Musik

Isländischer Komponist Gísli Gunnarsson kündigt Album an

Das neue Werk „Úr Öskunni“ verarbeitet Vulkanausbrüche und Krisen.



Isländischer Komponist Gísli Gunnarsson kündigt Album an Bild Isländischer Komponist Gísli Gunnarsson kündigt Album an Screenshot Isländischer Komponist Gísli Gunnarsson kündigt Album an Foto

Die Naturgewalten Islands haben das Schaffen des Komponisten und Multiinstrumentalisten Gísli Gunnarsson auf eine sehr persönliche und schmerzhafte Weise geprägt. Für sein neues Album [i]Úr Öskunni[/i] lieferten vor allem die verheerenden Vulkanausbrüche in seiner Heimatstadt Grindavík die unerbittliche Kulisse. Die erzwungene Evakuierung, die Zerstörung seines Zuhauses sowie die monatelangen Erdbeben und die anhaltende Instabilität spiegeln sich direkt in den neuen Kompositionen wider. Musik wurde für den Künstler in dieser Ausnahmesituation zu einem dringend benötigten Rückzugsort und einem emotionalen Ventil, um das Erlebte zu verarbeiten.

Verarbeitung von Trauma und isländischer Folklore

Sein musikalischer Weg führte den Isländer in den vergangenen Jahren zu beachtlichen Kooperationen. Im Jahr 2023 machte er mit dem Gemeinschaftsalbum [i]Mementos[/i] auf sich aufmerksam, auf dem unter anderem Georg Holm von Sigur Rós, Mat McNerney von Hexvessel sowie Laufey Soffía von Kælan Mikla mitwirkten. Das Werk brachte ihm viel Lob und einen Platz auf Bandcamps renommierter Bestenliste ein. Kurz darauf folgte eine Zusammenarbeit mit der französischen Band Alcest. Gunnarsson steuerte Choräle, Arrangements und Produktionselemente für deren Album [i]Les Chants de l'Aurore[/i] bei und veröffentlichte gemeinsam mit der Formation die Single „Wings of Glass“. Diese musikalische Reifung und die tiefen persönlichen Einschnitte durch die Naturkatastrophe in seiner Heimat fließen nun direkt in sein neues Soloprojekt ein.

Die Stücke auf [i]Úr Öskunni[/i] fungieren wie ein musikalisches Tagebuch, das die Schrecken des Verlusts und die Hoffnung auf Neubeginn dokumentiert. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist das Stück „Heima“, das kurz nach seiner Umsiedlung in ein abgelegenes, vom Roten Kreuz zur Verfügung gestelltes Sommerhaus entstand.
Die Isolation und das Trauma setzten allmählich ein. Die Botschaft und die Emotionen hinter dem Lied sind schlicht die Trauer und die Sehnsucht nach einem Zuhause.
Gísli Gunnarsson
Das Lied zeichnet sich durch eine melancholische Atmosphäre aus, die den abrupten Verlust von Sicherheit und Identität hörbar macht.

Deutlich hoffnungsvoller klingt hingegen der Track „Glókolla“. Der Name leitet sich von einem Kosewort für hellhaarige Kinder ab und erinnert an seine damalige Partnerin sowie an den starken Zusammenhalt in der isländischen Gemeinschaft.
Meine Freundin zu dieser Zeit war der ursprüngliche Funke für diesen Song. Ich hatte sie wegen ihrer blonden Haare Glókolla genannt – ein Wort, das wir oft liebevoll verwenden. Aber es wurde zu etwas viel Größerem. Island ist wirklich zusammengekommen, um die Menschen aus Grindavík zu unterstützen, und dieser Song spiegelt diese kollektive Liebe wider.
Gísli Gunnarsson
Auch die isländische Sagenwelt findet auf dem Album ihren Platz. Der Track „Andlitin í Berginu“ widmet sich alten Felsformationen.
Wie viele Isländer sehe ich Trolle in den Lavafeldern. Es gab vor allem zwei Trolle auf dem Gipfel des Þorbjörn, einem Berg in der Nähe von Grindavík. Ich nannte sie den König und den Diener. Ich bin dort aufgewachsen und habe sie geliebt.
Gísli Gunnarsson
Da diese markanten Felsen während der Erdbeben eingestürzt sind, verarbeitet der Musiker diesen Verlust, indem er die Perspektive der uralten Steinwachen einnimmt, die nun für immer verstummt sind. Das Album bewegt sich gekonnt im Spannungsfeld aus Post-Rock, modernem Klassik-Stil und atmosphärischer Klangkunst. Wenn du Musik suchst, die echte Geschichten erzählt und emotionale Tiefe besitzt, bietet dir dieses Werk eine intensive und berührende Hörerfahrung.

Tracklist

  1. Heima
  2. Lúpína
  3. Andlitin í Berginu
  4. Aska
  5. Glókolla
  6. Söknuður
  7. Þjófagjá
  8. Álftavatn
  9. Tómarúm
  10. Þar sem vindurinn þekkir nafn mitt

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