Wizard Chess

2299 0 0 24. September 2008
Gefällt mir!

Titel:Wizard Chess
EAN:4017404013051
System:Windows 2000
Label:Purple Hills
Release:2007-11-16

64 Felder, 32 Figuren, zwei Spieler, zwei Uhren, ein Brett und ca. 10 hoch 120 verschiedene Stellungsmöglichkeiten. Schach ist eines der – wenn nicht gar DAS – kompliziertesten und komplexesten Brettspiele der Welt. Und zumindest in Europa und größten Teilen Asiens das populärste Brettspiel überhaupt. Man spielt es zu Hause, in Parks oder in Vereinen, auf Turnieren, im Internet, Fernschach via Briefe, Postkarten, E-Mail oder Fax. Es gibt diverse Untergruppen von Schach (zum Beispiel Retroanalysen oder Märchenschach) und fast jeder vierte Deutsche gibt an, zumindest ab und an Schach zu spielen. Und man kann immerhin davon ausgehen, dass so ziemlich jeder eine Meinung zu Schach hat, die über “einschläfernd” bis hin zu “unglaublich genial” reicht. Purple Hills hat mit ihrem Spiel “Wizard Chess” einen Weiteren Ableger der Computerschachspiele geschaffen und somit der Community wieder etwas zum verdauen gegeben.

Von Rochaden, Springern und dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse

Nun, jeder weiß, um was es bei Schach geht. Also kann man sich gleich in den epischen Kampf zwischen den Kämpfern für das Licht gegen die Schergen des Dunkeln stürzen. Wie ? Was ? Nicht jeder weiß, wie die Regeln von Schach sind und nicht jeder ist mit den komplexen Zugregeln des Spiels vertraut ? Nun, dann habt ihr schon gleich das erste Problem bei diesem Spiel : Es gibt keine richtige Einführung in das Spiel. Es gibt zwar ein paar erklärende Texte (ganze 11 Tutorialbildschirme, auf denen immer EINE Sache erklärt wird), doch die sind in etwa so praktisch wie dicke Winterkleidung im Hochsommer. Also wer mit den Regeln des Spiels nicht vertraut ist, sollte das zunächst auf irgendeine andere Weise nachholen, denn hier findet man keine Hilfe. Wenn man das dann endlich getan hat, dann kann man sich endlich in den niemals enden wollenden Kampf zwischen Weiß und Schwarz stürzen. Man beginnt standardmäßig als Heeresführer der Lichten und Spielt sich, nach den Regeln des Schachs durch das Spiel. Und mit etwas Geschick und genügend Weitsicht hat man den gegnerischen König am Ende “Schachmatt” gesetzt. Dann kann man schon das nächste Spiel starten und wieder das genau selbe Spiel spielen. Und dann wieder und wieder und wieder…denn nach Abwechslung sucht man hier vergebens.

Zwar verspricht die Produktbeschreibung des Herstellers “Kämpfe auf stimmungsvollen Spielfeldern” und “einzigartig animierte Schachfiguren”, doch sucht man nach denen vergebens. Zwar besteht die eigene Armee statt aus den Standart – 08/15 – Figuren aus Menschen, Elfen und anderen Fantasiefiguren, während die gegnerische “böse” Armee aus Skeletten, Schwarzmagiern und anderen Untoten besteht – doch ist das nicht unbedingt was neues. Auch die versprochenen Spielfelder sind eher nur Nebeneffekt, da es eigentlich nicht auffällt, auf welchem der 10 “unterschiedlichen” Spielfeldern man seine Partie Schach absolviert. Letztendlich ist die Sicht eh nur auf das Spielfeld zentriert und nicht auf die Umgebung. Das ist dann zwar mal grün oder gelb gefärbt, aber wirklich “stimmungsvolle” Atmosphäre kommt dabei nicht auf.

Mein Bauer wird zur Dame und setzt deinen König matt !!

Das Schachregelwerk wurde komplett umgesetzt. Alle denkbaren Funktionen sind vorhanden. Es gibt sogar zeitmessende Uhren, es wird angezeigt, welche Figuren wer schon verloren hat, man kann sich alle Züge anzeigen lassen und es gibt sogar ein relativ großes (ca. 1/6 des Bildschirms) Schachbrett mit der “klassischen Anzeige”, auf dem man, wenn man möchte, das gesamte Spiel bestreiten kann – man braucht also theoretisch das “stimmungsvolle Spielfeld” nicht einmal zu benutzen. Obwohl hier alle Features ausgereizt werden : Die Kamera, die das Spielfeld zeigt, ist komplett schwenkbar, so wie stufenlos zoombar. Man kann also das Spielgeschehen aus jeglicher Perspektive betrachten. Auch die animierten Figuren sind – zumindest teilweise ? nicht ganz so schlecht gelungen. So hat man auf der einen Seite zum Beispiel den Springer, der als Elf getarnt mit seinem Bogen erst eine Figur erschießt, bevor er ihre Position einnimmt. Auf der andern Seite ist jedoch der schwarze Turm einfach nur ein grauer, undefinierbarer Klumpen. Die Animationen sind dementsprechend auch unterschiedlich gut programmiert worden : Ein schwertschwingendes Bauer-Skelett auf der einen Seite und eine undefinierbare energiekugelverschießende Dame auf der anderen. Jedoch kann man im Optionsmenü auch die kurzen Animationssequenzen ausschalten, was man dann auch irgendwann wahrnehmen wird.

