Spieletest: Tengami (PC)

3847 0 0 18. März 2015
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Das Indie-Adventure „Tengami“ möchte mit außergewöhnlicher Optik und japanischer Tradition punkten. Ob die außergewöhnliche Mischung aus Spiel, Novell und Papieroptik zu überzeugen weiß oder ob Ihr das Buch lieber schlossen lasst, klären wir im Test.

Das Japan etwas eigen ist, dürfte selbst dem Kulturbanausen aus Willensdorf bekannt sein. Kein anderes Land dieser Welt zeigt derart viel Chaos wie die Ostasiatische Insel. Neben all dem verrückten Zeugs gibt’s aber auch eine gänzlich andere Seite. Die Japanische Kultur besticht nicht nur durch seine Verrücktheit, sondern auch durch seine Traditionen. Tengami erinnert in seiner Optik an das feudale Japan des 12. Jh. Für die Entwicklung ist das junge Studio „Nyamyam“ mit Sitz in England verantwortlich.

Wir spielen einen namenslosen Helden auf der Suche nach drei Blüten für einen verwelkten Kirschbaum. Dieser Satz mag eigenartig einfallslos klingen, aber er beschreibt das Ziel des Spiels sehr treffend. Unser namenloser Held wird unter einem blütenlosen Kirschbaum aus seinen Träumen gerissen und fortan besteht unsere Aufgabe darin, dem Baum mit neuem Leben zu bestücken. Als machen wir uns auf den Weg durch wunderschöne Landschaften und suchen magische Kirschblüten. Im Grunde als nichts Neues und man vermag zu glauben, Tengami wäre langweilig. In diesem Falle ist jedoch nicht die Geschichte das Kernelement dieser fantastischen Reise, sondern die wunderschöne Szenerie.

Tengami_screen2 Schon kurz nach Spielbeginn machen wir Bekanntschaft mit diesem Wolf.

  Der visuelle Stil ist nicht nur wunderschön und authentisch umgesetzt, sondern weiß durch all die klappbaren Pappelemente auf eine fast kindlich-anmutende Neugier zu begeistern. Was passiert, wenn Ich diesen Stein umklappe? Was wohl hinter dieser Laterne auf mich wartet? Jede neue Buchseite weckt immer wieder aufs Neue unser Interesse. Das motiviert und ist dank der tollen Optik und dem großartigen Soundtrack eine schon fast meditative Erfahrung. Audiovisuell ist Tengami eine Wucht, ja fast ein Meisterwerk moderner Spieleentwicklung, vor dem selbst das großartige „The Vanquish of Evan Carter“ den Hut ziehen muss. Leider ist der Rest des Spiels nicht so schön und überzeugend wie die Atmosphäre. Die Puzzle-Elemente sind so simple wie abwechslungsarm und beschränken sich auf  Zuordnen und umklappen von Pappelementen. Nur selten werden die Gehirnzellen ein wenig beansprucht. Selbst die komplizierteren Rätsel sind vergleichsweise schnell gelöst. Zudem lassen sich solche Rätsel an einer Hand ablesen. Der „Adventure“-Part in Tengami beschränkt sich wortwörtlich auf das „Abenteuer“ an sich. Klassische Mechaniken wie Inventar oder NPC’s fehlen völlig.

Tengami_screen3 Dieser Kirschbaum verliert sein Blüten. Nun liegt es an Uns, dem Baum wieder zum Leben zu erwecken.

Tengami ist für eine abenteuerliche Reise arg kurz geraten. Nach knapp 60 Minuten sehen wir den Abspann. Selbst eine so kurze Spielzeit wären bei einem Preis für knapp 8 € und der tollen Atmosphäre akzeptabel. Unser Held läuft allerdings so langsam, dass wir das Gefühl nicht loswerden, Nyamyam hätte die Spielzeit so künstlich in die Höhe getrieben. An manchen Stellen setzten wir minutenlang stupid Wegpunkte. Des nervt. Man sollte man Tengami nicht als klassisches Videospiel bezeichnen. Es ist ein kurzweiliger, interaktiver Trip, ein Traum, eine Erfahrung. Die Atmosphäre, der stilsichere Grafik und der tolle Soundtrack sind es allemal wert, einen Blick zu riskieren. Wer allerdings nach einem Adventure/Puzzlespiel sucht, wird von Tengami leider enttäuscht. Dafür bietet es schlicht und einfach zu wenig Spiel oder Wiederspielwert. Letztendlich können wir eine Empfehlung aussprechen, da der Audiovisuelle Stil zu gut ist, als des er ignoriert werden dürfe.

Tengami_screen1 Die Szenerie in Tengami ist wundervoll. Der leuchtende Kreis bedeutet, das wir hier interagieren können.

 

DennisMeine Meinung

Ich bin kein Adventure-Fan. Trotzdem habe ich mich auf Tengami gefreut und wurde nicht enttäuscht. Die visuelle Kraft hinter Tengami ist gigantisch. Selten hat mich ein „Spiel“ so sehr in seinen Bann gezogen. Zugegeben: Es lässt sich kaum als Spiel zu bezeichnen. Dafür fehlt es dem Titel einfach an grundlegenden Mechaniken, spielerischer Vielfalt und vernünftigen Rätseln. Als interaktive Geschichte sucht Tengami aber seinesgleichen. Neugier, Melancholie, Freude, Trauer, Depression…alle diese Gefühle habe ich 60 Minuten erfahren dürfen. Es war ein kurzer Trip in eine andere Welt. Und er war fantastisch.

Fazit

Spielerisch schwaches Adventure, welches aber durch seine Atmosphäre, der stimmigen Präsentation und dem traumhaft-meditativen Soundtrack eine ganz eigene Erfahrung darstellt. Als Spiel zu wenig, als interaktive Novell pures Gold.
Grafik
95%
Sound
95%
Gameplay
43%
Steuerung
80%

Gesamtwertung

85%

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