Imperium Romanum

1727 0 3 24. September 2008
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Titel:Imperium Romanum
EAN:4260089411432
System:Windows 2000
USK:Freigegeben ab 6 Jahren
Label:Kalypso
Release:2008-02-21

Wir schreiben den 21. April 753 vor Christus. Zwei junge Männer, einst auf dem Tiber ausgesetzt, gründen nun am eben diesem eine neue Stadt – eine Stadt, die von der wohl niemand jemals erwarten konnte, dass sie zu einer der wichtigsten und einflussreichsten Städten aller Zeiten heranwachsen würde. Eine “ewige Stadt”, die Sitz für legendäre Feldherren, Diktatoren und Kaiser sein wird. Eine Stadt, deren Namen und Geschichte selbst noch nach über 2500 Jahre nach ihrer Gründung in Schulen gelehrt werden wird. Eine Stadt, aus der irgendwann einmal eines der größten Imperien aller Zeiten hervorgehen würde. Der Grundstein für diese eine Stadt – nein, viel mehr für eine ganze Epoche – wird an diesem Tag gelegt. Der Grundstein für das heilige römische Reich – das “Imperium Romanum”. Und nun besteht die Möglichkeit eben jene Geschichte des so populären Reiches nachzuspielen – im gleichnamigen Spiel.

“753 – Rom schlüpft aus dem Ei”

Das Spiel “Imperium Romanum” bietet nun also die Möglichkeit die Entstehung des römischen Reiches nachzuspielen bzw. aktiv zu gestalten. Doch beginnt man leider nicht mit der Gründung Roms, sondern erst gute 200 Jahre später. Doch bevor man anfängt zu spielen, sollte man sich dringend die beiden Tutorials angucken. Hier wird nämlich durch “Learning-By-Doing” sehr gut erklärt, wie man Gebäude baut, Produktionsketten errichtet und wie man seinen Bewohnern Arbeit verschafft. Auch das zweite Szenario, das Schlachtenszenario, erklärt sehr plausibel, wie man seine Soldaten in den Kampf schickt. Jedoch führt es einen nur in die Grundlagen des Spiels ein, so dass man sich im späteren Spiel manchmal Probleme hat, da man nicht genau weiß, warum die Bevölkerung gerade einen Aufstand macht oder sich vor dem Forum versammelt hat um ein paar milde Gaben zu fordern. Dazu muss man sich etwas näher in das elektronische Hilfehandbuch hineinlesen.

Hat man nun die Tutorials abgeschlossen, stehen einem drei verschiedene Spielmodi offen : Da wäre zunächst die Geschichtskampagne, in der man im Jahre 509 vor Christus in dem noch relativ kleinem Provinznest Rom ein paar Häuser baut, erstes Getreide anpflanzt und ein paar Altäre einrichtet. Dann kümmert man sich um die feindlichen Nachbarsbarbaren, die dem aufkeimenden Weltreich ein Dorn im Auge sind. Nachdem man das geschafft hat, folgen 15 weitere Missionen. So erlebt man zum Beispiel einen ersten Ausbruch des Vesuvs von Pompeji mit (jedoch nicht den Untergang der selbigen Stadt) und rüstet sich am Ende der Kampagne für den finalen Kampf gegen die bösen Barbaren. In diesen Geschichtsmissionen wird neben dem strategischem Aufbauspiel, das “Imperium Romanum” nun einmal sein soll, auch sehr schön die römische Geschichte durch Daten und Fakten erzählt. So lernt man einfach mal nebenbei noch etwas über das Antike Rom, den politischen Machtspielchen der damaligen Zeit und natürlich auch über die einfachen Leute und deren Lebensweise (zum Beispiel über die berühmten, römischen Aquädukte und ihre Nutzung). Neben der Geschichte Roms gibt es außerdem noch die “Rom-Szenarien”, in denen man in der großen, bereits blühenden Stadt Rom wichtige Ereignisse und Gebäude erlebt (so muss man zum Beispiel das Kolosseum nachbauen). Als letzten Spielmodus wären die “Szenarien” zu erwähnen, in denen man die 16 Geschichtsmissionen noch einmal ohne die Restriktionen der Gebäude (und ohne die Geschichtlichen Daten und Fakten) etwas verändert nachspielen kann.

Das Spiel wird eigentlich komplett mit der Maus gesteuert – was natürlich normal für ein Spiel dieses Genres ist. Doch fehlen leider die Shortcuts oder die Möglichkeit militärische Einheiten oder Gebäude den Ziffern zuzuordnen, wie es in eigentlich allen anderen Spielen üblich ist. Doch dies trübt den Spielfluss nur ein wenig.

