Velvet Sundown – Closed Beta (PC)

3560 0 0 11. Februar 2014
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Velvet Sundown – Closed Beta (PC)

Der Trend Spielereihen und Marken so lange auszuschlachten, bis nichts mehr geht, nimmt in der Welt der interaktiven Pixelunterhaltung mittlerweile schon erschreckende Ausmaße an. Mit „Call of Duty: Ghost“ hat Activision nun schon den 10ten Call of Duty Teil auf dem Markt, Assassin’s Creed: Black Flag läutet für die Franchise jetzt auch die sechste Runde ein und während wir Zeuge werden wie Nintendo Jahr für Jahr Mario und Zelda wieder aufleben lässt, fangen wir langsam an uns zu fragen, ob in der Spielebranche wirklich schon alles ausprobiert worden ist und es nichts Neues mehr zu erfinden gibt, oder es es sich einfach nur keiner mehr traut.

Das finnische Entwicklerteam Tribe Studios Ltd. will mit ihrem Spiel „Velvet Sundown“ dagegen ein Zeichen setzen und zeigen, dass es noch viele innovative Ideen und Spielprinzipien gibt, die noch nicht umgesetzt worden sind.

Seid dem 3. Februar 2014 ist nun die Closed Beta gestartet und wir haben die Möglichkeit bekommen Teil der ersten Testgruppe zu werden und erstmals Hand an diese interessant klingende Mischung aus Multiplayer-Rollenspiel und Sozialexperiment zu legen.

Rollenspiel – Wörtlicher geht’s kaum

Mit der Bezeichnung Rollenspiel könnte man bei „Velvet Sundown“ nicht richtiger liegen, denn jeder Spieler spielt, in einem von bisher 2 möglichen Szenarien, eine bestimmte Rolle.

In der derzeitigen Version gibt es insgesamt 11 Personen, die den teilnehmenden Spielern zufällig zugeteilt werden, wobei jede dieser Personen dabei ein eigener Charakter ist, mitsamt persönlicher Eigenschaften und Beweggründe. Eine rücksichtslose Reporterin, ein Kleinkrimineller, sowie ein Ex-Drogendealer, der jetzt seine Erfüllung in Meditation zu finden versucht, sind dabei nur ein paar der allesamt glaubwürdigen Charaktere, mit ausgearbeiteten Hintergrundgeschichten und den daraus resultierenden Motiven und Absichten.

Alles wichtige über unsere Rolle bekommen wir am Anfang jeder Runde in kurzen Textzusammenfassungen gezeigt und nachdem jeder Spieler seinen Charakter kurz kennengelernt hat und dessen Ziele und Wünsche erklärt wurden, wird man direkt in die Geschichte geworfen.

Ein Malkasten namens „Story“

Wobei Geschichte eigentlich das falsche Wort ist, denn man wird bei jedem dieser Szenarien weniger vor eine Geschichte, als einfach vor ein paar Rahmenbedingungen gesetzt aus denen sich die Geschichte im Zusammen- oder auch Gegenspiel der Spieler ergibt. Grundsätzlich geht es um zwei konkurrierende Ölfirmen, die sich gegenseitig ausspionieren wollen und um die persönlichen Ziele jedes Charakters, die irgendwie zusammen zu tun haben; Aber vor allem geht es darum zu erfahren was passiert, wenn alle diese Charaktere auf einer Yacht zusammentreffen.

Was schon ein interessantes Konzept für einen Film wäre, hat bei einem Spiel in dem jeder dieser Personen auf dem Schiff von einem denkenden, agierenden und vor allem reagierenden Menschen übernommen wird, unglaublich viel Potenzial.

Der blinde Passagier, der sich mit an Bord geschmuggelt hat, ist aber die Frage, ob dieses Potenzial auch zu einem guten Spiel umgesetzt worden ist!

