Spieletest: Pineview Drive (PC)

6221 0 1 6. Oktober 2014
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Ob im Beisein eurer Partygäste oder zweier Kerzen: Survival-Horror sorgt für Nervenkitzel und Kneifspuren im Oberschenkel eurer Sitznachbarn. Ob eine Nervenheilanstalt, ein alter, verfluchter Wald oder, wie in diesem Beispiel, ein steinaltes Anwesen: Fans des Genres genießen die masochistischen Hetzjagden gegen das allgegenwärtige Böse. Sanfteren Gemütern könnte hingegen der totale Nervenzusammenbruch drohen. Standards an neue Horrorspiele sind hoch, denn mit der Zeit ist die Community schon einiges gewohnt. „Pineview Drive“ versucht, mit einer neuen Methode, jedem Spieler seinen ganz persönlichen Albtraum zu schneidern. Ob das klappt, wurde getestet. Windeln an und los!

Big Brother is watching

Bei einem Horrorspiel Angst zu haben, ist eine Sache. Wenn das Spiel weiß, dass du Angst hast, kann es unangenehm werden. In „Pineview Drive“ analysiert das Spiel aktiv das Verhalten des Spielers. Wenn ihr ruhig seit, weiß das Spiel bescheid. Wenn ihr panisch werdet, Gnade euch Gott. Auf dem riesigen Anwesen bleibt keine Aktion unbeobachtet. Und es bleibt viel Zeit, denn es gilt, 30 Tage zu überleben.

Ihr beginnt mit einer etwas verworrenen Cutscene, in der ihr ein Wesen im weißen Kleid durch einen finsteren Wald folgt oder flieht. Genauere Analyse bleibt verwährt, denn die Kameraführung scheint, als hätte man das Aufnahmegerät mit einem Seil an eine laufende Achterbahn gebunden. Nachdem das vorbei ist, findet ihr euch direkt vor dem „Pineview Drive“- Anwesen wieder. Im Monolog gibt es direkt eine knappe Backgroundstory im Monolog, der eure Anwesenheit erklärt. Vor 30 Jahren ist auf dem unheimlichen Anwesen eine Frau namens Linda Hops gegangen, zu der ihr eine enge Bindung hattet. So eng, dass euch nach 30 Jahren einfällt, sie zu suchen. Ihr macht euch also schnurstracks auf und steht mit eurem Wägelchen bald vor dem sporadisch zugeketteten Tor. Man sagt, dass die vorherigen Besitzer des Hauses es nie länger als 30 Tage dort ausgehalten haben. Das ist damit also auch euer Zeitrahmen, in dem das Rätsel gelöst werden muss. 30 Tage überleben und die Wahrheit ans Licht bringen.

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Schlüsseljagd mit Hindernissen

Bereits das Eingangstor wurde von unfreundlichen Vormietern eiskalt abgesperrt. Eine der Grundfragen des Spiels kommt nun zum ersten Mal in Aktion: Wo ist der Schlüssel? Denn in dem riesigen Herrenhaus gibt es eine Menge Türen. Alle abgeschlossen. Und der letzte Mieter hatte scheinbar vor seiner Flucht noch Zeit, jeden einzelnen Schlüssel woanders zu verstecken. Da aber jeder Schlüssel nur für seine ganz spezielle Tür passt muss erstmal nach dieser gesucht werden. Welche Tür aufgeschlossen wird, steht aber nirgendwo, was den Großteil der Spielzeit zu einer frustrierenden Suchaktion macht. Ziel jedes einzelnen Tages ist es, eine selbstgeschriebene Notiz zu finden, die Stück für Stück Aufschluss zur Story gibt. 30 Notizen also an der Zahl. Eine Karte gibt es in dem Spiel nicht, haltet ihr jedoch mit eurer Spielfigur still, wird er euch nach einiger Zeit einen Hinweis geben, wo ihr hinstapfen müsst.

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Buh!

