Spieletest: Super Chibi Knight (PC)

2905 0 0 5. März 2015
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Übersicht
Was braucht man für ein gutes Spiel? Ein mehrstelliges Millionen Budget? Eine epische Geschichte um Liebe, Verrat, Krieg und Hass? Eine Grafik Engine, die nur von den drei leistungsstärksten Supercomputern der Welt (derzeit der Tianhe-2 in China, der Titan, sowie der Sequoia in den USA) gefahren werden kann? Berühmte Entwickler und Publisher wie SquareEnix, SuckerPunch oder Bethesda, sowie der Großteil der Käufer setzen auf solche „Erfolgsgaranten“, doch, dass es auch anders geht, zeigt ein kleines, 8 Jähriges Mädchen mit ihrem Papa.
Als sich der Amerikaner Nick Pasto mit seiner Tochter Bella, der völlig erfundenen Legende nach, an einem verschneiten Nachmittag Mitte Juli hinsetzte und nach erfüllender Papazeit suchte, dachte er wohl nicht, dass sich wenige Monate später ein kleiner Hype um ihr gemeinsames Projekt bilden würde. Das Ziel war seine Liebe zu Hack’n’Slay-Action RPG’s mit ihrem kindlichen Bedürfnis nach bunten Farben und riesigen Glubschaugen zu vereinen. Heraus gekommen war die erste Version „Chibi Knight“ (Browsergame). Das kleine, quitschige Kaugummimännchen mit dem Holzschwert baute sich rasant schnell eine Fangemeinde auf und der Game Designer und Programmierer Nick leckte Blut. Er und Bella wollten mehr und beschlossen ein echtes, kauf bares Spiel zu produzieren, welches für alle Papas und Töchter dieser Welt gedacht waren und die Vorgeschichte zu „chibi Knight“ (Browsergame) erzählen sollte. Finanziert durch kickstarter reichten sie die ersten Versionen ihres Games bei steam greenlight ein und erhielten nach nicht einmal einem Jahr tatsächlich „grünes Licht“. „Super Chibi Knight“ (Steam) war geboren.

Der kleine grüne Klops
Der Held in „Super Chibi Knight“ (steam) ist ein kleiner, grüner, namenloser Klops, dessen Traum es ist, irgendwann ein großer Held zu sein, der Menschen rettet und Monster besiegt. Als in dem Königreich Oukoku ein mysteriöser Zauberer auftaucht und Monster auf die Bewohner loslässt sieht er seine Chance: Er schnappt sich sein Holzschwert und zieht gegen die Horden des Magiers an! Dabei rettet er nicht nur entführte Kinder, findet magische Objekte und sammelt Erfahrungen, sonder muss ab und zu eben auch mal den Kammerjäger spielen oder unwillige Kühe dazu bringen zu tun, was der Bauer von ihnen verlangt. Ein echter Held eben!
Nach und nach kommt er aber dem Geheimnis um den Zauberer auf die Spur und sieht sich selbst mit seinem Schicksal konfrontiert: er muss der Super (Chibi) Knight werden, um das Böse aufhalten zu können!

Kleine Story – mit gaaaaanz viel Herz
So simpel die Story klingt (und ja: mehr oder minder ist das die gesamte, zusammengefasste Geschichte in dem Spiel) so einfach funktioniert sie auch: Es braucht keine Stunden an Sequenzen um irgendwelche Charakterbeziehungen zu beschreiben oder komplizierte Konstellationen zu etablieren. Zauberer, Drachen, Monster: Böse. Super Chibi Knight: Gut – so simpel wie es nur ein Märchen sein kann. Die armen, klopsigen Dorfbewohner in ihren niedlichen Kostümen sitzen weinend in ihren Häusern und haben verschiedene Problemchen: Dem Einen ist eine Zutat ausgegangen, dem Anderen gehen irgendwelche Schädlinge auf die Nerven und wieder einer vermisst seinen Sohn – klassische RPG Aufgaben mit sehr viel Witz und Charme. Man kann diesen riesengroßen, glänzenden Glubschaugen einfach nichts abschlagen! Und wenn sie sich dann freuen, dass man ihnen den Honig bring, als wäre es lebensrettende Medizin, dann geht einem doch das Herz auf. Hach, wäre das echte Leben nur so vollgepackt mit positiven Feedback.

