Spieletest: Heimspiel 2006 – Der Fußballmanager

1123 0 0 24. September 2008
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Fussballmanager gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer und irgendwie hat jeder Hersteller ja schonmal was probiert. Das Ergebnis waren dann meist überladene Menüs, undurchsichtige Spielergebnisse und lange Eingewöhnungsphasen. Der neu gegründete deutsche Publisher The Games Company geht hier einen anderen Weg und präsentiert und zeitglich mit der WM einen Fussballmanager der anderen Art. “Heimspiel 2006 – Der Fussballmanager” wurde hierbei von Werner Krahe entwickelt, der sich schon 1991 für die Managersim “Bundesliga Manager Pro” verantwortlich zeichnete. Das Spiel war damals das beste was der Markt zu bieten hatte, aber kann der “Nachfolger” an die Erfolge anknüpfen ?

Die guten alten Zeiten…

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich vor etlichen Jahren den SSV Ulm zum mehrmaligen Sieger der Bundesliga-Salatschüssel machte und mit dem Team auch international alles abräumte. “Bundesliga Manager Pro” bestach damals durch einfache Menüführung und ein durch und durch nachvollziehbares Management. Man konnte praktisch jede Änderung an seiner Mannschaft nachvollziehen und voraussehen zu welcher Verbesserung oder Verschlechterung dies führen würde. Die Grafik und Aufmachung des Spiels waren für seine Zeit sehr gelungen und so verwundert es nicht, dass ich nach so vielen durchzechten Nächten höchsterfreut war über “Heimspiel 2006”. Im gleichen Moment aber macht sich Ungewißheit breit: Die Zeiten ändern sich, die Anforderungen an Grafik, Sound und Spielfluß sind heute doch ganz anders. Es hilft nichts: Gehen wir es an…

Nach dem obigatorischen Anlegen eines Spielerprofils mit Namen, Schweregrad (5 Stufen), Wahl eines Vereins und des eigenen Aussehens wird man sofort in das Hauptmenü gelangen, in dem man sich bestens zurechtfindet. Über eine Menüleiste am unteren Bildschirmrand hat man Zugang zu allen wichtigen Bereichen, die im Spiel eine Rolle spielen. Am Anfang tut man gut daran sich seine Mannschaft mal genauer anzusehen und eventuell einige Transfers zu tätigen. Die Stärke der Spieler wird hierbei durch Sterne symbolisiert, je mehr Sterne umso besser ist der Spieler. Hierbei spielt dann noch eine Rolle, wieviele Sterne der Spieler durch Training noch erreichen kann. Es lohnt sich also immer im Hinblick auf kommende Jahre Spieler zu engagieren, die noch großzügig “ausbaubar” sind.

Die Stärke (also die Sterne) kann man trainieren, genauso wie manch eine Extra-Eigenschaft. Von Kondition über Freistöße bis hin zur Eigenschaft “Fussballgott” läßt sich da alles trainieren was das Spielerherz wünscht. Zusätzlich kann man die Fitness der ganzen Mannschaft im Trainingslager stählen, wobei die Unterbringung vom Freizeitcamp bis hin zur Luxus-Sportschule in Spanien reicht. Das geht allerdings ganz schön ins Geld, so daß man seinen Kontostand besser in den Augen behält. Im Spielmodus “Sehr einfach” kommt glücklicherweise immer ein “unbekannter Spender” daher und gibt dem Spieler wieder etwas Geldnachschub, in den anderen Modi darf man darauf aber nicht mehr vertrauen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Neben dem Training dürfte auch die taktische Ausrichtung einen Großteil des Spiels ausmachen. Hier kann man als Manager entscheiden welche Spieler auflaufen sollen, welche Formation sie einnehmen werden und auch solche Sondereigenschaften wie “Schwalbenflug” oder “auf Abseits spielen”. Faule Manager können diesen Part allerdings auch vom Computer übernehmen lassen, der dann immer die optimale Mannschaft aufs Spielfeld schickt. “Optimal” bedeutet hierbei, dass die Spieler mit den meisten Sternen auflaufen. Diese Sterne werden addiert und ergeben dann einen Wert, den man mit der gegnerischen Mannschaft vergelichen kann. So kann man schon ganz gut abschätzen wo man steht und wie das Ergebnis aussehen wird. Das ist auch das tolle an “Heimspiel 2006” – es ist absolut nachvollziehbar, was man leider von vielen anderen Fussballmanagern der letzten Jahre nicht sagen kann.