Bei eurem Gruseltrip durch das Haus bekommt ihr eine gute Mischung aus atmosphärischem Horror und Jump Scares ab. Mit jedem einzelnen Tag werden die Attacken natürlich heftiger und ihr solltet darauf achten, dass eure Gesundheitsleiste nicht zu weit absinkt. Wer nicht im Dunkeln umherschleichen mag, findet immer wieder mal Streichhölzer oder Batterien für eine Taschenlampe, mit denen ihr aber gut haushalten solltet. Natürlich gibt es in dem Haus auch Lichtschalter, die aber nicht alle immer funktionieren. Dunkelheit hat in „Pineview Drive“ eine ganz besondere Rolle, denn euer Protagonist hat den Schlafrhythmus eines Teenagers in den Sommerferien. Beginnt ihr einen Tag, ist es zirka zwei Minuten lang hell, bevor es schlagartig duster wird. Und das bleibt dann auch so, denn ihr rennt teilweise bis 5 Uhr morgens im Haus rum. Dunkel bleibt‘s dann trotzdem, hell wird es erst wenn ihr einen neuen Tag begonnen habt.

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Und wenn ihr kein Licht mehr habt, ist es in dem Haus nicht einfach nur etwas schattig, ein wenig finster, es ist einfach zappenduster und ihr seht prakitsdch garnichts. Schaut also immer nach eurem Streichholzvorrat, denn ihr wollt nicht plötzlich im Dunkeln stehen, während ihr hinter euch etwas die Treppe runter steigen hört und dann quietschend die Tür zu eurem Korridor öffnet…

Grafik

Dunkel ist es im Pineview Drive, sehr dunkel. Da fällt es leicht, die ein oder andere matschige Textur in einer finsteren Ecke zu verstecken. Aber verstecken braucht sich die Grafik hier nicht. Im Gegenteil: „Pineview Drive“ sieht für ein Horrorspiel dieser Klasse nicht schlecht aus. Natürlich ist hier nicht von State-of-the-Art die Rede, teilweise wirken Details etwas grob, sowohl bei Texturen oder Models. Alles in allem bringt „Pineview Drive“ jedoch ein schönes Erscheinungsbild mit sich, es lohnt sich, hin und wieder das Licht anzumachen, auch wenn im ganzen Haus mehrere Kopien der selben Bilder hängen. Scheinbar hatten die Vorbesitzer ein Faible für Pferde und Omas.
Mit der guten Grafik kommt aber ein Problem, das manchen den Spielspaß etwas versalzen könnte. Denn das Spiel geht recht stark auf eure Hardware, selbst bei niedrigen Grafikeinstellungen läuft das Spiel nie wirklich flüssig. Grade bei der Suche nach Schlüsseln oder Notizen kann das ständige Nachhängen frustrieren.

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War da was?

Was aber bei der Bildrate fehlt, wird hier im Sound mehr als wett gemacht. Als ob die Musik einem nicht schon Gänsehaut verschafft, liefert das Anwesen euch eine SEHR einschüchternde Geräuschkulisse. Was stapft über mir grade den Korridor entlang? Woher kam grade das Kinderlachen? Hat grade jemand an der Tür geklingelt? Und wer hat mir da grade ins Ohr geflüstert? Von eurem ersten Schritt an ist klar, dass ihr im Haus nicht alleine seid. Und ständige Geräusche erinnern euch daran, auch wenn diese dazu neigen sich manchmal zu wiederholen.

Pro

Eine herrliche Soundkulisse

Eine gelungene Atmosphäre, die Neulingen und Veteranen zusetzen kann

Ordentliche Grafik

Contra

Ständige Schlüsselsuchen, Ausprobieren von Türen, Backtracking können frustrieren

Nicht ganz flüssige Darstellung selbst auf niedrigen Anforderungen

Teilweise wirklich sehr dunkel, was oft für Verwirrung sorgt

Fazit

"Pineview Drive" liefert, was es verspricht: Gnadenlosen Survivalhorror ohne Schnickschnack.
Grafik
72%
Sound
85%
Gameplay
69%
Steuerung
69%

Gesamtwertung

78%

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