Winterspiele

1106 0 0 24. September 2008
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Die olympischen Winterspiele in Turin (Torino 2006) stehen vor der Tür und so überrascht es nicht weiter, dass es auf dem Markt gerade eine ganze Reihe von Winterspielen gibt. Unter die ganzen Skisprung und Skisimulationen mischen sich nun eben auch vermehrt Games mit allen olympischen Disziplinen. So lockt “Winterspiele” aus dem Hause Independent Arts mit 14 Disziplinen in sieben verschiedenen Sportarten und laut Beschreibung mit “Fantastischer 3D-Grafik” und mit “herausfordernden Wettkämpfen”. Nun, wir nehmen die Herausforderung an…

Der Berg ruft…

Nach dem Start empfängt uns ein äußerst aufgeräumtes und gut gelungenes Menü, welches sofort zum Spielen eines der Modi “Training”, “Turnier”, “Arcade” oder “Hot-Seat” einlädt. Je nach Modus kann man sich nun eine oder mehrere der folgenden Sportarten aussuchen: Zweier- und Viererbob, Rodeln, Skispringen, Eisschnelllauf, Ski-Freestyle, Snowboard und Biathlon. Es ist also eine ganze Menge geboten für einen angehenden Wintersportler und so kann man nach einigen Trainingseinheiten sicherlich bis in die Weltspitze vorstoßen.

Leider stellt sich spätestens nach den ersten Trainingseinheiten schnell Ernüchterung angesichts der Steuerung ein. Im Wesentlichen läuft das Spiel nämlich so ab: Auf dem Bildschirm sehen wir unseren Athleten, der sich gerade in die Bobbahn stürzt. Am oberen Bildschirmrand läuft ein Band in dem neben einem Punkt auch Pfeile von rechts nach links durchlaufen. In der Mitte befindet sich ein Kästchen und wenn nun ein Pfeil genau in dem Kästchen ist, muss man die entsprechende Pfeiltaste auf der Tastatur drücken. Ein runder Punkt signalisiert die Aktionstaste, also standardgemäß die Leertaste. Je nachdem, ob man nun die Tasten im genau richtigen oder zu einem unpassenden Zeitpunkt drückt schwankt das Ergenbnis zwischen “Perfekt” und “Fehler” und hat dann auch unmittelbaren Einfluss auf die Geschwindigkeit in der Bobbahn.

Das wäre ja noch nicht so schlimm, wenn es nur bei der Bobfahrt so wäre, aber natürlich ist es auch beim verwandten Rodeln so. Und völlige Enttäuschung stellt sich ein, als man erkennen muss, dass genau dieses Prinzip bei JEDER der genannten Sportarten angewandt wird. Egal, ob wir nun gerade mit dem Snowboard in der Halfpipe sind oder aktuell beim Skispringen, man achtet eigentlich permanent nur auf das oben im Bildschirm ablaufende Band und drückt fünf Tasten.

Die Aussicht vom Berg…

Es versteht sich irgendwie von selbst, dasss man von der Grafik des Spiels eigentlich nicht viel mitbekommt, denn man hat nicht die Zeit seinen Blick vom Laufband zu nehmen während sich die Sportler darunter abrackern. Grafisch gesehen jedoch macht “Winterspiele” gar keine so schlechte Figur, allerdings nur mit gewissen Einschränkungen. Manche Sportart ist wirklich gut in Szene gesetzt (Bob, Rodeln), aber bei anderen wirken die Sportler unrealistisch starr und spröde (Snowboard, Biathlon). Dennoch kann die Grafik an diesem Punkt durchaus noch überzeugen. Weniger überzeugend sind dagegen die Locations. Das Publikum besteht aus zweidimensionalen Grafiken, die beim richtigen Blickwinkel aussehen, als hätten die Veranstalter Pappkameraden aufgestellt, um den Spieler das Gefühl einer gut besuchten Arena zu geben.

Hinzukommen gelegentliche Clippingfehler (Medaillenvergabe) und grafisch schlecht animierte Objekte (Flaggen, Schatten, Publikum). Alles in Allem würde wir die Grafik als ausreichend bezeichnen. Da schneidet die Sounduntermalung schon besser ab, denn die rockigen Tracks lassen den Computer ordentlich wackeln und geben dem Spiel gute Schubkraft. Auch die Ingame-Geräusche der Bobbahn oder des Schnees unter den Brettern, sind sehr ordentlich.

Vom Berg kommen alle wieder runter

Von der Grundidee ein Spiel zu den Olympischen Spielen zu machen und hierbei einige der beliebtesten Disziplinen für die Mattscheibe umzusetzen sind wir durchaus überzeugt, allerdings kann uns “Winterspiele” nicht so ganz vom Hocker reißen. Es wäre sicherlich ein gutes Spiel geworden, wenn nicht die Art die Sportler zu steuern so gravierend schlecht ausgefallen wäre. Wieso sollte ein Computerspieler seine Augen immer nur auf ein Laufband richten ? Hat den Entwicklern das in ihren eigenen Tests wirklich Spaß gemacht ? Da erscheint in unseren Augen selbst das Laufband bei Viva noch aufregender, denn da ist zumindest Abwechslung drin.

Wieso hat man nicht versucht eine ähnliche, aber halbtransparente Lösung in der Mitte des Bildschirms um den Sportler herum zu platzieren. Wir möchten dringend auf die Lösung von “Skispringen Winter 2006” hinweisen, wo ein Kreis um den Athleten herum gestaltet wurde, der ebenso alle Parameter zur Steuerung enthält und dabei nicht vom Spielgeschehen auf dem Schirm ablenkt. Wozu all die Mühe mit der grafischen Umsetzung, wenn keiner hinsieht ? Wir kommen nicht dahinter…

Fazit

"Winterspiele 2006" ist ein technisch guter Vertreter seines Genres, leider aber mit einer Steuerung versehen, die nicht wegen ihrer Präzision, sondern vielmehr wegen ihrer ganzen Art und Weise jeden Spielspaß und jedes Winterfeeling zunichte macht. Auch wenn das Spiel nicht ganz so teuer in der Anschaffung ist, können wir jedem nur anraten sich die Demo ganz genau anzusehen, denn "Winterspiele 2006" ist mehr ein Reaktionsspiel, also eine echte Wintersportsimulation.
Grafik
65%
Sound
79%
Gameplay
47%
Steuerung
10%

Gesamtwertung

51%

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