Der kanadische Folk- und Rockmusiker Bruce Cockburn blickt auf eine mehr als fünf Jahrzehnte umspannende Karriere zurück. Mit Klassikern wie „Lovers in a Dangerous Time“ prägte er die Musiklandschaft seines Heimatlandes entscheidend mit. Für sein mittlerweile 39. Album geht der Musiker nun einen besonderen Weg: Am 16. Oktober erscheint über Sunset Boulevard Records das Werk „The Blood of Others“. Statt eigener Kompositionen versammelt die Platte Stücke anderer Künstlerinnen und Künstler, die Cockburns eigenen Stil lange vor seinen ersten eigenen Zeilen maßgeblich beeinflusst haben.
Ein musikalischer Blick zurück auf die eigenen Wurzeln Die Idee zu einem reinen Cover-Projekt begleitete Cockburn schon seit den 1980er-Jahren. Über die Jahrzehnte sammelte er Lieder aus Gospel, Blues, Jazz, Ragtime und Folk, die sich in seinem Gedächtnis festgesetzt hatten. Den Anstoß gaben Platten, die er in seiner Kindheit in Ottawa hörte, sowie Eindrücke aus den Coffeehouses der 1960er-Jahre, in denen er seine Stimme fand. Der Titel des Albums stammt übrigens aus einer unerwarteten literarischen Quelle: Simone de Beauvoirs Roman „Das Blut der anderen“, der während der deutschen Besetzung Frankreichs entstand. Das Buch behandelt persönliche Verantwortung und schwierige Entscheidungen in Zeiten der Unterdrückung – für Cockburn eine treffende Metapher für eine Sammlung von Songs, die er nicht selbst geschrieben hat.
Musikalisch deckt „The Blood of Others“ ein breites Spektrum ab. Das Album startet mit dem Gospel-Titel „Wish I Was in Heaven Sitting Down“ von Robert Wilkins, den Cockburn in den frühen 1970er-Jahren entdeckte und für die neue Aufnahme in einer Dadgad-Gitarrenstimmung arrangierte. Auch Standards wie Herman Hupfelds „As Time Goes By“ aus dem Filmklassiker „Casablanca“ finden sich auf der Tracklist. Hier ergänzte Cockburn die oft weggelassene Original-Einleitung und passte sie zeitgemäß an.
Frühe Einflüsse aus Jazz und Ragtime spiegeln sich in „Buddy Bolden’s Blues“ wider, während Jo Staffords Radiohit „You Belong to Me“ Erinnerungen an Cockburns fünftes Lebensjahr weckt. Auch Elvis Presley und dessen Gitarrist Scotty Moore hinterließen tiefe Spuren beim jungen Musiker: Der Titel „That’s Alright“ weckte in ihm einst den Wunsch, selbst zur Gitarre zu greifen, wobei sich seine eigene Version eher am Original von Arthur Crudup orientiert. Mit „Four Strong Winds“ von Ian und Sylvia erweist er zudem der Musikszene seiner Heimatstadt Ottawa die Ehre, wo er das Duo in den 60er-Jahren im Club Le Hibou erlebte.
Ergänzt wird die Auswahl durch persönliche Meilensteine wie Billie Holidays „God Bless the Child“, Mississippi John Hurts „Louis Collins“ oder Bessie Smiths „Yellow Dog Blues“. Selbst Stücke wie „I’ll Be Seeing You“, „One for My Baby“ oder das französische Chanson „Les Feuilles Mortes“ fügen sich in das Narrativ ein.
Cockburn, der in seiner Laufbahn unter anderem 13 Juno Awards erhielt und in die Canadian Music Hall of Fame aufgenommen wurde, knüpft damit an sein jüngstes Studioalbum „O Sun O Moon“ an. Schon dort machte er deutlich, dass er sich künstlerisch niemals wiederholen möchte. Mit „The Blood of Others“ beweist er nun erneut seine stilistische Neugier – diesmal mit den Songs, die ihn einst selbst zum Musiker machten.
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