Spieletest: Der Planer 4 (PC)

4551 0 0 7. März 2010
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Titel:Der Planer 4
EAN:4032222440667
System:Windows Vista
USK:Freigegeben ohne Altersbeschrnkung
Label:rondomedia
Release:2010-03-01

Selten habe ich mich so über ein Muster gefreut, wie über “Der Planer 4” aus dem Hause rondomedia. Das hat natürlich auch einen Grund. Es muss etwa 1994 gewesen sein, als ich mit ein Exemplar des ersten Teils kauft, damals noch entwickelt unter der Leitung von Holger Beisheim und veröffentlicht von Greenwood Entertainment. In dem Spiel schlüpfte man in die Rolle eines Transportunternehmers, der die Kontrolle über einen Fuhrpark an Lastwagen hatte und darüberhinaus die Fahrten planen, sein Privatleben pflegen und alle Geschäftsbeziehungen managen musste. Dieser erste Teil hatte durchaus Ähnlichkeiten zu meinem absoluten All-Time-Favorite “Mad TV” und so wurde das Spiel seinerzeit ein großer Erfolg. Mit den Fortsetzungen ging es aber allmählich bergab mit der Reihe. Zu sehr hatte man sich von der ursprünglichen Spielidee entfernt. Nun im März 2010 ist es soweit…

Der Planer 4 steht in den Regalen der Händler

Die Features lesen sich nicht schlecht:

  • 185 Städte in ganz Europa, die über ein riesiges Autobahnnetz miteinander verbunden sind, können von Ihren Trucks angefahren werden
  • Rund 60 verschiedene LKW-Modelle, darunter viele Spezialfahrzeuge
  • Über 14.000 verschiedene Kunden aus mehr als 30 Branchen warten darauf, mit Ihnen Geschäfte zu machen
  • Nutzen Sie für Ihre Ferntransporte Flugzeuge, Schiffe oder die Bahn
  • Besuchen Sie Onlineshops, Immobilienmakler und die Frachtbörse
  • Erleben Sie den Geschäftsablauf einer Spedition so detailiert und realitätsnah wie nie zuvor
  • Kein Tag gleicht dem anderen – Ereignisse, positiv oder negativ, verlangen blitzschnelle Entscheidungen und eine ruhige Hand zugleich
  • Eine stufenlos zoombare Übersichtskarte und Hochauflösende Videosequenzen
  • Komplexe und detailgetreue Logistiksoftware – wie Sie auch bei echten Speditionen verwendet wird
  • Komplette Neuentwicklung – Mit neuem Entwicklerteam

Na dann: Nichts wir ran an den Speck. Die Installation gestaltet sich noch recht unkompliziert, wobei man rund 10 GB freien Speicherplatz einplanen sollte. Beim Spielstart gibt man dann seinen Namen und den Namen der zu gründenden Spedition an und schon kann es los gehen. Das Zentrum der Macht ist das eigene Büro, welches mit einem Organizer, Telefon, Aktenablage und dem Herzstück, dem PC ausgestattet ist. Den Grossteil der Arbeit verrichtet man dann auch dementsprechend mit dem Computer. Der darin enthaltene Browser “Firesocks” bietet Zugang zum LKW-Händler, zu Sondergenehmigungen für Wochenend-Fahrten, den Statistiken, Personalkartei und allem anderen, was man eben im Leben eines Transportunternehmers so braucht.

Sie sind insolvent!

Leider beginnen sich schon nach wenigen Spielminuten die ersten Fragezeichen im Kopf des Spielers zu bilden. Zunächst kauft man sich einen oder zwei LKWs und dazugehörige Anhänger. Mit dem Telefon beauftragt man ein bisschen Printwerbung und den Bau einer Internetpräsenz. Zwei Fahrer warten auch schon auf erste Aufträge, also schaut man sich im Auftragsportal um und versucht den einen oder anderen Auftrag zu ergattern. Anschließend noch Fahrzeuge und Fahrer miteinander verbinden, dann Aufträge und Fahrzeuge und schon fahren unsere Brummis los.

Aber die Probleme kommen schon bald. Als erstes fällt auf, dass man nirgends auf dem Spielbildschirm erkennen kann, wieviel Geld man eigentlich noch zur Verfügung hat. Im Schwierigkeitsgrad “einfach ” beginnt man mit 100.000 Euros, die schneller weg sind als einem lieb sein kann. Kurze Zeit später heisst es: “Sie sind insolvent”, was man nur noch mit der Schaltfläche “Na gut!” bestätigen kann. Aber so schnell geben wir uns nicht geschlagen, neuer Versuch. Diesmal kaufen wir uns einen Kühllaster, um etwas lukrativere Angebote zu ergattern. Schade nur, dass man damit keine konventionellen Güter transportieren kann. Wieso eigentlich nicht? Bevor man die Frage beantwortet bekommt ist man wieder insolvent.

