Spieletest: South Park : The Stick of Truth (PC)

3060 0 0 4. Dezember 2014
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Titel:South Park: Der Stab der Wahrheit
EAN:3307215784372
System:Windows 7
Label:Ubisoft
Release:2014-03-27

Nach zahlreichen Verschiebungen ist ”South Park : The Stick of Truth” endlich erschienen. Und schon kurz nach Ankündigung stellte sich die Community folgende Frage: “Kann das klappen?”. Ob es denn geklappt hat oder ob sich „The Stick of Truth“ nahtlos in die Mittelmäßigkeit vorausgegangener South Park Spiele einreiht, klären wir in unseren Test.

Um nicht lange um den heißen Brei zu reden: „The Stick of Truth“ ist ein Fest für South Park-Fans. Was die Rollenspielprofis von Obsidian (Knights of the Old Republic 2, Fallout New Vegas) in Zusammenarbeit mit den Schöpfern von South Park, Trey Parker und Matt Stone, erschaffen haben ist der spielgewordene Traum eines jeden South Park Anhängers. Aber auch Rollenspieler kommen mit kleinen Abstrichen auf ihre Kosten. Aber fangen wir erst mal ganz von vorne an.

 

Ein Stab sie alle zu knechten

Seit Jahren herrscht ein brutaler Krieg zwischen Menschen und Elfen. Angeführt vom Großmagier Cartman, verteidigen die Menschen ihr heiligstes Relikt, Den Stab der Wahrheit. Dieser erlaubt es dem Besitzer das Universum zu kontrollieren. Im Lande Zaron verbreitet sich das Gerücht, dass ein „Neuer“ einkehrt und so versuchen die Menschen, den Neuen auf ihre Seite zu ziehen und den Krieg zugunsten der Menschheit für sich zu entscheiden. Natürlich handelt es sich bei dem „Neuen“ um unsere Wenigkeit. Nach dem Intro haben wir nun die Möglichkeit, unseren eigenen South Park Charakter zu erstellen. Wir wählen aus verschiedenen Hautfarben, Frisuren und Klamotten und schon gleich werden wir mit dem typischen Ortsschild und dem gewohnten Gitarrenriff belohnt. Wir sind mit unseren Eltern gerade erst nach South Park gezogen. Diese hoffen, dass wir so unsere Vergangenheit hinter uns lassen und fortan ein normales Leben führen können. Was genau unsere Eltern versuchen zu vergessen, erfahren wir im Laufe der Handlung. Wer aber vertraut mit South Park ist, der weiß, dass die Geschichten schnell der eigentlichen Story weichen und zu einem Gewächs aus absurden Charakteren, episch-schwachsinnigen Dialogen und reißerischen Plot Twists mit sozialkritischem Unterton mutieren.

„Der Stab der Wahrheit“ ist ein klassisches Rollenspiel der älteren Schule. In einer 2,5D-Ansicht ziehen wir durch die Straßen von South Park, sammeln Chimpokemons ein, öffnen Garagentore um wertvolle Beute wie neue Frisuren oder Make-Up zu ergattern oder erledigen kleiner Aufträge für die Bewohner der kleinen Bergstadt. So müssen wir bsw. Star Trek-Fanboy Kevin Stoley helfen, einen verschwundenen Tricoder (das iPad seines Vaters) zu finden, Stans iPhone aus den Händen der fiesen Ogerin retten oder für Jimbo verschiedene Tiere töten. Die Aufgaben sind allesamt eher Standardkost, durch den abgedrehten Humor aber unterhaltsam gestaltet. Wenn uns Mr. Sklave damit beauftragt, ein Päckchen bei der Post abzuholen, welches einem verpackten Dildo ähnelt, treibt es uns immer wieder ein Grinsen ins Gesicht. Die Nebenquests sind für die Haupthandlung des Spiels nicht von belangen, tragen aber ungemein viel zur Atmosphäre des Spiels bei.

 


Wusstet ihr…? :

Eigens für „South Park: Der Stab der Wahrheit“ mussten Trey Parker und Matt Stone die Kleinstadt South Park komplett gestalten. Während in der Serie alle Schauplätze immer unabhängig voneinander gezeigt werden, haben wir im Spiel eine komplette Karte der Stadt. Die Standorte der Gebäude wurden nicht von den Entwicklern festgelegt, sondern eigenhändig von Stone und Parker.