“Ihr konntet euch gerade noch vor der wütenden Menge retten.”

Dies oder ähnliches werdet ihr leider ziemlich oft zu hören bekommen. Denn alle wünsche der gesamten Bevölkerung kostendeckend zu erfüllen, ist meist ziemlich schwierig. Am Anfang reichen ein bisschen Weizenbrei und etwas Fleisch um die Menschen der Stadt glücklich zu stellen. Dazu noch einen Holzfäller und einen Steinmetz, um den Nachschub für neue Gebäude, so wie die Instandhaltung der alten zu gewährleisten. Doch sobald man das Forum (was das Hauptgebäude des Spiels so wie eure Residenz darstellt) weiter ausbaut, wird auch das Volk anspruchsvoller. Auf einmal verlangen sie Wurst und Brot. Also baut man eine Metzgerei und einen Bäcker. Doch nun fehlen die Arbeiter dafür, da bisher alle Bewohner schon in den bereits bestehenden Gebäuden arbeiten. Also werden schnell ein paar neue Häuser gebaut, damit es wieder Arbeitskräfte im Land gibt. Doch dadurch erhöht sich die Bevölkerungszahl wieder und es wird mehr Fleisch und mehr Weizen benötigt – ein Teufelskreis, der ein gewisses Geschick im balancieren erfordert. Denn wenn man zu viele freie Arbeitsplätze hat, dann ist die Armut in einigen Familien so groß, dass diese zu Kriminellen werden, um sich ernähren zu können. Wollt ihr jedoch jedem einen Arbeitsplatz geben, dann dehnt sich eure Stadt aus und es gibt keine reine Wohngegenden mehr, in denen neben den Häusern und Brunnen sonst nur Altäre und Heiler zu finden sind. Dies wirkt sich wiederum auf die Gesamtstimmung des Volkes aus, welche bestimmt, ob neue Leute hinzuziehen und alte bleiben.

Grundsätzlich gibt es zwei “Arten” von Menschen in der Stadt : die Bürger und die Sklaven. Bürger arbeiten nur in Gebäuden und Leben in ihren Häusern – außerdem haben sie die bereits genannten Ansprüche. Sklaven hingegen haben nur einen Anspruch : nicht überfordert werden. Sie schleppen Tag für Tag Baumaterial zu Baustellen, Rohstoffe zum Lager und von dort zur Weiterverarbeitung und möchten dabei nur nicht überlastet sein – sonst gibt es einen Sklavenaufstand. Also muss man dafür sorgen, dass immer genug Sklaven für die vorhandene Arbeit zugegen sind. Dies erreicht man durch Ausbau des Forums oder durch errichten von Sklavenunterkünften – die jedoch einige Denari verschlingen. Wenn man diesen Balanceakt nicht vollbringen kann – dann kann man froh sein, wenn man sich gerade noch so vor der wütenden Menge retten konnte.

“Der Sieg ist euer, mein Herr !”

Eine Mission läuft immer nach dem gleichen Prinzip ab : ihr startet in einem mehr oder minder ausgebauten Dorf, dass ihr zu einer Metropole ausbauen sollt. Dazu “zieht” ihr immer Ereignistafeln, die euch entweder Zwischenaufgaben zuweisen (zum Beispiel : baut 4 Kasernen), euch positive Ereignisse bescheren (zum Beispiel : innerhalb der nächsten 10 Minuten verdoppelt sich die Weizenernte) oder euch Katastrophenberichte bringen (zum Beispiel : eine Flutwelle hat alle eure Gebäude am Strand vernichtet). Gewonnen hat man das Szenario, sobald man alle Tafeln erledigt hat. Dabei gibt es Tafeln, die man auf jeden Fall erledigen muss und Tafeln, die man auch verwerfen kann. Dabei wird man mit der Zeit in alle möglichen Gebäude eingeführt. Es gibt 8 Gebäudegruppen (wie Militärgebäude, Monumente oder öffentliche Gebäude) und insgesamt 51 Gebäude. Wenn man alle kennt und alle gebaut hat, darf man sich wohl zurecht “Herrscher über das römische Reich” nennen.

