Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr

1258 0 2 24. September 2008
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Eine einsam gelegene Insel, eine hübsche, ausgesprochen mondän eingerichtete Unterkunft, 10 interessante Mitfeiernde und dazu ein bis dato unbekannter Gastgeber der eine spannende Unterhaltung verspricht. Was braucht man mehr um einem Wochenende mit Freude und Spannung entgegenzusehen ?
Das von den 10 Gästen plötzlich der erste das Zeitliche segnet und die Spannung dadurch aufrechterhalten wird, dass jeder der Gäste der nächste sein kann, davon stand nichts in der ursprünglichern Einladung. Und genau dieser Umstand verhilft dem Spieler hier zu seinem eigenen Auftritt, denn irgendjemand muss dem Treiben Einhalt gebieten, bevor niemand mehr übrig ist.

British, very british
Da als Grundstoff für ein Adventure im klassischen Sinne immer noch eine gute Hintergrundstory notwendig ist, griff “The Adventure Company” zu einer bekannten Romanvorlage um nicht wie viele andere vor ihnen, an einer hanebüchenen und arg zusammengeschraubten Story zu scheitern. Das dabei Kriminalklassiker wie der ehrwürdige Sir Arthur Conan Doyle oder Agatha Christie erste Wahl sind, versteht sich von selbst. Da bei ihnen auch nicht immer der Butler der Mörder ist, verspricht die Wahl der Hintergrundgeschichte schonmal mehrere Dinge gleichzeitig. Eine ausgefeilte und überraschende Story, viele viele kleine Hinweise die gesammelt werden müssen und eine ausgeklügelte Logik die man zum Selberlösen mitbringen sollte, denn eins ist von vornerein sonneklar: Wer nicht rechtzeitig den Mörder findet, der fällt ihm schliesslich selbst zum Opfer.

Literaturkenntnisse wünschenswert
Das dem Spiel zugrunde liegende Buch “Zehn kleine Negerlein”, dass bereits vor geraumer Zeit vom Verlag in “Zehn kleine Leichtmatrosen” umbenannt wurde, ist ein Krimi im alten Stil. Geheimnisvolle Räumlichkeiten, skurrile Chrakter, dezent gestreute Hinweise und eine dem Leser erst spät offenbarte Logik im Hintergrund, kennzeichnen von jeher die Klassiker der schreibwütigen Britin Agatha Christie. Das Spiel hält sich zwar im Grossen und Ganze an die Romanvorlage, weicht aber an manchen Stellen wünschenswerter Weise davon ab um eventuellen Kennern der Materie die Sache nicht allzu leicht zu gestalten. Da der Spieler als Beobachter am Ort des Geschehens verweilt, starte die ganze Geschichte auch eher harmlos als Ausflug auf ein Wochenende, dem wir nur per Zufall beiwohnen müssen, da unser Ausflugsdampfer passenderweise nicht für eine Rückfahrt zur Verfügung steht.

Klassische Steuerung, klassische Umgebung
Und dann gabs keines mehr ist ein grafisches Point and Klick Adventure. Soll heissen, gesteuert wird es komplett per Maus und eine Texteingabe wird nicht benötigt. Kommandos braucht sich heutzutage auch niemand mehr zu merken, denn praktischerweiser übernimmt der vielfältige Mauszeiger die Option einer Kommandoeingabe. Überfährt man mit dem Cursor bestimmte Gegenstände, Orte oder Personen, so verwandelt sich die Zeiger in ein entsprechendes Symbol welches auf eine passende Interaktion verweist.
Untersucht wird hierbei immer mit der linken Maustase, und weitere Funktionen werden mit der rechten Maustaste ausgelöst. Für schreibfaule Adventurer führt das Spiel ein selbsttätig geführtes Tagebuch welches unsere Aktionen und Indizien für uns sammelt. Selbst langwierige Texte, die zwischendurch natürlich nicht fehlen dürfen, werden messerscharf analysiert und in prägnanter Kurzform in diesem Tagebuch mitgeführt. Sollte man zwischendurch eine Pause brauchen so hilft diese Funktion auch nach längeren Unterbrechungen, sich kurzfristig wieder ins Spielgeschehen einzufinden.