Maus und Tastatur leicht seekrank

Bei der Steuerung ist zumindest noch etwas Luft nach oben. Keine Angst … Die Spielfigur lässt sich ohne größere Probleme bewegen und Tribe Studios Ltd. hat sich hier keine groben Fehltritte erlaubt, aber die etwas umständliche und fummelige Steuerung ist ein kleines Fettnäpfchen, das man doch hätte vermeiden können.

Liebevolles Design und guter Sound

Wer sich aber daran gewöhnt hat und sich über die Yacht manövriert, den erwartet dafür ein sehr schöner Meeresblick. Die Unreal Engine 3 schafft es eine ansehnliche Umgebung zu erschaffen und auch bei den Charakteren hat man sich viel Mühe gegeben. Vor allem das sehr liebevolle Design der einzelnen Personen verdient Lob, auch wenn die Animationen teilweise noch ein bisschen unbeholfen wirken.

Die Soundkulisse ist ebenfalls gelungen, aber sowohl Grafik als auch Sound rücken letztendlich für das Gameplay in den Hintergrund und somit kommen wir jetzt endlich zum wirklich wichtigen Punkt und damit zu der Frage: Wie funktioniert „Velvet Sundown“ als Spiel?

Freiheit als Hauptgameplay

Allerdings ist das eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist. Man sollte meinen, das Primärziel sei es die Ziele zu erfüllen, die unser Charakter hat, aber das ist im Endeffekt zweitrangig. Jedes der beiden Szenarien, die momentan verfügbar sind, dauert 45 Minuten und ob man den Wünschen seines Charakters folgt, oder die ganze Zeit nur das Meer beobachtet, in „Velvet Sundown“ gibt es keine Vorgaben und man kann machen, was immer man will. Am ehesten ist die Idee dahinter wohl vergleichbar mit dem Verkaufsschlager Minecraft. Es gibt für erfüllte Ziele weder eine Punktevergabe, noch in irgendeiner Form eine Wertung oder Belohnungen am Ende einer Runde. Laut der Entwickler ist das Ziel einfach Spaß zu haben und das möglich zu machen ist ihnen sehr gut gelungen!

Man kann zwar leider mit fast keinen Objekten auf der Yacht irgendwie interagieren, was tatsächlich sehr schade ist, aber es geht auch hauptsächlich um die Interaktion mit anderen Spielern. Ob man sich einfach unterhält, zusammen mit einem Glas Whiskey anstößt, meditiert, eventuell sogar einen Taser auspackt oder auf eine andere Art mit den Spielern interagiert, liegt ganz bei einem selbst.

Licht und Schatten der Text-To-Speech Technologie

Um Gespräche allerdings nicht zu normalen langweiligen Chatunterhaltungen verkommen zu lassen, hat sich Tribe Studios Ltd. einen besonderen Kniff in Form der sogenannten Text-To-Speech Technologie einfallen lassen. Aus dem Namen lässt sich schon die Funktion, der Vertonung des geschriebenen, erahnen, aber bevor jetzt jemand anfängt sich große Hoffnungen zu machen, müssen wir gleich sagen, dass man hierbei mit nicht viel mehr als mit einer Computerstimme, wie man sie z.B. von Apples Siri kennt, rechnen kann. Zum Glück wurde die Stimmart und Stimmfärbung an die Charaktere angepasst, so dass das Ganze dann letztendlich doch ein qualitativ durchaus gelungenes Extra geworden ist.