Das Gameplay an sich erinnert an eine Mischung aus Anno 1701 und Age of Empires. So hat jedes Bürgerhaus, ähnlich wie bei Anno, 3 Ausbaustufen. Produktionsketten sind in jedem Aufbauspiel Pflicht und auch die Gebäude an sich bieten nicht sehr viel Innovatives. Jedoch gibt es ein paar Sachen, die zumindest nicht allzu häufig vorkommen. So kann man zum Beispiel die Geschwindigkeit des Spiels versechsfachen, um so vor allem am Anfang nicht zu lange auf den Bau der Standartgebäude warten zu müssen. Dies kann man jedoch auch umgehen, indem man auf das gerade im Bau befindliche Gebäude klickt und dort den “sofort bauen” – Button drückt – das kostet zwar ein paar Denari, dafür muss man nicht warten, bis die benötigten Bauressourcen herangeschleppt wurden. Positiv fällt hier auch noch auf jeden Fall das Kampfsystem auf, das zwar sehr einfach ist, doch trotzdem Spaß macht. Dazu baut man zum Beispiel eine Bogenschützenkaserne. In jeder Kaserne werden maximal 36 Soldaten ausgebildet, die eine Einheit bilden. Nun kann man diese Einheit in verschiedenen Formationen durch die Karte schicken. Sobald sie auf ein Barbarendorf treffen, kann man die Einheit angreifen lassen. Von nun an hat man keine wirkliche Kontrolle mehr über sie, denn man kann allerhöchstens noch den Befehl für den Rückzug geben, woraufhin alle überlebenden Soldaten den Rückzug in die Stadt antreten. Ansonsten kämpfen sie selbstständig gegen die Barbaren. Entscheidend für den Sieg sind zwei Faktoren : einmal die Formation der Einheit (so sind die Bogenschützen in der Linienform besonders gut gegen die barbarischen Schwertkämpfer) und auf der anderen Seite die Moral der Einheit. Eine Einheit mit einer schlechten Moral wird weniger Schaden machen, wie eine Einheit mit einer guten. Je mehr Soldaten der eigenen Einheit sterben, desto schlechter ist die Moral. Außerdem kann man die Moral der gegnerischen Einheit auch noch durch zum Beispiel Sperrfeuer durch Bogenschützen dezimieren. Hat man dann die Schlacht gegen die barbarischen Krieger gewonnen, werden die eigenen Soldaten das Dorf der Feinde niederbrennen und dort gleich einen Außenposten für das eigene Reich errichten.

Funkel, funkel, kleiner Stern…

Grafisch gesehen ist “Imperium Romanum” zwar nicht Spitze, aber doch mit führend. Die Landschaften sind wunderschön und durch den stufenlosen Zoom und die frei schwenkbare Kamera ein Schmaus für die Augen. Wenn man sich etwas Zeit beim Siedeln nimmt, dann entdeckt man kleine Jungen, die mit einem Stock die ersten Schwertkämpfe austragen, Holzfäller, die gemütlich einen Baum fällen und fromme Bürger, die an einem Altar zu den Göttern beten. Am schönsten anzuschauen sind jedoch die Kämpfe mit den Barbaren : während sich die eigenen Schwertkämpfer einen Gegner suchen und sich ins Getümmel werfen, schießen die Bogenschützen von hinten ihre Pfeile auf den Gegner. Somit muss man sich nicht unbedingt Filme wie “Troja” angucken – die epischen Schlachten von heute finden am PC statt. Außerdem gibt es eine Tag/Nacht – Funktion. Nachts schlafen alle Bewohner der Stadt und niemand arbeitet. Außerdem ist bei Nacht so gut wie alles stockdunkel – nur das Forum erstrahlt hell im Schein der Fackeln.

Die Soundeffekte erinnern sehr stark an die “Age of Empires” – Reihe. Das Geräusch, wenn ein Haus fertig gestellt wird, die Musik, die bei “Gefahr” ertönt – Kenner der Reihe werden sich sofort wohl fühlen. Auch die Hintergrundmusik ist sehr schön und tut genau das, was man von ihr erwartet : sie fungiert im Hintergrund. Nicht nervend, nicht aufdringlich. So, wie Hintergrundmusik nun einmal sein soll.

Fazit

Viel Neues bietet "Imperium Romanum" eigentlich nicht. Abgesehen vom Kampfsystem ist alles schon mal irgendwie da gewesen. Doch noch niemals zusammen in einem Spiel. Das macht auch den gewissen Reiz des Spieles aus : alle guten Ideen werden in einen Topf geworfen, gut umgerührt und am Ende hat man eine wohlschmeckende Suppe aus den Aufbaustrategiespielen der letzten Jahre. Und dazu lernt man noch etwas über das antike Rom und seine Geschichte. Ein Spiel , das nicht nur für Liebhaber des Aufbaugenres zu empfehlen ist, denn hier bekommt man ein wirklich "sehr gutes" Spiel geliefert, das einen stundenlang fesseln wird.
Grafik
91%
Sound
85%
Gameplay
82%
Steuerung
84%

Gesamtwertung

85%

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