 

Professor Chaos, Einhörner und Furzgranaten

Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, wird natürlich auch gekämpft. Hier wechseln wir vom Echtzeit-erkunden in den rundenbasierten Kampfmodus. Neben unserer Figur wählen wir stets einen von sechs Charakteren als Mitstreiter aus. So werden wir etwa vom niedlichen Paladin Butters begleitet, der mit dicker Rüstung und Hammer auf seine Gegner einschlägt, Blitzzauber anwendet oder uns mit einem gutgemeinten Schulterklopfen verlorene Lebenspunkte wiederherstellt. Oder Prinzessin Kenny, die unsere Feinde mit Küssen anwidert oder eine Rattenarmee herbeiruft, die unsere Gegner überrennt. Jeder der sechs Mitstreiter verfügt zudem über eine Spezialfähigkeit, die uns Machtpunkte kostet. Butters etwa verwandelt sich in Professor Chaos und teilt mehr Schaden aus oder zaubert uns einen schützenden Schild, Kenny ruft ein Regenbogeneinhorn heran, welches alle Feinde niedertrampelt. Drücken wir die falsche Taste, stirbt Kenny und muss eine Runde aussetzen.

Solche Spezialfähigkeiten werden durch kleine Reaktionsspielchen ausgeführt, die sich meist aber nur durch simples „Drücke Taste A in der vorgegebenen Zeit“ oder „rotiere den rechten Stick bis zu einer gewissen Stelle“ unterscheiden. Anspruch = Fehlanzeige. Unser Held verfügt über eigene Spezialattacken, die sich je nach Klasse ändern. Schon früh zu Beginn wählen wir aus einer von vier Klassen. Da gibt es den Krieger, den Magier, den Dieb oder aber die Klasse des Juden. Wer jetzt auf ein tiefgründiges Charaktersystem oder Talentbäume ala „Path of Exile“ hofft, der wird enttäuscht. Die vier Klassen unterscheiden sich nur anhand ihrer Spezialfähigkeiten. Durch das Töten von Gegnern sammeln wir Erfahrung, die uns im Level aufsteigen lässt. Der Levelaufstieg dient aber nur dem Zweck, bessere Ausrüstung benutzen zu dürfen. Klassische Punkteverteilung, um mehr Lebenspunkte oder mehr Angriffsschaden zu bekommen, gibt es nämlich nicht. Zwar haben wir die Möglichkeit, Facebook-ähnlich Freunde in South Park zu sammeln und damit verschiedene Boni freizuschalten. Allerdings äußert sich das nur in Form von „20% mehr Lebenspunkte“ oder „Verursache mehr Feuerschaden“. Zudem können wir bei einem kompletten Spieldurchgang maximal zehn der 20 Vorteile nutzen.

Die Kämpfe sind trotz ihrer eher kleineren Auswahl an Fähigkeiten rundum gelungen. Das Kampfsystem ist zwar einfach gestrickt, spielt sich aber durch verschiedene Debuffs und Kombinationen von Zaubern sehr flüssig und intuitiv. Zudem sind die Kämpfe sehr absurd und witzig. So haben wir die Möglichkeit, unsere Feinde per Feuerwaffe in Brand zu stecken, was diese wiederum anfälliger für Furzattacken macht. Von besagten erlernen wir zudem vier unterschiedliche Fürze, welche uns entweder im Kampf oder auch außerhalb des Kampfes zur Verfügung stehen. Wir können so etwa mit Pfeil und Bogen das Glas einer Gaslampe zerstören und dann mit einer Furzgranate einen tödlichen Feuerball verschießen. So können wir eine Konfrontation gänzlich umgehen oder die Anzahl der Gegner von bevorstehenden Kämpfen verringern. Neben Spezialattacken und Furzzaubern verkloppen wir unsere Gegner per Nahkampfwaffe wie etwa einem Cricketschläger oder per Distantzwaffe in Form eines Schneeballs oder Dartpfeils.