Wahre Handarbeit
„Super Chibi Knight“ (Steam) ist kein industrielles Spiel, das sieht man, merkt man, hört man, fühlt man. Das ist aber auf keinen Fall ein Manko! Jeder Strich der Animation, jede Vertonung, jede Untermalung und jeder Quest sind tatsächlich von zwei kleinen Köpfen alleine entwickelt und umgesetzt worden. Bella gab dem Heldenklops ihre Stimme. „Uh“ „ah“ „wuhu“, „yeah“ – das klassische Repertoire in Piepser Variante. Und Papa Nick zeichnete alles in dem Spiel quasi per Hand, bzw. per Grafik tablett. Auch wenn „Super Chibi Knight“ (Steam) kein Flash Game ist, sieht man aber ganz deutlich dessen Wurzeln. Flash, als eines der weit verbreitetsten, einfachsten Programmier- Tools wird gerne von Indie-Games genutzt, da es ein Maximum an Kreativität zu einem Minimum an Kosten und Ressourcen ermöglicht. Hierbei wird natürlich kein Super HD- Grafik Stil möglich, sondern einfache Bewegungsachsen mit verschiedenen Versionen und programmierbaren Abläufen. Nichts spektakuläres, dennoch unglaublich effizient in der Vermittlung von Inhalten. Bei Browsergames, wie es der erste Titel „Chibi Knight“ einer war, gibt es kaum eine Alternative, doch bei einem Steam Game sind dahingehend fast alle Mittel offen. Gerade, da die Beiden durch Kickstarter doch immerhin über 10.000 Doller eingenommen haben, hätten sie sich auch auf ein anderes Design stürzen können. Doch, sei es aus „Marken technischen Wiedererkennungsgründen“ oder der Gewohnheit halber, haben sie sich auch bei „Super Chibi Knight“ (Steam) für einen an Flash orientierten Look entschieden. Dies nimmt leider viel von der investierten Handarbeit und lässt das Spiel an einigen Stellen nach Retorte aussehen.

Technische Aspekte
„Super Chibi Knight“ (Steam) ist kein High End Game, das wollte es nie sein. Wie oben erwähnt erinnert die Optik stark an die unzähligen anderen Flash basierten Spiele, die in der Hochzeit der Browsergames so durch die Büros dieser Welt flackerten.
Der Sound hingegen ist sehr liebevoll gestaltet. Die Hintergrundmusik ist auf dem heimisches Keyboard der Beiden entstanden und auch, wenn sie hier und da sehr nah an die Grenze zum langweiligen schrammt, schafft sie es doch immer wieder doch in eine passende Stimmung zu hüpfen. Die Effekte, die Bella alle selbst eingespielt hat, sind niedlich und passend. Wenn der kleine Klops zum alles vernichtenden Schlag ausholt und wutentbrannt ein „hey yah!“ dabei raus kommt: super!
Das Leveln ist so simpel wie funktional: Tötet man Monster platzen diese in EXP, die der Klops automatisch absorbiert. Diese Punkte kann man dann gegen Upgrades von Angriff, Abwehr oder „Spezial“, also Magie eintauschen. Bei jedem Upgrade verändert sich dann der Klops dementsprechend: Bei „Angriff“ verändert sich das Schwert, bei „Abwehr“ seine Rüstung und bei „Spezial“ seine Magie Punkte. Simpel, funktional und definitiv jedes Mal ein positives Feedback für den Gamer, der dem Klops ansieht, dass er stärker geworden ist.
Das Gameplay ist etwas zeitverzögert, an manchen Stellen geradezu schwammig. Da muss man ein, zwei, drei mal probieren bis präzise Sprünge möglich sind. Ebenso stockt das Bild gelegentlich für eine halbe Sekunde, was nicht wirklich schlimm ist, aber doch irgendwann zum „hmpf“ führt.

Fazit
„Super Chibi Knight“ (Steam) ist eine niedliche Handarbeit von zwei sympathischen Köpfchen. Allein wenn Bella von dem Spiel erzählt (auf steam oder ihrer website), sieht man, wieviel Spaß die beiden damit hatten. Und genau darum geht es bei Spielen ja: den Spaß. Grafik, Sound, Story, Gameplay, alles ist im Grunde egal und bildet nur das Fundament für den Spielspaß, der generiert werden soll und bei dem Spiel auch wird.

Fazit

Kurzweiliger Spaß für Fans von Hack'N'Slay Chibi Abenteuern
Grafik
45%
Sound
63%
Gameplay
65%
Steuerung
45%

Gesamtwertung

58%

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