Valkyrie Profile 2: Silmeria (PS2)

1960 0 5 24. September 2008
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Titel:Valkyrie Profile 2: Silmeria
EAN:5060121821866
System:PlayStation2
USK:Freigegeben ab 12 Jahren
Label:Koch Media GmbH
Release:2007-11-06

Playstation 2? Interessant. Also gibt es wohl doch noch ein paar hochkarätige Studios die die gute alte PS2 nicht vollständig abgeschrieben haben. Nicht alles was auf einer PS3 gut aussieht ist auch ein gutes Spiel. Tri-Ace bringt dieser Tage eine Neuauflage des schon etwas angestaubten Valkyrie Profile auf den Markt. Teil 2 mit leichter Verspätung sozusagen. Wer weiss, vielleicht lag VP2 bereits kurz nach VP1 als Designstück in den Schubladen und hat nur eben ein bisschen länger gebraucht um marktreif zu werden. Wie auch immer, herausgekommen ist jedenfalls etwas, das in dieser Form wohl kaum jemand erwartet hätte.

Ein Rollenspiel für die Playstation 2. Was vor einigen Jahren sicherlich zu einem Run in die Läden geführt hätte, läßt in den heutigen Zeiten eigentlich nur müde Reaktionen erwarten. RPGs gibt es für die PS2 wie Sand am Meer. Nahezu jeder Plot wurde bereits umgesetzt und durchgespielt. Da muss schon einiges kommen um mehr als ein “Ganz nett” zu erwarten. Aber immerhin stellt VP inzwischen so etwas wie einen Klassiker dar. Innovativ, durchdacht und ganz und gar nicht altbacken stellte sich der Erstling damals vor, obwohl es auch zum damaligen Zeitpunkt bereits gute Konkurrenz gab. Schade nur, dass der alte Kontinent wie meistens reichlich lange auf eine Umsetzung warten musste, in Übersee erschien VP2 bereits vor einem guten Jahr.

Adventure mit Einlage

Auf den ersten Blick ist alles beim alten geblieben. Und doch ist wieder alles anders. Noch mal schnell einen Blick auf die Verpackung werfen. Nein, da steht 2 und nicht 8 oder 14. Es ist wirklich der zweite Teil und dennoch hat man teilweise das Gefühl einen derartigen Quantensprung könnte nur durch stetige Weiterentwicklung sprich weitere Teile erreicht werden. Vorteil des bekannten Konzepts ist der schnelle Wiedereinstieg. Man hat nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben und freut sich dennoch ob der interessanten Umsetzung was da wohl alles hinzuperfektioniert wurde.

Die Spielwelt wird ausnahmsweise mal nicht in der ?Schräg von oben? Perspektive präsentiert, sondern zeigt sich eher im Adventuregewand. Schöne Grafiken, die man auf vorgegebenen Wegen durchschreiten kann. Das wurde so konsequent weitergeführt, dass man auf der Landkarte nicht nur die ganze Welt sieht, sondern auch noch hin- und herporten kann. Also wer sich auf stundenlange, durch zufallsbasierte Monsterattacken unterbrochene, Spaziergänge gefreut hat, ist bei VP2 falsch aufgehoben. Und doch ist alles vorhanden was der Durchschnitts-RPG-Spieler in einem solchen Spiel erwartet. Dörfer und Häuser, Gastschenken, Läden zum An- und Verkauf sowie NPCs die mit Informationen nicht geizen.

Pflugscharen zu Schwertern, her mit dem Feind

Wem das zu langweilig ist, der begibt sich in die Heimstätten der Monster. Da VP2 in Midgard angesiedelt ist, entsprechen diese den passenden nordischen Monstereinheiten. Betritt man ein “Dungeon” so wechselt VP2 in ein irgendwie anderes Genre. Beschreiben läßt sich dies am ehesten als Action-Adventure-Jump?n Run-RPG. Soll heißen, man wandert weiterhin von rechts nach links durch die Hintergrundbilder, aber es tauchen Hindernisse auf, die überwunden werden wollen. Dies geschieht auf unterschiedlichste Art und Weise. Die meisten davon sind Rätsel oder Geschicklichkeitseinlagen.

Spätestens beim Feindkontakt bricht aber dann wieder der RPG Teil durch. Eine 3D Arena erscheint in der die beiden sich bekämpfenden Gruppen an unterschiedlichen Enden auftauchen. Nun kommt es in VP2 zu einer eigenartigen Mischung aus Rundenbasiertem Kampf und Echtzeitscharmützel. Sozusagen mal was anderes. Beide Gruppen versuchen zum Gegner zu gelangen bzw. in Reichweite für Attacken. Dabei warten die computergesteuerten Monster zuerst den Zug des Spielers ab. Ist die Reichweite für Angriffe erreicht, kann man mit speziellen Kommandos losschlagen, allerdings warten hier die Monster nicht auf den Spieler.

