Geister verpatzter Träume und gesellschaftlicher Erwartungen
Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge Toprak. Sie ist aktuell arbeitslos, begeistert sich für Videospiele und hegt den Wunsch, als Schriftstellerin Fuß zu fassen. Angesichts einer als trostlos empfundenen Zukunft in der Türkei plant sie den Ausstieg aus den gewohnten Verhältnissen. Die Familiensituation gestaltet sich jedoch kompliziert: Seine eigenen unerfüllten Lebensentwürfe versucht die Mutter Suzan über die Tochter nachzuholen. Zeitgleich gerät Vater Melih nach seinem Eintritt in den Ruhestand schleichend in eine existenzielle Krise, die er vor seinem Umfeld verbirgt.Die Wendung tritt ein, als Melih unerwartet von einer übernatürlichen Gestalt aufgesucht wird. Kurze Zeit später sieht sich die gesamte Familie mit den manifestierten Geistern ihrer eigenen aufgegebenen Wünsche und nicht genutzten Optionen konfrontiert. Neben den irdischen Konflikten kommen in der Erzählung auch die Geister selbst in Form eingestreuter Interviews und Kommentare direkt zu Wort. Dieser stilistische Kniff verleiht der tragikomischen Geistergeschichte eine eigenständige Struktur.
Der Titel des Films greift einen bekannten türkischen Volksglauben auf: Demnach zieht das Pfeifen nach Einbruch der Dunkelheit böse Geister an. Pinar Yorgancioglu nutzt diesen Mythos als Metapher für jene Schatten der Vergangenheit, die auftauchen, wenn Entscheidungen verdrängt oder Lebensentwürfe nicht weiterverfolgt werden.
Hinter dem Projekt steht eine umfangreiche internationale Zusammenarbeit. Those Who Whistle After Dark entstand als türkisch-bulgarisch-deutsche Koproduktion der Filmgesellschaften Portokal, Marlene Film GmbH, İndibindi Film, Gecekuşu Film, İkinciyeni Film, Rosa Film, Maya Films sowie dem Sender TRT. Das Drehbuch verfasste Yorgancioglu gemeinsam mit Emre Gulcan, während Jonas Schneider für die Kameraführung verantwortlich war. Auf Produzentenseite zeichnen Bekir Yusuf Aciksoz, Onder Furkan Besli, Zeynep Ekmekçi, Dilde Mahalli und Pinar Yorgancioglu verantwortlich, unterstützt von den Koproduzenten Kanat Dogramaci, Victoria Mitreva, Sandra Müller und Vanya Rainova.
Gefördert wurde die Realisierung von zahlreichen Institutionen, darunter das Bulgarische National Film Center, die MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, das Medienboard Berlin-Brandenburg, Meetings on the Bridge, das Arri International Support Programm, das Antalya Film Forum, Başka Market sowie der Ankara Film Festival Project Development Support.
Wenn du die Vorführung besuchen möchtest, hast du während des Filmfests Hamburg die Gelegenheit dazu. Die Deutschlandpremiere findet am Donnerstag, den 1. Oktober 2026 um 21:45 Uhr im Hamburger Kino Metropolis statt. Im Rahmen des Screenings wird Regisseurin Pinar Yorgancioglu persönlich vor Ort sein.


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