Spaceforce – Rogue Universe

1949 0 1 24. September 2008
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Titel:Spaceforce: Rogue Universe [UK Import]
EAN:9006113150817
System:Windows 2000
Label:JoWood

Komplexe Weltraumhandelssimualtionen gehören zu der Königsklasse der Spielkunst. Unwillkürlich fallen Namen wie “Elite” oder “Privateer”, die Ihrer Zeit weit voraus waren und noch heute bei meist männlichen Besuchern einer Ü30-Party glasige Augen hervorrufen können, die nicht von Alkopops kommen. In Zusammenarbeit mit JoWood präsentiert uns der kroatische Hersteller Provox Games mit “Spaceforce: Rogue Universe” ein Spiel, welches genau in diese Kerbe schlägt und damit große Fussstapfen vorfindet. Ob diese ausgefüllt werden zeigt unser Spieletest…

In the Beginning…

Am Anfang war das Spielprofil. Naja, zumindest muss man es ganz zu Beginn des Spiels erstellen und sich sodann für einen Spielmodus (freies Spiel oder Geschichtsmodus) entscheiden. Besonders wichtig erweist sich auch die Wahl des Berufs (Pirat, Hacker, Polizist, Kopfgeldjäger, Spion, Ingenieur, Abenteurer oder Händler), da diese Wahl Auswirkungen auf besondere Vor- und Nachteile im Spielgeschehen hat. Im Anschluss wird der Spieler mit einem launigen Video in Stimmung gebracht und in die Geschichte versetzt, die kurz zusammengefasst so aussieht: Nach jahrelanger Suche gibt es endlich eine Spur nach der Schwester unseres Helden, die wohl vor kurzen von Piraten überfallen wurde. Und natürlich eilen wir hin – zumindest nachdem wir unseren interstellaren Führerschein gemacht haben. Für die bevorstehende Abschlussprüfung muss man wie im echten Leben büffeln und sich etwas mit der Steuerung des Flugobjekts vertraut machen, die nicht ganz unkompliziert ausfällt, da die Liste mit den Tastaturbefehlen durchaus beeindrucken kann.

Nach kurzer Übungsdauer kommt man aber ganz gut mit dem Steuerknüppel klar und kann dies im Kampf gegen einige Piraten auch gleich unter Beweis stellen. Die Kämpfe sind von Beginn an ganz schön happig und erst recht mit zunehmender Spieldauer. Taktisch clever, wer sich nach und nach einige Flügelmänner dazukauft und sein Schiff “pimpt”. Leider sind all diese Funktionen nur unzureichend im Tutorial behandelt worden, so daß man immer wieder gezwungen ist ins Optionsmenü oder in das nur teilweise hilfreiche Handbuch zu spicken. Vieles ist nämlich ganz vorbildlich gelöst, aber ohne eine längere Einarbeitungszeit stellt sich kein Erfolg ein.

Der Wirtschaftsteil…

Neben den Missionen, die in der Regel immer einen Kampf- oder Eskorteinsatz (meist verbunden mit Kämpfen) beinhalten gibt es auch einen Wirtschaftspart, der nicht zu kurz kommt. An den Stationen lassen sich mit Handelswaren und Upgrades gute Geschäfte machen, wobei sich längere Flüge meist lohnen, auch wenn sie wenig spannend sind. Bei diesen Zwischenstopps kann der Spieler jedoch auch neue Missionen annehmen, sich für eine von insgesamt 10 Fraktionen im Spiel entscheiden oder Rohstoffe abbauen und damit weiteres Geld verdienen. Mehr Geld bedeutet im diesem Fall entweder weitere Upgrades für das Schiff oder gleich einen von 14 neuen, besseren Gleitern. So beginnt ein langsames Aufrüsten, welches uns bei den kommenden Piratenkämpfen helfen wird, denn die ohnehin schon kniffligen Schlachten werden wie gesagt immer schwieriger, aber nie unfair.

Wendige Flugmanöver sind im Allgemeinen gar kein Problem und auch mit gängigen Flight-Sticks locker zu meistern. Auch lässt sich die umfangreiche Tastaturbelegung den eigenen Vorstellungen anpassen, was dem Spielfluss deutlich Auftrieb verleiht.

Grafik und Sound

Grafisch kann das Spiel vor allem in zwei Punkten überzeugen. Einerseits muss man das Head Up Display und überhaupt die ganze Instrumentierung des Cockpits lobend erwähnen. Hat man den Dreh erstmal raus ist das Ganze schnell zu durchschauen und man wird sich im All wie im eigenen Wohnzimmer zurechtfinden. Und da wären wir ja dann auch beim zweiten Punkt: Das All. Nicht nur sind die Stationen wirklich nett anzusehen, sondern vielmehr auch die Asteroidengürtel, Sternennebel, Anomalien und vieles mehr, was man so eigentlich nur von NASA-Bildern her kennt. Ein echtes Spektakel, welches seinesgleichen sucht…

Leichte Abzüge gibt es bei der Soundbewertung. Während der Soundtrack noch überwiegend in Ordnung geht, sind es vor allem die Ingame-Soundeffekte die einem wirklich Sorgen machen können. Manch eine “WRW” (=Weltraumwumme) klingt brillant und genauso wie man es sich wünscht und erwarten könnte. Im nächsten Moment aber klingt eine andere Waffe wie eine billige Second-Hand-Knarre aus einem 80er-Jahre Shareware-Spiel. Einzig den Synchronsprechern, die einen guten Job abgeliefert haben, ist ein gutes Sound-Gesamtresultat zu verdanken.

Fazit

"Spaceforce - Rogue Universe" ist ein gelungenes Weltraumepos, welches trotz kleinerer Mängel zu gefallen weiß - wenn man ihm eine Chance gibt. Wer sich gerne in ein Spiel hineinknieht und sich nicht zu schade ist das Handbuch zu lesen und über schlecht dokumentierte Zusammenhänge hinwegzusehen, der wird nach einer Weile ein wirklich tolles Spiel freilegen. Allen Gelegenheitsspielern hingegen kann man das Game kaum ans Herz legen. Zu lange dauert hierzu die Einarbeitungszeit, zu komplex sind die Zusammenhänge. Leider fehlt dem Game auch ein motivierender Mehrspielermodus und noch der ein oder andere Feinschliff bei Sound und Gameplay, dennoch: Ein gutes Game.
Grafik
86%
Sound
66%
Gameplay
82%
Steuerung
84%

Gesamtwertung

80%

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