Review: The Medium

600 0 3 22. Februar 2021
Gefällt mir!

Im Bereich der Horror-Games muss man sich als neuer Hersteller wirklich einiges einfallen lassen, um die Massen noch überraschen und begeistern zu können. Mit dem Next-Gen-Horror-Hit “The Medium” konnte das Entwicklerstudio Bloober Team allerdings einen riesigen Erfolg feiern und sorgte auch hierzulande für jede Menge Vorschusslorbeeren. Das Spiel, welches am 28. Januar exklusiv für Xbox Series X|S und PC über Steam, Epic Games Store, GOG und den Microsoft Store erschien, wurde von Kritikern und Spielern gleichermaßen begeistert aufgenommen und für sein innovatives Dual-Reality-System und die packende Story gelobt. Und auch wir haben es uns nicht nehmen lassen, diesen Schlüpfersprenger einmal aus nächster Nähe und mit eigener Gänsehaut auf Herz und Bammel zu testen…

Alles beginnt mit einem toten Mädchen

…wie ein waschechter Horrorfilm…
Wie man auch in unserem Lets Play der ersten beiden Stunden von “The Medium” sehen kann, beginnt die ganze Geschichte rund um “The Medium” mit einem toten Mädchen. Sie flieht durch den Wald, in finsterer Nacht, um letztlich an einem Steg am See zu landen. Dort jedoch endet ihre Flucht, denn ihr Verfolger zückt die Waffe und schießt. Schnitt an einen anderen Ort.

Marianne hat eine ganze Reihe an Talenten. Aber nicht so wie unsereins, also Zocken, Schlafen und was man eben sonst noch so üblicherweise gut kann. Marianne hat vielmehr übersinnliche Fähigkeiten. Wie sie an diese Fähigkeiten gekommen ist, weiß sie selbst auch nicht so genau, allerdings spielt ihr geliebter Vater in ihrer Entwicklung eine wichtige Rolle. Dementsprechend hart trifft es Marianne, als sie sich nach dem Tod des Vaters nun um dessen Begräbnis kümmern muss. Es beginnt noch ganz harmlos, Krawattenklammer suchen, sich im Haus langsam zurecht finden. Doch dann klingelt irgendwann das Telefon und der Mann am anderen Ende der Leitung hat Informationen. “Thomas”, so sein Name, weiß um die Fähigkeiten von Marianne und er weiß auch vieles über die Geheimnisse, die Marianne jeden Tag so sehr beschäftigen…

…schauriger Spielspaß…
Die Storyline rund um “The Medium” baut sich dabei auf wie ein waschechter Horrorfilm, inklusive Vorspann und Filmmusik. Ein erstes Lob gebührt dabei insbesondere der soundtechnischen Untermalung, denn schon hierbei hat sich der Entwickler größte Mühe gegeben und verpasst dem Spiel sowohl musikalisch wie auch von den Effekten her, einen hochklassigen Soundteppich, der den schaurigen Spielspaß der kommenden Stunden ordentlich zu untermalen vermag. Dabei hat man sich großer Namen bedient: So haben sich beispielsweise Akira Yamaoka, Mary Elizabeth McGlynn und Troy Baker noch einmal zusammengetan, um den brandneuen Song “Fade” zu veröffentlichen, der Erinnerungen an die legendäre Silent Hill-Band weckt. Der Song ist beim Kauf der Deluxe Edition (nur PC) enthalten, die das Spiel, den offiziellen Soundtrack und ein digitales Artbook enthält, und kann auch separat auf Steam erworben werden.