Hm, wir kommen ins Grübeln. Neuer Versuch, diesmal holen wir uns beim Arbeitsamt ein paar willige Disponenten. Sollen die doch die Auftragsannahme- und -vergabe managen, dann kümmere ich mich nur noch um den Ausbau des Unternehmens. Den ersten Monat muss ich den Job allerdings noch selbst machen und siehe da: Nach drei Anläufen komme ich am Ende des Monats mit einem knappen Plus heraus und übergebe freudestrahlend meinen beiden neuen Disponenten das Geschäft mit den Aufträgen – die dann nur weitere 4 Wochen brauchen, um mich erneut bankrott zu wirtschaften.

“Der Planer 4” bietet nach wie vor noch immer ein blendendes Konzept – Das Managen eines Transportunternehmens ist eine Spielidee, die noch nicht allzu verbraucht ist und die auch genügend Langzeitmotivation für Fans von Wirtschaftssimulationen bietet. Leider werden auch im vierten Teil so viele Chancen vergeben, dass es mir wahrlich körperlich weh tut, hier nun eine Liste von Fragen, die sich mir nicht ganz erschlossen haben…

  • Wieso fehlt der finanzielle Überblick? Warum gibt es keine aussagekräftigen Bilanzen?
  • Wieso kann ich nirgends ersehen, wieviel Gewinn ein Auftrag bringt?
  • Wieso kann ich mit einem Kühltransporter keine normalen Waren transportieren?
  • Wovon hängt die Qualität meiner Disponenten ab? Wenn sie super motiviert und komplett geschult sind, sollte man doch davon ausgehen können, dass das Unternehmen schwarze Zahlen schreibt?
  • Laut Doku sind die Disponenten schlechter als der Spieler selbst. Wozu dann Disponenten?
  • Wieso gibt es kein Tutorial?
  • Wieso sind alle Auftragsanfragen, die man direkt zugesandt bekommt allesamt nur mit Auflagen zu erfüllen? (entweder man braucht einen Kran, einen Stapler oder der Auftrag ist bzgl. der zu transportierenden Mengen einfach riesig)
  • Wieso wachsen diese Anforderungen nicht allmählich mit der Spielzeit? Vielleicht etappenweise oder einfach nur stetig…
  • Hätte man die Auftragsvergabe nicht schöner lösen können? Vielleicht mit einer Art “Storyboard” in welches man “Blöcke” mit Aufträgen einsetzt?
  • Wieso fährt mein LKW, wenn er von Berlin nach Paris fährt sofort wieder zurück? Sind solche Leerfahrten nicht eher ungewöhntlich? Warum bleibt er nicht vor Ort, so daß ich eine Chance habe, einen sinnvollen Anschlussauftrag zu vergeben?

Grafik und Sound

Wenden wir uns lieber schnell der Grafik zu, die an sich einen recht ansprechenden Eindruck hinterlässt. Zwar sind insbesondere die 3D-Kamerafahrten nicht gerade “State-of-the-Art” – die Optik wirkt grobkörning, insbesondere die Kanten flackern. In den eher statischen Ansichten, zum Beispiel das Büro, gibt es nicht besonders viel auszusetzen. Die Lastwagen und auch alle anderen Objekte sind nicht schlecht, auch wenn man sich an vielen Ecken einfach etwas mehr Detailliebe gewünscht hätte.

Die Musik hingegen ist nur noch zum Abschalten. Zwar mag Musik immer Geschmackssache sein, aber ein solches Gedudel bei einer Wirtschaftssimulation ist schlichtweg nicht zu ertragen. Soundeffekte gibt es zudem auch keine – ein Armutszeugnis.

PS: Der Patch 1.1 behebt immerhin einige Kleiniglkeiten. So erscheint nun rechts oben auf dem Bildschirm zumindest endlich ein Kontostand.

Fazit

Ich gebe es zu: Ich bin enttäuscht. Selten so gefreut und so enttäuscht worden. Es hapert schon an so manchen Grundfunktion und am Ende bleibt der Spielspass einfach auf der Strecke. Wortwörtlich.
Grafik
59%
Sound
38%
Steuerung
60%

Gesamtwertung

55%

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