Shinobido: Weg des Ninja

1958 0 2 24. September 2008
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Titel:Shinobido: Weg des Ninja
EAN:0711719652977
System:PlayStation2
USK:Freigegeben ab 16 Jahren
Label:Sony Computer Entertainment
Release:2006-09-25

Das Dasein eines Helden ist immer schon schwer gewesen. Das Dasein mit fester Bestimmung, Kenntnis der Gegner und Aussicht auf eine Belohnung macht die Sache einfacher. Leider fehlen diese elementaren Dinge dem Einzelkämpfer in “Shinobido” völlig.
Aufgewacht an einem lauschigen Flüschen, ausgerüstet wie ein Killer und mit einem Gedächtnis ähnlich leer wie der Magen, macht sich der Held der Geschichte, der noch namenlose Ninja, auf den Weg seine nähere Umgebung zu erkunden. Mitten in diese harmlose Geschichte mischt sich ein Pfeil aus dem Nichts mit einer geheimnisvollen Nachricht. Der Vorspann legt bereits nahe, dass hier kein Abenteuer für nervenschwache Spieler wartet, also folgen wir den Hinweisen der Nachricht, und begeben uns zum (unfertigen) Schloss unseres unbekannten Vaters. Wie üblich kommt man dort nicht einfach so hinein, und schon beginnt unsere Geschichte mit Aufgabe 1, Verschaff Dir Zugang zum Schloss.

Das Spiel “Shinobido: Weg des Ninja” aus dem Hause Sony verrät im Titel eigentlich schon fast alles was man wissen muss. Ein Abenteuer wartet, Gegner in Massen, geheimnisvolle Wege, Räume und Aufgaben und alles was man braucht ist das Wissen und das Können eines Ninjas um zu bestehen. Was so ein Ninja weiss und kann, sei hier allen verraten, die mit dem Begriff nichts anfangen können. Ein Ninja ist im alten (und modernen) Japan nichts anderes als ein Auftragskiller. Jemand der für Ehre bzw. Gehorsam jede noch so unmögliche Aufgabe übernimmt und sie seiner Art entsprechend, weitestgehend leise und unbemerkt erledigt. Sollte das mit dem unbemerkt mal nicht funktionieren, ist so ein Ninja praktischerweise ein Meister verschiedenster Waffen und Kampfarten. Mit allem was eine Schneide hat kann er in Perfektion umgehen und selbst mit blossen Händen und Füssen sollte man ihm nicht ohne eine kleine Armee gegenüberstehen.

Mit Schwert und Tücke

Unser Held, erwacht also an einem ihm gänzlich unbekannten Ort, mit nichts als ein paar fragmentarischen Erinnerungen (die man im Vorspann gesehen hat). Er kennt eine grobe Aufgabe, “finde die Bruchstücke deiner Erinnerungen”, und ein nächstes Ziel. Die noch nicht ganz fertige Burg des Vaters. Leider haben diese inzwischen andere übernommen und so bleibt uns nichts anderes übrig als uns auf Ninjamanier in das Innere vorzuarbeiten. Hierbei werden die unterschiedlichsten Taktiken angewandt, die jedoch alle mehr oder minder grausam durchgeführt und auch am Bildschirm detailliert gezeigt werden. Nett ist zwar die Wahl der Angriffsart für den Spieler, dem Gegner ist es jedoch nachher völlig egal auf welche Art er aus dem virtuellen Leben schied. Denn fallen müssen sie alle.

Hat man sich durch diese Festung durchgemetzelt, so findet man im Inneren den aktuellen Gebieter vor, Ichijo, nebst Sadame, ihres Zeichens ebenso Herrscherin. Die beiden finden es ist an der Zeit für unseren Ninja zu erfahren, was denn nun seine Bestimmung sei. So erfährt er dass seine Seele, mitsamt allen Erinnerungen in Teile zerbrochen ist, die sich überall im Land verstreut haben. Großzügig wie die beiden sind, bieten sie Hilfe beim Suchen an, vorausgesetzt man stelle seine Kampfkünste in ihre Dienste. Wie im echten Leben auch, ist auch hier natürlich nicht alles so wie es aussieht, doch zu dieser Erkenntnis kann sich unser Ninja noch nicht durchringen.

Man findet sich in einem netten kleinen Unterschlupf wieder, der alle Annehmlichkeiten bietet die man so brauchen könnte. Von hier starten wir unsere weiteren Abenteuer, hier ist auch Gelegenheit sich mit dem Spiel vertraut zu machen. Also Abläufe üben, Menus studieren, Gegenstände untersuchen etc. Wenn man dann soweit ist, sucht man sich eine passende Mission aus (jede Entscheidung wirkt sich auf den Spielverlauf aus), rüstet sich und tritt die Reise ins Unbekannte an. Zu Beginn einer jeden Mission, die meist Infiltrierung, Botenjobs oder Meucheltaten sind, gibt es eine detaillierte Beschreibung die uns mit den Zielen vertraut macht. Bei jeder Mission sollte man seine Tugenden beachten. Also um einen Feind herum laufen ist besser als jeden im direkten Kampf zu besiegen.
Am Ende jeder Mission wird man en detail bewertet und erfährt was wo wie und warum nicht ganz so ideal gelaufen ist. Sehr nützlich um sich auf die nächsten Missionen einzustimmen.