Gameplay mit Hummeltitten

…das Highlight ist mit Sicherheit die optische Darstellung der beiden Welten und das Spielgefühl, das sich daraus entwickelt
Das Spielprinzip ist dabei schnell erklärt: Der Spieler, der fortan in die Haut von Marianne schlüpft, betrachtet das Horrorspektakel aus der Third-Person-Perspektive und wird nach und nach immer stärker regelrecht “eingesogen”. Das Spiel, welches sich am besten übrigens mit einem Controller spielen lässt, entführt uns alsbald zu einer verlassenen Hotelanlage in der wir dann auch schnell mit einem von Mariannes zentralen Talenten Bekanntschaft machen dürfen: Sie kann nämlich sowohl in der realen Welt als auch in der Geisterwelt wandeln – und das wohlgemerkt gleichzeitig. Der Hersteller nennt dies das bereits erwähnte “Dual-Reality-System”. Die Aktionen, die sie dabei in der einen Welt durchführt haben wiederum Auswirkungen auf die andere Welt. Das klingt jetzt im ersten Moment vielleicht etwas komplex, aber tatsächlich gestaltet sich das Spielprinzip recht schnell doch ganz einfach, auch wenn man immer wieder mal um die Ecke denken muss, um die gestellten Aufgaben lösen zu können. Die Rätselkost steigt dabei im Schwierigkeitsfaktor nach und nach an, das Highlight ist aber mit Sicherheit die optische Darstellung der beiden Welten und das Spielgefühl, das sich daraus entwickelt.

Speziell wenn sich die zeitgleiche Darstellung beider Welt auftut, entfaltet “The Medium” sein ganzes Potential und seine Einzigartigkeit. Mal wird der Bildschirm vertikal geteilt, mal horizontal und wenn es Abend und das Licht aus ist, kommt schnell echte Gruselstimmung auf. Mit zunehmender Spieldauer kommen dann aber auch schnell echter Schocker-Momente mit ins Spiel, die einem hier und da wirklich die Hummeltitten aus der Haut treiben.

Bloober Team, das Entwicklerstudio hinter gefeierten Horrorspielen wie Blair Witch, Observer: System Redux und Layers of Fear bringt in dem Segment der Horror-Spiele aber auch wirklich einiges an Expertise mit und liefert dementsprechend ein rundum furchteinflößendes Grusel-Märchen ab. Grafisch ist “The Medium” ebenfalls ein echter Hingucker geworden, allerdings mit kleineren Mankos. Dies gilt sowohl für die Gameplay-Sequenzen als solche, als auch für die Zwischensequenzen in denen sich Marianne beispielsweise mit dem kleinen Mädchen “Sadness” unterhält. Während die Darstellung der dualen Welten atmosphärisch überragend ist, fehlt es hier und da am letzten Schliff, wenn wir über die Animationen sprechen. Beispielsweise bei den Bewegungen des Mundes und der Lippen-Synchronisation im Ganzen. Keineswegs schlecht, aber eben noch mit Luft nach oben.

Die Steuerung ist sehr gelungen, da gibt es nichts auszusetzen. Marianne lässt sich sehr präzise genau dahin steuern, wo man sie haben will, auch gibt es trotz des Welten-Splits auf dem Bildschirm erfreulicherweise kaum Fragezeichen hinsichtlich der Bedienung (das hätten wir uns auch anders vorstellen können).

Fazit

"The Medium" zählt sicherlich zu den interessantesten Horrorspiele der vergangenen Jahre. Mit der Aufteilung des Bildschirms in zwei Hälften und damit dem Erleben der realen und der Geisterwelt im Dual-Reality-System hat das Game seinen Genrevertretern eindeutig etwas voraus und bietet hier ein interessantes Spielprinzip als Alleinstellungsmerkmal. Das Spiel punktet dementsprechend auch in der virtuellen Kategorie "Atmosphäre" und liefert auch im Bereich des Soundtracks und der Steuerung Höchstwerte ab. Was uns ein bisschen gefehlt hat ist der letzte Schliff - sowohl beim Gamedesign als auch bei der Grafik. Trotzdem: Für Genrefans bleibt "The Medium" Pflicht.
Grafik
77%
Sound
91%
Gameplay
85%
Steuerung
90%

Gesamtwertung

85%

Screenshots / Bilder / Fotos / Artwork

Screenshots / Bilder / Fotos / Artwork zu "Review: The Medium"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.