Leider unterscheiden sich die verschiedenen Waffen nur durch ihren Schadenswert. Zwar haben viele Waffen verschiedene Boni wie etwa Rüstungsdurchdringung, welche in den Kämpfen aber schlichtweg nicht auffallen. So amüsant die Kämpfe gegen Elfen und Obdachlose auch sind, ist das Spiel trotz allem viel zu einfach. Selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad hatten wir keinerlei Probleme, unsere Feinde ohne große Verluste zu besiegen. Einzig die Bosskämpfe sind schon happiger, allerdings fernab von anstrengend. Der Schwierigkeitsgrad fällt so gering aus, da wir zu keinem Zeitpunkt im Spiel auch nur annährend gefordert werden. Überall in der Stadt finden wir Kleinkram, den wir beim Händler gegen bare Münze verkaufen können. So ist es immer möglich, die beste Ausrüstung zu kaufen, selbst wenn wir den eigentlichen Level für den Gegenstand noch nicht erreicht haben. Gleiches gilt auch für Rüstungen. Zwar haben diese auch verschiedene Boni wie etwa unsere Waffen, machen sich aber auch hier kaum bemerkbar, sodass wir nur die Klamotte mit dem höchsten Rüstungswert tragen müssen. Das führt dazu, dass „Der Stab der Wahrheit“ etwas anspruchslos wirkt, durch die flotten und witzig-inszenierten Kämpfe aber nie langweilig wird, da alles drum herum stimmig in Szene gesetzt ist.

 

Original einfach, einfach Original :

Das liegt vor allem daran, dass Obsidian den Look der Serie konsequent fortsetzt. Die Grafik reißt so natürlich keine Bäume aus, passt aber wie die Faust auf’s Auge und hinterlässt bei uns den bleibenden Eindruck, als würden wir uns eine interaktive Folge ansehen. Während unserem Abenteuer machen wir auch einen kleinen Abstecher ins liebevolle Kanada. Hier bewegen wir uns in der 8bit-Vogelperspektive durch das gesamte Land, inklusive fetzigem 8bit-Soundtrack. Und auch sonst stimmt die Soundkulisse. Von bekannten Seriensongs wie „Taco Taco, Burrito Burrito“, „Montage“ aus dem Team America Film oder dem Kanadasong ist alles vertreten, was das South Park Herz begehrt. Zudem ist die (englische) Vertonung hervorragend, was Fans zusätzlich ein Grinsen ins Gesicht treiben lässt. Fans der deutschen Vertonung schauen allerdings in die Röhre. Das Spiel ist auch in der deutschen Fassung ausschließlich mit englischer Vertonung spielbar, allerdings mit deutschen Untertiteln sowie einem deutschen Interface. Wer dem Englischen also nicht ganz so mächtig ist, der muss sich mit kleinen Untertiteln zufriedengeben, die zudem viel Wortwitz liegen lassen.

Beispiel: Powerpoints werden im englischen mit „PP“ abgekürzt. Über die Aussprache macht sich auch Clyde lustig. Im deutschen werden Powerpoints zu Machtpunkte, kurz „MP“. Wenn Clyde sich darüber lustig macht, können wir den Witz nicht ganz verstehen. Solche Kleinigkeiten ziehen sich durch das ganze Spiel, was zum Teil auf Kosten der Atmosphäre und dem Humor der Serie geht. Generell ist die deutsche Übersetzung aber dennoch gelungen.

Fazit

Wer hätte gedacht, dass wir so was noch erleben dürfen. Ein South Park Spiel, welches der Serie treu bleibt und den Spieler an den Bildschirm fesselt. Einzig der leichte Schwierigkeitsgrad und die für ein Rollenspiel etwas kurze Spielzeit von knapp 10 Stunden trüben den Gesamteindruck ein wenig. Wer das aber verkraften kann, bekommt hier ein grundsolides Rollenspiel der alten Schule geboten. Vielmehr aber bekommt der South Park Fan seinen wahrgewordenen Software-Traum serviert, der mit Liebe zum Detail gestaltet wurde, mehr Cameo-Auftritte als "The Expendables 2" bietet und für einige Stunden vorzüglich unterhält.
Grafik
75%
Sound
90%
Gameplay
80%
Steuerung
80%

Gesamtwertung

81%

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