Stil haben sie ja, die Engländer….
Das gesamte Spiel findet auf der Insel des Gastgebers bzw. in seinem edel eingerichteten Herrenhaus statt. Die Grafik überzeugt auch den letzten Adventureneuling mit liebevoll gezeichneten Hintergründen und detaillierten Nichtigkeiten. Alles wirkt sehr harmonisch und bringt die Atmosphäre eines Krimis von Agatha Christie sehr gut rüber.
Obwohl die Kamerasteuerung unveränderbar ist gibt es auch hier keinen Grund zu klagen. Die Sicht aus einer Perspektive von schräg oben bietet sich für 3D Adventures einfach an, denn eine Ich Perspektive lässt einfach keine echte dritte Dimension entstehen. Die Kamera folgt dabei dem Spieler und dreht sich bei jeder Bewegung mit.
Wer schon einmal englische Herrenhäuser von innen sehen durfte bzw. die einschlägigen Krimis im Fernsehen gesehen hat, der findet sich auch hier sofort zurecht und darf bereits nach kurzer Zeit bewundernd feststellen, dass die Atmosphäre dem Spiel bzw. dem Plot mehr als gerecht wird. Die Hintergrundmusik könnte zwar ein bischen abwechslungsreicher ausfallen aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch.

Nicht alle Wege führen nach Rom
Die Story ist in der Originalvorlage zwangsweise lienar und führt zum bekannten Ende bzw. zum Mörder. Da ein Spiel aber kein Buch ist, ist es hier möglich verschiedene Endszenen zu erreichen, je nachdem für welchen Lösungsweg man sich an den möglichen Stellen entscheidet. Dies kann, bei einer Gesamtspieldauer von ca. 12-15 Stunden, durchaus dazu führen das Ganze noch einmal etwas anders zu versuchen.
Befindet man sich auf einem Lösungsweg, so führt dieser meist durch einfache bis mittelschwere Rätsel irgendwie zur passenden Lösung. Natürlich müssen auch hier ansehnliche Wege zurückgelegt werden bis die Falle zuschnappt, aber wie sonst sollte man auch ein Haus erkunden bzw. die verschiedenen Personen befragen ? Evtl. erscheint ja irgendwann mal ein Krimi im Stile eines Nero Wolf so dass man den ganzen Fall lösen fall ohne sich selbst irgendwohin bewegen zu müssen.

Deutsche Sprache schwere Sprache
TAC hat hier an nichst gespart um den deustchen Spielern das Ganze so schmackhaft wier möglich zu machen, die Dialoge wurden einwandfrei übersetzt und von verschiedenen Synchronsprechern gesprochen. Dabie wurde Wert auf gute Artikulation und emotionsgeladene Sprache gesetzt.
Alle anderen, im Spiel auftauchenden, Texte sind erstklassig übersetzt so dass es hier an nichts mangelt. Die bereits erwähnte Hintergrundmusik ist zwar durchaus passend aber zum Glück kann man sie auch abschalten.

Fazit

Ich persönlich, der ich mich ja als echter Fan von Adventures bezeichnen würde, finde dass sich "Und dann gabs keines mehr" wunderbar in die Tradition der wirklich guten Adventures einpasst. Endlich mal wieder ein Titel der nicht wie schnell zusamengebastelt wirkt sondern durch Story, Atmosphäre und Spielwitz überzeugt. Gut, gefesselt wird man vielleicht nicht unbedingt aber das Ganze lockt doch immer wieder zum Weiterspielen. Kleinere Wermutstropfen sind die bereits aus anderen Spielen bekannten Blockaden durch die Programmierer, so dass man bestimmte Dinge tun "muss" um weiter zu kommen. Selbst wenn man überzeugt ist, ohne auszukommen.
Wer also ein Adventure sucht, mit dem man allein oder auch mit mehreren Mitkrimifans ein paar schöne Stunden verbringen kann, der ist hier sicherlich richtig aufgehoben.
Grafik
82%
Sound
72%
Gameplay
80%
Steuerung
78%

Gesamtwertung

81%

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