Silent Hunter 3 & 4 Steel-Edition (PC)

3257 0 4 2. Januar 2011
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Titel:Silent Hunter 3&4 Super Pack (UBI X) AUT PC
EAN:4032222604885
System:Windows Vista
USK:Freigegeben ohne Altersbeschrnkung
Label:UBI SOFT
Release:2010-01-25

U-Boote haben etwas Faszinierendes an sich. Während im üblichen Schiffskampf meist der Größere und Stärkere siegt, ist unter Wasser pure Taktik gefragt. Schleichend und förmlich aus dem Nichts schlagen sie zu und sind die Scharfschützen des Meeres. Schwach im offenen Kampf und doch gefechtsentscheidend, indem der Torpedo richtig berechnet und zur richtigen Zeit abgefeuert wird. Ein noch so mächtiges Kriegsschiff kann dem einen entscheidenen Stoß in die Achillesverse letztlich doch nicht entrinnen und muss sich einem Unterseeboot mit spärlicher Technik geschlagen geben. Im Inneren arbeiten Männer auf engsten Raum mit der ständigen Angst, von einem Schiff zuerst entdeckt zu werden oder vor einem Versagen der metallenen Hülle, die unter ständigen Unterwasserdruck steht. Wer schon einmal den Filmklassiker “Das Boot” gesehen hat, kann diese ganz besondere Atmosphäre der Gratwanderung zwischen Übermacht und absoluter Verwundbarkeit nachempfinden. Doch werden die beiden Teile von Silent Hunter diesem Szenario gerecht, die Ubisoft im “Super Pack” zusammen für fünf Euros verscherbelt?

Fängt man mit Silent Hunter III an und hat das fünf Jahre alte Spiel erstmal installiert, empfehlen sich zunächst die Tutorials, die einem die Steuerung, Navigation und den Kampf näher bringen soll. Unschön fällt gleich auf, dass man vor der Übungsmission aufgefordert wird, einige Absätze Text zu lesen, den man später in der Übung zur Anwendung bringen soll. Selbst im Jahr 2005 war das Wälzen dicker Handbücher passé und man hätte den Text zumindest in die Tutorials integrieren können. Es sind zwar Videos vorhanden, doch die sind außerhalb des Spieles mit dem Mediaplayer zu betrachten – zumindest ist das mit Windows 7 so. Daher findet während den eigentlichen Tutorien keinerlei Hilfe zur Spielführung statt. Auch darf man sich schon einmal daran gewöhnen, dass weder Teilerfolge noch Komplettierung der Mission in irgendeiner Form angezeigt werden und man stets nach den Aktionen in den Missionszielen nachsehen darf bzw. was noch schlimmer ist, die Mission ohne Hinweis selbst  abbrechen darf und sie gegebenenfalls trotz erfüllter Teilziele fehlgeschlagen ist. Diese Bedienung darf man erst mühsam selbst herausfinden.

Vom Vorspulen der Langeweile auf dem Boot

Nichts desto trotz wagt man sich nun in die Kampagne und wird die Karriere eines U-Boot-Kapitäns im zweiten Weltkrieg nachempfinden. Dabei wird bewusst auf eine actionreiche WASD-Steuerung verzichtet und man darf realistisch das Boot mit Befehlen durch die Weltmeere navigieren. Entweder regelt man manuell Richtung und Geschwindigkeit oder man zeichnet auf der Karte einen Kurs und lässt den Offizier den Rest machen. Vorher wird natürlich im Hafen die richtige Mannschaft zusammengekratzt und das Boot ausgerüstet. Nachdem die ersten Missionen lediglich Patrouillen sind, erfüllt man diese genügsam, in der Hoffnung, dass später noch spannendere und abwechslungsreichere Aufgaben folgen. Doch nach der x-ten Kaffeefahrt stellt man enttäuscht fest, dass jede Mission aus dem Erreichen eines Planquadrates auf der Karte und dem 24-stündigen Herumschippern dort besteht. Um die maßstabsgetreuen Entfernungen zu überwinden kann man die Zeit auf ein bis zu 1024-faches beschleunigen, was auf langen Strecken oft noch zu wenig ist. Das verleitet einen dazu, mal eben schnell aufs Klo zu gehen und Gefahr zu laufen, einen Abwechslung bringenden Feindkontakt zu verpassen, daher wurde der Zeitraffer in Silent Hunter IV auf das bis zu 8000-fache aufgestockt. Hier aber darf man erst wieder ewig in den heimischen Hafen zurück fahren, während bei Teil 3 die Mission nach Erreichen der Ziele endet. Das ist wohl der Preis des schnelleren Vorspulens.

Kampf und Krampf mit dem U-Boot

Auf der Tour durch endlose Weiten trifft man hin und wieder entweder auf wehrlose Opfer, wie Handelsschiffe, oder unangreifbare Zerstörer, die man höchstens mit viel Glück versenkt. Da man möglichst viel gegnerische Tonnage versenken möchte, verschwendet man kein Torpedo an den zickzack-fahrenden Kriegsschiffen, sondern weicht diesen aus und ballert die anspruchslosen Opfer gegebenenfalls auch einfach aufgetaucht mit der Kanone auf Deck ab. Wenn man alle Schaltjahre dann doch auf einen Konvoi aus Handels- und Kriegsschiffen stößt, versenkt man schnell einige Opfer, bevor die Eskorte von Zerstörern das Boot jagt und wir gelangweilt in vielen Metern Tiefe auf Schleichfahrt gehen, bis sie von einem ablassen und die endlose Reise zum Planquadraten fortsetzt werden kann.

Alles neu macht der Nachfolger?

Silent Hunter IV selbst weist wenige, wenn überhaupt nur kosmetische, Änderungen auf. Der eben beschriebene Kampf zumindest ist identisch. Das Szenario ist nun der Seekampf zwischen USA und Japan im Pazifik, das Interface leicht verändert und die langweiligen Patrouillenmissionen sinnvollerweise mit einigen “seek-and-destroy”-Aufgaben ergänzt. Auch hier lassen sich realistische und spielerschwerende Elemente zu- und abschalten, wobei in beiden Spielen die meisten davon auch das Spielerlebnis einschränken. Die freie Außensicht mit schöner 3D-Grafik ist zwar ein großer Vorteil für Kampf und Navigation, jedoch möchte man hier vielleicht auch nicht auf den Torpedoeinschlag aus der Nähe verzichten.

Fazit

Auch wenn Silent Hunter 5 bereits längst seit letztem Frühling auf dem Markt ist, lohnt sich dieses Doppelpack der beiden Vorgänger. Bei einer U-Boot-Schleichfahrt macht nicht eine überdimensionierte Grafik den Charme aus, sondern auch das detailgetreue Gameplay. Auch ergänzen sich beide Szenarien gut, die bestens nacheinander spielbar sind. Ubisoft hat mit Silent Hunter III zunächst ein schönes Spiel mit realistischer Atmosphäre geschaffen, aber vergessen, es mit Inhalt zu füllen. Ereignisreichere Missionen hätten das Spiel zur gelungenen U-Boot-Simulation gemacht. Stattdessen lieferte man Silent Hunter IV, wobei der Charme dem Inhalt ein wenig weichen musste. Daher ist Teil 3 die bessere Simulation und Teil 4 die bessere U-Boot-Action. Ob nun Teil 5 von Silent Hunter beides vereint, ist aber ebenso Geschmacksache und Thema eines anderen Reviews.
Grafik
87%
Sound
89%
Gameplay
79%
Steuerung
85%

Gesamtwertung

85%

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