Das Spiel selbst kann man dann entweder in einer 3D Animation verfolgen oder via Textnachrichten der wichtigen Spielmomente im Schnellmodus. Die Animation ist zwar nett gemeint enttäuscht aber leider aufgrund der nicht ganz gelungenen Grafik. Die Bewegungen der Spieler sind zwar niedlich, aber eben nicht ganz zeitgemäß. Da hat mir persönlich sogar die Darstellung aus dem 1991er Original besser gefallen. Der Textmodus ist zwar schnell, wirkt aber auch irgendwie unaufgeräumt.

Daneben kann man für die Spiele auch sein Stadion nach und nach ausbauen. Von der Kleinstadtkickerzone bis hin zu internationalen Arena ist alles möglich. Wem das nötige Kleingeld fehlt, der kann auch einen Kredit bei der Bank aufnehmen. Neben den Eintrittsgeldern und Siegprämien sind vor allem die Werbeeinnahmen echte Geldspender. Auch diesen Bereich des Managements kann man automatisieren wenn man will und so wird fortan der Computer auslaufende Bandenwerbung verlängern und immer dafür sorgen, dass ein Hauptsponsor unsere Trikots ziert.

Grafik, Sound und offene Wünsche

die Grafik kann man nicht gerade als zeitgemäß bezeichnen. Die Menüs bekommen ein Extralob dank Ihrer Einfachheit und Übersichtlichkeit, aber insbesondere die Spieldarstellung läßt schon einige Wünsche offen. Die Musik ist ganz gut gelungen und paßt eigentlich prima zum Spiel. Sinnvollerweise wird die Musik auch etwas leiser, wenn man sich gerade mit den zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten beschäftigt. Ist man gerade nicht am Klicken, wird die Musik einen Tick lauter. Nice!

Wenn man nun das 91er Original und die 2006er Auflage gespielt hat, darf man sich dann auch was wünschen, wenn man schon einige hundert Stunden seines Lebens mit dem Manager verbracht hat ? Ja ? Also: Zunächst würde ich mir wünschen, dass die Spieldarstellung sich wieder etwas mehr ans Original anlehnt und die 3D-Darstellung deutlich lebhafter wird. Referenz hierfür ist aus meiner Sicht der “PES Manager”, der die Spieldarstellung auf ein ganz neues Niveau gehoben hat. Einige weitere Betätigungsfelder (Jugendarbeit, Merchandising) wären sicher auch toll und würden dem Spielumfang auch sehr gut tun.

Und diesen Wunsch (hoffentlich liest ihn Herr Krahe) hatte ich schon in den 90ern und jetzt kam er wieder hoch: Wieso gibt es in diesem Spiel keinen Karrieremodus ? Es wäre doch reizvoll, wenn ich als Trainer vom VFB Stuttgart nach dem Gewinn der Championsleague auch von anderen Teams umworben würde, bei denen ich wiederum eine schlagkräftige Mannschaft formieren müßte. Als Karrierehöhepunkt könnte ein Posten als Nationaltrainer winken. Erstaunlich, denn diesen Gedanken hatte ich schon vor rund 15 Jahren, es wird Zeit, dass er mal formuliert wird.

Fazit

Das Spiel ist sicherlich nichts für Profimanager, die am liebsten den Preis jedes einzelnen Sitzplatzes bestimmen möchten, aber für Neulinge und Einsteiger im Bereich Fussballmanagersimulation ist das Spiel mehr als nur gelungen. Leider läßt die Grafik einige Wünsche offen, aber Spielfluß, Ãœbersichtlichkeit und Menüführung gleichen dieses Manko gekonnt aus. Das Entscheidende: "Heimspiel 2006" macht süchtig, fast genauso wie das Original aus dem Jahre 1991. Hoffentlich muss ich nicht wieder so lange warten bis zum nächsten Teil...
Grafik
79%
Sound
84%
Gameplay
95%
Steuerung
93%

Gesamtwertung

90%

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