Eine bewegende Reise nach Damaskus
Inhaltlich entführt dich der Film in ein Land im tiefen Wandel. Nur wenige Wochen nach dem Sturz von Assad streift eine Frau mittleren Alters durch das vom Krieg gezeichnete Damaskus. Sie leidet unter Gedächtnisverlust und begibt sich auf die Suche nach ihrer eigenen Identität. Als sich ihr Weg mit dem von Amira kreuzt, verändern sich die Perspektiven beider Frauen grundlegend, während sie gemeinsam nach Antworten suchen. Gedreht wurde im Herbst 2025 direkt vor Ort in der syrischen Hauptstadt. Für Alabdulaa ist dies ein ganz besonderes Projekt, denn es handelt sich um seinen ersten vollständig unabhängig produzierten und zugleich ersten in seiner Heimat gedrehten Film.Die Einladung des Kurzfilms Nafron zur Semaine de la Critique bedeutet mir wahnsinnig viel! Ich bin im Osten Syriens aufgewachsen. In einer Region, die so wenig Infrastruktur hatte, dass es weder Kinos noch Museen gab. Wenn ich an meine Kindheit in der Wüste zurückdenke, kommt es mir noch immer völlig surreal vor, dass ich in einem Monat nach Cannes fahren darf, um dort diesen Film zu zeigen. Ein Film, der, wie ich hoffe, einen Moment festhält, den das Ende von Assads Herrschaft im Jahr 2024 möglich gemacht hat. Vor allem weil der Film abseits von großen Strukturen oder Firmen entstanden ist, bedeutet mir die Weltpremiere in Cannes wirklich sehr viel, und ich bin allen Menschen dankbar, die mich in meinem Leben auf diesem Weg begleitet haben und immer noch begleiten. Ohne sie wäre das nicht möglich.
Vom Wüstenkind zum Regisseur in München
Der persönliche Werdegang des Regisseurs ist eng mit den historischen und politischen Umbrüchen seiner Heimat verknüpft. Im Jahr 1994 in der syrischen Wüste geboren, verbrachte er seine Kindheit in der Beduinenkultur. Während der syrischen Revolution organisierte er monatelang Demonstrationen gegen das Assad-Regime in Aleppo, was im Jahr 2014 schließlich zu seiner Inhaftierung führte. Nach seiner Freilassung musste er das Land verlassen und floh als politischer Flüchtling nach Europa.Seit dem Jahr 2020 studiert er Spielfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und wird seither als Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert. Seine im Rahmen des Studiums entstandenen fiktionalen Kurzfilme wurden weltweit auf mehr als hundert Festivals gezeigt. Sein vorheriger Kurzfilm Walud gewann den Best-of-Fest-Award beim L.A. Shorts International Film Festival und schaffte es dadurch sogar auf die Longlist für den Oscar in der Kategorie Live Action Short Film. Mit Nafron zeigt er nun erneut sein feines Gespür für gesellschaftsrelevante Stoffe. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit einem Team aus kreativen Köpfen wie Executive Producer Armin Schneider, Creative Producer Louise Zenker, DoP Henri Nunn, Editor Jonas Riedinger und Komponistin Arezou Rezaei, während Salha Nasraoui und Nada Alabdalla die Hauptrollen übernehmen.


Noch keine Kommentare. Starte die Diskussion!