Die Steuerung ist recht einfach gestaltet. Wenn man die linke Maustaste drückt und die Maus bewegt, dann schwenkt man somit die Kamera. Ebenfalls mit der linken Maustaste wählt man eine seiner Figuren aus, woraufhin auf dem Spielfeld in lila alle Felder markiert werden, die ausgewählte Figur erreichen kann. Mit der rechten Maustaste wählt man dann das gewünschte Feld aus. Das Mausrad noch zum zoomen der Kamera – mehr kann man nicht machen in diesem Spiel – und mehr muss man ja schließlich auch nicht machen. Es gibt im Prinzip vier “verschiedene Modi” : einmal das Spiel gegen den Computer für die “guten”, einmal das selbe nur in schwarz, dann kann man gegen sich selbst (bzw. gegen einen anderen menschlichen Mitspieler über die Hot-Seat-Funktion) spielen – und zum Schluss kann man den Computer noch gegen sich selbst spielen lassen. Die Qualität dieses Matches (bzw. eigentlich die von allen Matchen) hängt selbstverständlich vom Schwierigkeitsgrad ab. Der ist frei wählbar – soweit man das behaupten kann. Es gibt nämlich nur einen Regler, auf dem man einen Balken verschiebt und somit den Schwierigkeitsgrad “einstellt”. Das ist, vor allem bei einem Spiel wie Schach, doch sehr ungünstig gewählt, da man sich nicht sicher sein kann, auf welcher Stufe man gerade spielt. Es gibt außerdem noch eine integrierte “Tipp-Funktion”, bei der einem der Computer anzeigt, welcher Zug nun “schlau” wäre, doch ist diese Funktion genauso funktional wie die bereits erwähnte Einleitung.

Atmosphäre ist, wenn man trotzdem lacht.

Die Grafik ist für die heutigen Möglichkeiten eine regelrechte Zumutung. Die Umgebungen sind eher grob Gestaltet und selbst die Figuren, die im Mittelpunkt des Spiels stehen, sehen aus, als wäre das Spiel vor 5 Jahren auf den Markt gekommen. Manche Figuren sind nicht einmal bei bestem Willen zu identifizieren und auch die Animationen sind eher lieblos gestaltet. Zwar sind die Systemanforderungen auch recht niedrig gehalten, doch sollte man von einem Spiel, dass im Jahr 2007 herausgekommen ist, doch einen gewissen Standart erwarten können. Doch stattdessen bekommt man ein Spiel, das seinen Releasetermin um ein paar Jahre verpasst hat.

Der Sound ist eher Geschmackssache. Die Musik soll wohl eine düstere Atmosphäre kreieren, aber nervt nach einiger Zeit doch schon – oder man schafft es, sie einfach zu ignorieren. Die Spielsounds sind auch etwas unverständlich gestaltet. Zwar hört man ab und zu ein Gewieher von den Pferden oder ein Stöhnen von irgendwem sonst, doch passiert das scheinbar nach einem nicht definierbaren Zufallsprinzip. Zwar gibt es auch “Trappelgeräusche”, wenn man seine Figuren bewegt, doch die sind nicht unbedingt realistisch dargestellt. Zwar nerven die Sounds nicht wirklich, doch haben sie auch nicht die Funktion, die sie eigentlich haben sollten : das Spielgeschehen zu unterstützen.

Fazit

Es gibt mittlerweile weit über 100 verschiedene Schachspiele für den Computer. Die meisten davon dienen zum lernen des Spiels. Und natürlich zum Freizeitvertreib. Bei Schachprogrammen kann man eigentlich nicht viel falsch machen, so lange man die Regeln richtig programmiert und einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad einbaut, damit man so seine Fortschritte auch wirklich sehen kann. Doch ist das hier mit dem Schwierigkeitsgrad sowieso reichlich relativ gestaltet, da selbst ich, der sich nicht zu den "halbwegs passablen" Spielern zählen würde, bis ca. 3/4 der Skala keinerlei Probleme mit dem Computergegner hatte. Erst danach wurde es ansatzweise "schwierig". Und so sollte kein Schachprogramm sein. Natürlich sollte man sich immer mehr steigern können - doch sollte man dabei zumindest sehen, wo man gerade steht. Die anderen angebotenen Features, wie das animierte Feld und die Tipps, sind zwar recht "interessant" (bzw. könnten es sein, wenn man es gut umsetzen würde), aber sind sie in meinen Augen nicht für ein Schachspiel nötig. Wenn man dieses Spiel mit den diversen "Fritz Schach" Versionen vergleicht, dann kann es in keinem Punkt mithalten. Profis dürften kaum Spaß an diesem Spiel haben. Und auch Anfänger, die noch nicht wirklich regelfest sind, dürften ihre Probleme haben. Wenn man sich jedoch dazwischen befindet und man lieber erst mal gegen den Computer spielen möchte als sich im Internet gegen menschliche Kontrahenten zu versuchen, dann sollte "Wizard Chess" zumindest eine "ausreichende" Alternative bieten. Es ist dann nämlich einfach nur ein Programm zum Schach spielen.
Grafik
65%
Sound
75%
Gameplay
48%
Steuerung
95%

Gesamtwertung

63%

» Wie wir bewerten - Hinweise und Erläuterungen zu unserem Wertungssystem

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.