Echtzeitaction mit Teepause

Im Kampf selbst wird jedem der vier steuerbaren Charaktere eine Taste zugeordnet mittels derer man hochinteressante und hochgradig nützlichen Kombinationen einsetzen kann. Da die Taktik sozusagen rundenbasiert eingesetzt wird kann man in Ruhe tüfteln was wohl wie am besten zu lösen sei. Im Kampf selbst ist dann die Echtzeitfertigkeit gefragt. Das Ganze stellt sicherlich eine der interessantesten Mischungen zweier RPG Kampfsysteme dar die man aktuell finden kann. Hektik und Ruhe, Taktik und Fingerfertigkeit, Überlegung und Geschwindigkeit hier ist stets beides gefragt und trotzdem findet man zwischendurch genug Gelegenheit für ein paar Lockerungsübungen.

Ist der Kampf siegreich beendet finden sich die klassischen RPG Elemente wieder. Beute einsammeln, Läden aufsuchen, ausrüsten, hochleveln etc. Außer den kurzen Wegen gibt es hierbei kaum etwas Aufsehenerregendes. Natürlich ist die Anzahl der Gegenstände hoch, die Fertigkeiten die man erwerben bzw. erlernen kann gewaltig, aber das bietet eigentlich jedes andere RPG in weitestgehend gleicher Form auch. Dies soll kein Tadel sein sondern die eher nüchterne Feststellung, dass in VP2 nicht alles Gold ist, aber wenigstens genauso gut nutzbar. Sozusagen goldener Actionbereich auf ehernem Grundgerüst.

Haare in der Suppe ?

Schwachpunkte hat VP2 natürlich ebenfalls zu bieten. Wäre dem nicht so könnte man sich ja gar nicht mehr auf weitere Teile freuen. So fällt der konsequenten Wegführung und der Teleportkarte natürlich auch so manch heißgeliebter Nebenzweig zum Opfer. Es gibt einen Hauptweg und das wars auch schon. Tagelanges Beschäftigen mit Nebentätigkeiten oder Erforschen von langläufigen Gebieten fällt ob des Konzeptes schon mal aus. Glücklicherweise ist selbst der Mainplot in VP2 lang und aufwendig, so dass viele Stunden herausfordernder Entwicklung vor die Endsequenz gesetzt wurden.

Die Steuerung ist, gelinde gesagt, eher eine Herausforderung denn eine Erleichterung. Teilweise sind die Geschicklichkeitsspielchen dermassen kleinkariert ausgelegt dass man pixelweise arbeiten muss um voranzukommen. Obwohl diverse Nebencharaktere auftauchen, bieten sie leider so wenig Substanz wie die sonstigen Gegenstände. Man kann die gefallenen Mitstreiter mitnehmen um sie später von ihrem Schicksal zu erlösen, doch gerade ihre Schicksale liegen dabei vollkommen brach. Ansätze sind genug vorhanden, aber die Tiefenausführung kommt dabei leider viel zu kurz.

Die Krone der Schöpfung

Grafisch ist VP2 eine wahre Augenweide die so manchen PS2 Besitzer dafür entschädigen wird sich eben noch keine Konsole der neuesten Generation angeschafft zu haben. Die einzelnen Bilder sind dermassen aufwendig und nett gestaltet dass man geradezu Sightseeing betreiben möchte. Alles in allem verliert man nahezu die gleiche Zeit beim Betrachten die man sonst mit den üblichen Märschen von A nach B zugebracht hat. Auch die Animationen beispielsweise der eingesetzten Zauber sind mit viel Liebe gestaltet und langweilen auch nach der 10. Wiederholung noch nicht.

Um so richtig in Stimmung zu kommen wurden bei der audiophilen Gestaltung ebenfalls keine Kosten und Mühen gescheut. Der Soundtrack zu VP2 stellt wirklich einen Meilenstein dar, evtl. Liegt das aber auch daran das hier weniger asiatische Strukturen greifen, selbst den verwöhnten europäischen Ohren liegt das Gedudel das da aus den Lautsprechern dröhnt. Melodische Untermalungen treffen auf dramatische Kompositionen im Kampf und spannungstreibende Untermalung an kritischen Stellen.

Fazit

Viel Licht und wenig Schatten. Eigentlich eine rundum gelungene Fortsetzung mit genau der richtigen Mischung um die passende Vorfreude auf einen weiteren Teil zu entwickeln. Wenn in diesem dann die letzten Schwachpunkte auch noch ausgemerzt werden, könnte man mit Fug und Recht behaupten, das RPG Genre hat einen würdigen Thronanwärter gefunden.
Grafik
88%
Sound
86%
Gameplay
91%
Steuerung
66%

Gesamtwertung

89%

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