Die Text-To-Speech Technologie hat allerdings auch eine relativ große Schattenseite! Denn dadurch, dass alles was geschrieben worden ist erst mal bearbeitet werden muss, dauert es oft mehrere Sekunden bis das Getippte dann auch ausgesprochen wird. Diese Wartezeit ist zum einen meistens sehr nervig, zum anderen führt sie aber vor allem dazu, dass es oft so lange dauert bis ein von uns geschriebener Satz seinen Weg ins Gespräch findet, dass unser Gegenüber währenddessen selbst etwas schreiben kann und sein Satz wiederum kurz nach unserem oder sogar gleichzeitig mit unserem ausgesprochen wird. Was schon bei Unterhaltungen mit nur einem Gegenüber zu Verwirrungen und Komplikationen führt, verwandelt eine Unterhaltung mit mehreren Beteiligten meistens in ein komplettes Durcheinander, bei dem irgendwann niemand mehr weiß wer mit welcher Frage gemeint war.

Probleme vs. Spielspaß – Spaß gewinnt

Das ist in der Tat ein sehr großes Problem, welches hoffentlich in späteren Versionen geschmälert wird, aber (und das ist ein sehr deutliches aber) es macht einfach zu viel Spaß, sich in seine Rolle zu versetzen und sich aus dieser Perspektive mit anderen, die ebenfalls ihre Rolle spielen, zu unterhalten, um sich von ein bisschen Verzögerung stören zu lassen.

Letzten Endes gibt es auch nicht besonders viel Gameplay, das geboten wird; Aber die braucht dieses Spiel gar nicht, denn die Interaktion zwischen den Spielern reicht aus um unendlich viele Möglichkeiten zu bieten; Und sei es nur um eine lustige Zeit zu haben.

Und genau hier liegt die Antwort zur anfangs gestellten Frage, wie „Velvet Sundown“ denn funktioniere. Es geht hier nicht darum seine Ziele zu bewältigen oder einer Story zu folgen, man spielt einfach seine Rolle und erfahrungsgemäß entwickelt jede Runde daraus ganz alleine seine eigene Geschichte.

Wir hatten beispielsweise eine Dreiviertelstunde lang einen Riesenspaß als Barkeeper  – die ganze Zeit hinter dem Tresen zu stehen, Drinks zu verteilen und Gerüchte über die anderen Passagiere zu verbreiten. Das wirklich Interessante daran war aber, dass wir am Ende der Runde das von uns in die Welt gesetzte Gerücht von einem Geschäftsmann erzählt bekommen haben. Und diese entstehende Dynamik ist eigentlich genau das was „Velvet Sundown“ ausmacht und beweist gleichzeitig, dass die Idee die dahinter steckt funktioniert. Wir bekommen vom Spiel einfach bestimmte Werkzeuge an die Hand; Was wir damit machen liegt in der Hand der Spieler.

Alte Erwartungen erfüllt – Neue Erwartungen gebracht

„Velvet Sundown“ ist also nicht nur ein Spiel, welches ein Wort, das wir aus der Tastatur quetschen aussprechen kann, sondern auch eins, das sein eigenes Wort, von einem innovativen Spielprinzip hält. Neben größeren Problemen, wie zu wenigen Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung und die Verzögerung in Gesprächen hat das Spiel noch eine ganze Reihe an kleineren Fehlern, die sich eingeschlichen haben; Aber man darf nicht vergessen, dass dieses Experiment in Spielform noch nicht fertig ist und trotz der Beta Phase, in der es sich momentan noch befindet, bietet es schon jetzt mit jeder Runde ein einzigartiges Spielerlebnis.

Wir haben also vollstes Vertrauen in Tribe Studios Ltd. und die, leider mit noch keinem Releasedatum versehene, Vollversion von „Velvet Sundown“.

Fazit

Velvet Sundown ist ein Rollenspiel, das vor allem vom Miteinander der Spieler und der daraus entstehenden Dynamik lebt. Es ist ein Spiel, in dem jede neue Runde auch eine neue Geschichte bedeutet und trotz kleinerer und größerer Fehler hat dieses Sozialexperiment nicht zu viel versprochen und kann schon in der Beta Version überzeugen. Was bringt dann wohl erst die Vollversion?
Grafik
80%
Sound
75%
Gameplay
75%
Steuerung
65%

Gesamtwertung

80%

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