The History Channel: Great Battles of Rome

1110 0 0 24. September 2008
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Der Herrscher Roms lädt ein zum spielerischen Geschichtsunterricht auf der PSP. In historischen Schlachten zeigen wir ihm, wie es um unser Talent als Feldherr bestellt ist. Der History Channel berieselt uns zusätzlich mit allerlei Filmmaterial. Ganz so schlimm wie im Latein-Unterricht wird das schon nicht sein und eine Prise Bildung im Spiel kann ja eigentlich nicht schaden. Doch lässt sich geschehene Geschichte mit freiem Spielerlebnis verbinden?

Alle Wege führen nach Rom

Battles Of Rome versteht sich als Strategiespiel. Über eingespielte Szenen des History Channels sollen wir nebenbei wissenswertes über das Römische Reich erfahren. In den vielen Videoclips aus einer Dokumentation des TV-Senders reihen sich teilweise ungünstig komprimierte Bilder aneinander und versuchen, historisches Ambiente aufzubauen. Schön zu hören, dass deutsche Sprecher eingesetzt wurden und die Kämpfer im Spiel auf Latein antworten. Sieht man über die kleinen Grafikschwächen der Filmausschnitte hinweg, bleibt trotzdem nicht viel, denn lehrreich sind die bunten Filmchen nicht. Die Story, beziehungsweise die Einzelmissionen, wird auf Texttafeln zum selber lesen präsentiert. Nicht einmal eine Sprachausgabe gönnte man den kurzen Texten. Man muss dem Spiel an dieser Stelle trotzdem historische Korrektheit anrechnen. Es werden unzählige Völker genannt, woher sie stammen und was sie vorhaben. Leider gelingt es den Entwicklern nicht, die Informationen in einer einprägsamen Weise vorzuführen. Sicher haben die Römer viele Errungenschaften, über die sich berichten ließe, nur Battles Of Rome fängt keinen Aspekt so richtig ein. Die Missionen sind lieblos aneinander gereiht und es fehlt eine klare Verbindung zwischen den einzelnen Kampfstationen. Ob das Spiel im Kampfgeschehen wohl mehr Speck auf den Rippen hat?

Sobald wir uns für den Story-Modus oder ein Scharmützel (schnelles Spiel) entschieden haben, erscheint das Armeelager. Ohne zu wissen, was in der nächsten Schlacht zu tun ist, soll unser Heer zusammengestellt werden. Neue Einheiten rekrutieren, alte entlassen, die Truppe mit neuen Waffen ausrüsten – all das wird zuerst erledigt. Fühlen wir uns gut gerüstet, muss das kämpferische Vorgehen auf der Landkarte festgelegt werden. Auf der Karte können wir die eben angesehenen Einheiten geschickt positionieren und ihnen simple Befehle wie “Angriff”, “Warten” oder “Vorrücken” mitgeben. Hier kommt trotz der wenigen Möglichkeiten erstmals ein wenig Freude auf, denn auf den verschiedenen Terrains sind nicht alle Einheiten gleich gut aufgehoben. So ist es sinnvoll, Bogenschützen auf Anhöhen zu platzieren und nicht in dichtem Waldgebiet. Nervig ist die unhandliche Steuerung und die benutzerunfreundlichen Menüs ohne Erklärungen für die vielen Buttons. Das Spiel wirkt einfach unfertig. Sind alle Soldaten zweckmäßig verteilt, kommen wir zum dritten Teil einer jeden Schlacht – dem Kampf.

Auf in den Kampf!

Die Kamera betrachtet den Schauplatz aus der Vogelperspektive und die Krieger an den Fronten werden sichtbar. Jetzt können wir den Kampf per Knopfdruck starten und uns gemütlich zurücklehnen. Wir könnten zwar die umständliche Handsteuerung für die Steuerung einzelner Truppen nutzen, der Sieg ist uns aber ohnehin fast sicher. Wenn wir verlieren, können wir ohne jegliche Konsequenzen den Level wiederholen, so oft wir möchten. Ein paar kleine Veränderungen auf der Positionskarte sollten reichen, um spätestens beim zweiten Anlauf siegreich zu sein. Es funktioniert am Anfang sogar, mehrere Schlachten nacheinander zu gewinnen, obwohl man weder seine Truppen aufgestockt, noch geheilt hat und auch auf dem Schlachtfeld keinen Finger rührt. Die aufgekommene Freude nimmt erheblich ab, wenn man bemerkt, dass die sorgfältige Aufstellung der Armee genauso viel bewirkt wie die Grundeinstellung.

Da laufen Sie also, die mutigen Krieger. Für Spannung soll unterdessen ein Moralsystem sorgen, welches unsere Truppen fliehen lässt, wenn zu viele Kämpfer aus den eigenen Reihen das Zeitliche segnen. Verspürt man den Drang, selbst das Zepter in die Hand zu nehmen, macht man wieder Bekanntschaft mit der miesen Steuerung. Durch die einzelnen Regimenter wird mit der L- und R-Taste geschaltet. Ist die gewünschte Einheit nach dem nervigen Durchklicken endlich gefunden, kann man versuchen, die Meute zu steuern. Ist aber egal, denn mit der schwachköpfigen KI kommen unsere Soldaten meist allein zurecht. Nach jedem Kampf bekommt das eigene Heer Erfahrungspunkte. In höheren Levels bringen uns die aber auch nicht mehr viel, denn die Stärken und Schwächen der Kampfakteure sind schlecht ausbalanciert. Warum sich Spieler mit so einem unausgeglichenen Gamedesign herumplagen sollen, bleibt offen. Fakt ist, dass wir vom Spiel selbst nicht viel erwarten dürfen. Ob wenigstens die technische Abteilung ein Ass im Ärmel hat?

Veni, vidi, vici.

Zum Punkten bleibt Battles Of Rome jetzt nur noch der technische Aspekt. Der ist unglücklicherweise ebenfalls unzureichend. Das Spiel läuft zwar ruckelfrei, trotzdem ist die Grafik so pixelig, dass man Bäume auf dem Schlachtfeld beim ersten Hinsehen für Grafikfehler halten könnte. So kämpfen die virtuellen Krieger im Pixelmatsch, während ein immer gleicher Schrei-Soundeffekt das Klangbild stört. Das Klangbild besteht aus Kampfgebrüll und einem Stück Orchestermusik, das in der Endlosschleife dudelt. Ansehnlich sind Schlachten der Römer auf der PSP folglich nicht gerade. Schade, denn das Spielfundament ist grundsätzlich nicht schlecht. Nicht einmal die Ladezeiten bekommen grünes Licht. Auf dem Truppenplatz muss die PSP beim Wechsel von Einheit zu Einheit immer wieder von der UMD laden, nur um dann eine Figur der jeweiligen Einheit anzuzeigen. Auch beim Spielstart muss eine ganze Weile geladen werden. Insofern haben wir auch im technischen Bereich ein Exemplar der oberen Unterklasse.

Fazit

Womit will Great Battles Of Rome eigentlich Anklang finden? Historiker werden gelangweilt, Strategiespieler werden teilnahmslos auf den Bildschirm starren. Selbst Hardcore-Fans der alten Römer werden Mühe mit dem Titel haben. Ãœber die gute Grundidee kommt Battles Of Rome nicht hinaus und erinnert in seiner Qualität an Versoftungen von Filmen. Dann doch lieber Latein-Unterricht. Setzen, vier minus.
Grafik
58%
Sound
60%
Gameplay
35%
Steuerung
29%

Gesamtwertung

46%

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