Spieletest: Saints Row 2

1906 0 1 21. Februar 2009
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Titel:Saints Row 2
EAN:4005209113250
System:Windows XP
USK:Freigegeben ab 18 Jahren
Label:THQ Entertainment GmbH
Release:2009-06-30

Viele Spiele haben versucht, das GTA-Konzept zu kopieren, nur wenigen ist etwas so Unterhaltsames gelungen wie dem Entwicklerteam Volition mit Saints Row. Zwei Jahre nach dem ersten Teil wird der Spieler wieder in die fiktive US-Metropole Stilwater geschickt – Bandenkriege, maßlose Gewalt und abgedrehter Humor inklusive.Und wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, selbst auch ein Teil dieser Szenerie zu werden – mit “Saints Row 2″…

Der kleine Bruder von GTA?

Das Ende von Saints Row ist unserem – je nach Spielerwunsch weiblichen oder männlichen – Helden nicht sonderlich gut bekommen: Schwere Verletzungen und vollkommene Bewusstlosigkeit waren die Folge des wilden Gangsterlebens. Als der “Held” nach jahrelangem Koma zu Beginn von Saints Row 2 wieder erwacht, findet er sich nicht nur im Polizei-Krankenhaus wieder, auch die Erinnerung kehrt erst allmählich zurück. Trotzdem fackelt er nicht lange und flieht umgehend. Die Flucht dient dem Spieler einerseits als Tutorial, andererseits als Vorgeschmack auf das, was ihn in den nächsten Stunden erwartet. Schon in den ersten Szenen nämlich dürfen Türen aufgetreten, Nahkampf-Kombos probiert, Maschinengewehre benutzt oder gar von einem Boot aus Helikopter abgeschossen werden.

Ist die Flucht geglückt, fangen die Probleme erst richtig an: Die eigene Gang existiert nicht mehr, die Machtverhältnisse im Ghetto haben sich verschoben, und überhaupt: Wirklichen Respekt bringt einem auch keiner mehr entgegen. Was folgt, ist das typische Gameplay eines Actionspiels in frei begehbarer Großstadt: neue Klamotten besorgen, erste Missionen erfüllen, die eigene Gang wieder aufbauen und nach und nach neuerlich Respekt und Achtung verdienen.

Gebt mir einen Untersatz, ich fahren ihn!

Inhaltlich ist Saints Row 2 erneut fast eine 1:1-Kopie von GTA IV. Egal ob Auto oder Boot, Truck oder Motorrad: Jedes herumstehende Vehikel lässt sich kapern und fahren, eine Minikarte am unteren Bildschirmrand weist durch die Großstadt und markiert Feinde sowie Aufträge. Die Missionen laufen meist nach dem Schema “Haus stürmen, alle Feinde erschießen, nächstes Haus stürmen” ab. Auch vieles andere ist vom Genre-Primus bekannt. Neben Autos gibt es Boote und Helikopter zu steuern, zahllose Minispiele und “Freizeitmöglichkeiten” wie Straßenrennen bieten Ablenkung abseits der Hauptstory, die abwechslungsreiche Musik sorgt fürs passende Flair. Wie schon in Teil 1 begnügt sich Saints Row 2 allerdings nicht mit plattem Abkupfern. Das Spiel ist weit davon entfernt, die epische Breite eines GTA 4 zu erreichen, versucht dafür aber, an anderer Stelle zu punkten

So ist die Action durchweg überspitzt inszeniert. Saints Row 2 will nicht mit Realismus, sondern mit Feuerbällen und wüsten Ballereien beeindrucken. Wenn der Spieler einen NPC an der Theke dumm anquatscht, muss er eben damit rechnen, eine Flasche ins Gesicht, einen Hocker über den Kopf und wüsteste Beschimpfungen um die Ohren gepfeffert zu bekommen. Es gibt explodierende Autos und rekordverdächtige Unfälle, andauernde Feuergefechte und wilde Zerstörungsorgien. Saints Row 2 wirkt über weite Strecken wie ein völlig überdrehter Actionfilm.

I’m on a mission

Ein anderer Schwerpunkt sind die zahllosen Möglichkeiten zur Personalisierung: Schon das virtuelle Alter Ego darf in Geschlecht, Körperumfang und Rasse frei gewählt werden, später warten Bekleidungs-, Tattoo- und Schmuck-Optionen auf den Helden und seine Gang. Das hat zwar spielerisch kaum Auswirkungen, gestaltet sich aber durchaus unterhaltsam. Richtig gelungen ist zudem der Multiplayer-Part: Dank Online-Koop-Modus darf die zwar stereotype, aufgrund der gelungenen englischen Sprachausgabe aber gut zu verfolgende Geschichte auch zu zweit durchgespielt werden. Für mehr Teilnehmer warten größere Gang-Gefechte. Technisch präsentiert sich Saints Row 2 stellenweise so, als hätten die Entwickler noch ein paar Wochen mehr Feinschliff investieren sollen. Die frei begehbare Stadt wirkt stimmig, aber detailarm. Die Kamera versperrt öfter die Sicht und diverse Clipping-Fehler und fragwürdige Kollisionsabfragen drücken die Stimmung ein wenig.

Die 40 ebenso kreativen wie actionreichen Story-Missionen setzen durch gut geschnittene Zwischensequenzen vor allem wegen der hervorragenden Animationen und passenden Sprecher noch eins drauf. Allerhand Gangster-Klischees, der derbe Humor und die irren Nebenfiguren unterhalten dabei bestens.
Zudem schickt Sie das Programm von einem Aha-Moment in den nächsten: So jagen Sie auf dem Uni-Campus verfeindete Drogendealer, ballern in der Innenstadt auf tieffliegende Helikopter, infiltrieren als Techniker verkleidet das Polizeipräsidium oder legen sich in einer Fleischfabrik mit dem durchgeknallten Voodoo-Priester Mr. Sunshine an.
Ärgerlich: Wer in den teils langen Missionen unfreiwillig das Zeitliche segnet, muss mangels vernünftig platzierter Speicherpunkte lange Abschnitte erneut spielen. Das nervt doppelt, weil Sie oft minutenlang dasselbe tun, etwa Ihre KI-gesteuerte Freundin Shaunti vor anstürmenden Junkies beschützen.

Fazit

Saints Row 2 macht Spaß. Aber einige Patzer in Sachen KI und Grafik mindern diesen Spaß doch etwas. Und den Vergleich mit dem "großen Bruder" GTAIV kann Saints Row nicht standhalten. Alles in allem muss man sagen, deutliche Verbesserungen zu Teil 1, aber noch nicht genug
Grafik
65%
Sound
75%
Gameplay
85%
Steuerung
65%

Gesamtwertung

75%

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