Spieletest: Passing Pineview Forest (PC)

5592 0 0 11. Dezember 2014
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Horrorspiele sind momentan ein beliebtes Genre im Videospielbereich. Das vor kurzem veröffentlichte Alien: Isolation zeigt eindrucksvoll, wie atmosphärisch und stimmig der virtuelle Horror sein kann. „Passing Pineview Forest“ geht eher Richtung „Slenderman“ und versucht den Spieler mit subtilem Grusel das Fürchten zu lehren. Ob das gelingt, zeigen wir euch im Test

 

Nachtwanderung

Wir „erwachen“ auf einem  Waldweg und sollen einen Spaziergang durch den Wald machen. Dies sollte möglichst leise geschehen, damit „ES“ nicht auf uns aufmerksam wird. Damit hätten wir schon mal die Story von Passing Pineview Forest erklärt. Was genau der Sinn dahinter ist, können wir nicht wirklich sagen. Einziger Anhaltspunkt, was genau wir tun sollen, ist ein kleiner Textfetzen im Hauptmenü. Nun gut, Story brauchen wir auch nicht unbedingt. Vielleicht stimmt ja der Rest. Schließlich hat die Geschichte in Slenderman auch niemanden interessiert.

Im Vordergrund steht „Ohrenscheinlich“ die Soundkulisse. Und diese ist durchweg positiv und stimmig in Szene gesetzt. Hier ein lautes Glockenläuten, dort ein paar lachende Kinderstimmen, da ein rascheln im Busch oder eine knarrende Tür. Zu keinem Zeitpunkt lässt sich erahnen, was als nächstes passieren wird. Kommt da jetzt etwa irgendetwas aus dem Busch gehüpft und möchte uns an die Gurgel? Das Spiel weiß also, wann und wie es uns zu gruseln hat.

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Welche Geheimnisse verbergen sich im Wald von Pinewood?

 

Spazieren im Schneckentempo

Wir bewegen uns, nur mit einer Taschenlampe bewaffnet, zu Fuß durch den Wald. Dies geschieht allerdings so langsam, dass man zu jeder Sekunden gewollt ist, die Sprint-Taste zu drücken. Wie wir im Hauptmenü schon gesagt bekommen, sollten wir dies aber tunlichst vermeiden, da sonst „ES“ angelockt wird. Das Spiel bietet uns also eine Sprintfunktion an, betont aber im gleichen Moment, diese nicht zu benutzen. Der Sinn dahinter wird dadurch ad absurdem geführt.

Das alles wäre noch halbwegs zu verkraften, würde sich das Sprinten denn auch tatsächlich auf die Spielmechanik auswirken. Genau dies aber tut es nicht. Während unseres Tests tauchte besagter Verfolger völlig willkürlich auf. Egal ob wir permanent schleichen, rennen, die Taschenlampe an- oder aus haben. Nach unserem siebten Versuch sind wir einfach im Vollspurt Geradeaus gelaufen. Auswirkungen hatte das aber nicht. Zumindest konnten wir nichts bemerken. Manch einer denkt sich jetzt: „Also muss man die ganzen Sache mit Ruhe, Überlegung und Taktik angehen“.

Da uns keine anderen Möglichkeiten als „Laufen/Rennen/Taschenlampe“ angeboten werden, gibt es schlicht keine Taktik. Zumal es nicht nachvollziehbar ist, was genau jetzt verursacht hat, dass unsere Stalker der Meinung ist, zuzuschlagen. Als wäre das nicht schon schlimm genug, präsentiert sich der Level als geradliniger Schlauch ohne Interaktionsmöglichkeiten. Kurz um: Gehe geradeaus und sieh, wie weit du kommst.

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Während unseres Spaziergangs treffen wir auch auf diese kleine Kapelle

 

Mittendrin statt nur dabei

Passing Pineview Forest unterstützt die Oculus Rift-Hardware. Da wir zum Testzeitpunkt nur die 2D-Variante zur Verfügung hatten, können wir nur erahnen, wie sich das Spiel mit der VR-Brille anfühlt. Da On-Screen-Elemente wie etwa das HUD komplett fehlen, können wir uns gut vorstellen, dass dieses „Mittendrin“-Gefühl durchaus gut transportiert werden könnte. Grafisch reißt der Titel keine Bäume aus, für einen Indie Titel aber durchaus ok und der Atmosphäre dienlich. Die stark beschränkte Weitsicht sowie die schwachen Schatten trüben allerdings den Gesamteindruck. Auch die Farbpalette ist stark limitiert. Verschiedene Braun- und Grüntöne machen 95 Prozent des optischen Eindrucks aus. Ok…wir sind in einem Wald. Da ist halt alles braun und grün. Trotzdem hätten ein paar Lichteffekt dem optischen Eindruck gut getan. Zumal brauen Holzhütten samt braunen Tischen, Betten und Schränken einfach nicht schön aussehen. Positiv hingegen sind die recht detailreichen Texturen.

Passing Pineview Forest ist ein Mini-Prequel zum Hauptspiel Pineview Drive und kostenlose über Steam zu beziehen. Für Fans der Slenderman-Reihe könnte das Spiel durchaus interessant sein, allerdings hat man das Gefühl, das alles schon zu kennen. Die kaum vorhanden Spielmechanik und die Willkür, mit welche diese präsentiert wird, sind uns dennoch ein großer Dorn im Auge. In den ersten 10 Minuten sind 1-2 Schockmomente durchaus garantiert, danach wird der immer wieder gleiche Ablauf aber schnell langweilig. Man sollte also vorher mit dem Wissen herangehen, dass Passing Pineview Forest eher als netter Bonus für Kenner des Hauptspiels gemeint ist und nicht als eigenständiger Titel.

 

PRO

  • Dichte Atmosphäre
  • Tolles Sounddesign
  • Kostenlos

CONTRA

  • Triste Grafik
  • monotoner, kaum nachvollziehbarer Spielablauf
  • Fernab von laufen und rennen gibt’s nichts zu tun

 

Fazit

Gruseliger Waldspaziergang-Simulator mit dichter Atmosphäre und toller Soundkulisse, welcher durch seine Willkür, dem nicht nachvollziehbaren Spielablauf sowie trister Grafik allenfalls für Hardcorefans der Slenderman-Spiele interessant sein könnte. Alle anderen greifen lieber zum Hauptspiel oder gruseln sich bei "Amnesia: A Machine for Pigs" oder "Alien: Isolation".

Gesamtwertung

40%

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