Trau schau wem

Je nach Mission muss man sein Verhalten anpassen. Schiere Gewaltorgien sind nicht unbedingt der Schlüssel zum Ziel. Da nach jeder Mission eine Bewertung den weiteren Spielverlauf beeinflusst sollte man sich ab und an ein bischen Zeit zum Nachdenken und Auskundschaften nehmen. Verhaut man nämlich eine Mission vollständig, so kann es durchaus passieren dass man in der Gunst seines Auftraggebers so weit absinkt, dass dieser nicht mehr als Freund sondern als Feind auftaucht. Von fehlenden Belohnungen und anderen nützlichen Sachen aus der Mission mal abgesehen.

Shinobido macht Laune. Das Zusammenspiel von Taktieren und Metzeln verdient sich durchaus einige Sternchen. Wäre nicht die teilweise recht peinliche Umsetzung, würde Shinobido sich sogar zum Olymp der Spielewelt hocharbeiten können. So schön das gesamte Umfeld und die Missionen auch geworden sind, die recht armseligen Steuerungsmöglichkeiten sowie das oftmals unbeabsichtigte Fehlverhalten der eigenen Spielfigur machen einem ab und an einen Strich durch die Rechnung. Da wird gerne mal über Kisten gestolpert oder der Gegner irgendwie nicht getroffen obwohl er eigentlich direkt vor unserer Nase steht. Auch die Ausführung der sagenumwobenen 2, in Worten zwei, verschiedenen Schwertschlagarten, hat mit dem ansonsten reichhaltigen Repertoire irgendwie nichts gemein. Wem es gelingt auf einige Distanz mit den Wurfsternen einen Gegner zu treffen, der kann sich schonmal selbst auf die Schulter klopfen, das schaffen nur wenige.
Grafisch ist ausser diesen Mängeln in der Figuranimation wenig auszusetzen. Stimmungsvolle Licht- und Schattenspiele, farbenkräftige Hintergründe und teilweise peinlich genau detaillierte Umgebungen lassen Freude aufkommen.

Im Land der aufgehenden Sonne

Wo wir gerade bei Stimmungen sind. Trotz des in Missionen unterteilten und damit zwangsweise unterbrochenen Spielflusses, taucht man doch bereits nach kürzester Zeit in die Atmosphäre des hinterlistigen Ninjas ein. Der Sound passt wirkungsvoll zur Umgebung, auch die sonstigen Untermalungen wie Kampfgetümmel und Unterhaltungen sind einwandfrei ausgearbeitet. Man fühlt sich nach spätestens einer Viertelstunde selbst wie ein schwarz gekleideter im Herzen der japanischen Traditionen. Aus einigen anderen Spielen ist bereits die Dramaturgier der Musik bekannt. Sollte sich das leise musikalische Hintergrundgeplänkel also plötzlich in ein donnerndes Inferno verwandeln, so kann man sicher sein, entdeckt worden zu sein. Der Angriff wird in Kürze erfolgen.
Bei auswärtigen Titeln stehen bekanntlich immer drei Optionen zur Sprachausgabe zur Wahl. Entweder alles so lassen wie es ist (bei fernöstlichen Spielen mitunter zu finden), oder landessprachliche Untertitel einführen, oder synchronisieren lassen (in günstig oder teuer). Shinobido wählt die mittlere Variante. Soll heissen, alle Sprachausgaben wurden vernünftig übersetzt und als deutsche Untertitel eingebaut.

Fazit

Im Osten was Neues. Der martialische Einzelkämpfer, der sich mit Hinterlist und Tücke einen Weg durch unüberwindbar scheinende Gegnerhorden sucht und trotz martialischer Grundausstattung über Grips verfügen muss, hat wirklich seine Sonnenseiten. Auch wenn ein wenig Schatten über das Spiel fällt, so schliesst man ihn doch schnell ins Herz und knobelt immer mal wieder an bestimmten Missionen rum ob diese sich nicht doch noch besser lösen lassen. So gesehen, ein recht langer Spielspass für den Amateur bis Profi. Gut, die Missionen überzeugen nicht gerade durch Originalität sondern die Einzelelemente werden meist nur verschieden miteinander kombiniert, aber Spass macht es trotzdem. Eine Sache sollte man allerdings auf jeden Fall bedenken. Das Spiel ist dermassen brachial dass es auf keinen Fall in Kinderhände gehört.
Grafik
78%
Sound
80%
Gameplay
76%
Steuerung
72%

Gesamtwertung

75%

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