsteht selten gewöhnliche Musik. Nach dem Tod des jamaikanischen Pioniers Lee „Scratch“ Perry schien zunächst eine Welle vermeintlich letzter Aufnahmen den Markt zu überschwemmen. Doch das eigentliche, finale Kapitel führt nicht in mythische Rückzugsorte, sondern direkt nach Berlin zu Mouse on Mars. In einem Studio, das eher an ein akustisches Labor erinnert, haben die Künstler gemeinsam an etwas gearbeitet, das sich kaum in gängige Schubladen pressen lässt. Das gemeinsame Album trägt den Titel „Spatial, No Problem.“ und erscheint am 5. Juni 2026.

Ein kreatives Ritual im Berliner Studio

Die Sessions zwischen dem unberechenbaren Dub-Vordenker und den deutschen Elektronik-Experten verliefen alles andere als konventionell. Perry reiste mit Koffern voller Talismane und kryptischer Parolen an, beschriftete Wände, murmelte, hustete und verwandelte die Studioräume in ein echtes, fast schamanisches Ritual, während im Hintergrund Suppe gekocht wurde und man ohne große Worte einfach machte. Die Musik, die dabei entstanden ist, sprengt genretypische Fesseln mühelos. Schon der erste Vorgeschmack mit der Single „Rockcurry“ macht deutlich, wohin die Reise geht: Klassischer Dub wird hier durch eine Maschine gefüttert und träumen gelassen. Motorische Rhythmen treffen auf feine Störgeräusche und dadaistische Sprachsplitter jenes Voodoos, das Perry stets in technischen Apparaten vermutete. Reggae fungiert hier nicht länger als starres Korsett, sondern als ein schwer greifbares Echo, das sich durch die futuristischen Klanglandschaften zieht.

Begleitet wird die Single von einem visuell dichten Video, das sich aus Studiofotografien, analogen Zeichnungen und Fundstücken speist. Statt einer linearen visuellen Erzählung erwartet dich hier ein flirrender Strom aus Erinnerungen und Momentaufnahmen, der den chaotischen Entstehungsprozess perfekt widerspiegelt und die Präsenz der Beteiligten greifbar macht.

Vom Tonträger zur begehbaren Klanginstallation

Das Projekt beschränkt sich jedoch keineswegs auf das klassische Albumformat im Plattenregal. Im Rahmen der Reihe „Project A Black Planet“ findet das Werk im renommierten Londoner Barbican Centre den Weg in den physischen Raum. Dort wird „Spatial, No Problem.“ als begehbare Klanginstallation erlebbar gemacht. Perrys kreatives Vermächtnis wird auf diese Weise nicht einfach starr konserviert, sondern flüssig gehalten und in einen neuen, ortsspezifischen Kontext überführt. Das Album entpuppt sich damit als weitaus mehr als eine Sammlung von Songs; es ist ein fließender Übergang und der Beweis dafür, dass Raum tatsächlich kein Problem darstellt.

Wer sich einen genauen Überblick über die Tracks verschaffen möchte, findet hier die offizielle Titelliste des kommenden Longplayers.

Tracklist

  1. Rockcurry
  2. Hallo Shiva
  3. Economic Train
  4. Spatialee
  5. Fire Dali
  6. Yayaya
  7. To The Rescue
  8. State Of Emergency

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