Spieletest: Gems of War (PC)

8030 0 0 4. Januar 2015
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Der Markt für mobile Spiele boomt seit der Einführung des Smartphones für den Massenmarkt. Stündlich werden die App-Stores mit Spielen geflutet. Nicht selten schaffen es einige mobile Titel auch auf den PC, wobei ein Großteil über Valve’s Plattform Steam veröffentlicht wird. So auch „Gems of War“ vom Entwickler Infinity Plus 2. Der Titel mischt das bekannte Prinzip von Bejeweled und lockert es mit RPG und Trading Card-Element auf. Ob der Titel überzeugen kann oder mit diesem Mix auf die Nase fällt, klären wir im unserem Test.

 

Candy Crush Saga für Männer

Das Prinzip hinter „Gems of War“ ist schnell erklärt. Im Spielfeld finden wir verschiedenfarbige Steine. Durch das tauschen benachbarter Steine versuchen wir eine Reihe aus drei oder mehr Steinen zu formen. Gelingt uns das, verschwindet die Reihe und die darüber liegende Reihe fällt ein Stockwerk tiefer. In „Gems of War“ aber weht ein etwas anderer Wind. Während wir in Bejeweled Punkte durch das Lösen von Ketten bekommen, sammeln wir in „Gems of War“ Mana. Haben wir genug Mana gesammelt, dürfen wir eine Spezialfertigkeit benutzen und unserem Gegner Schaden zufügen. Aber Moment Mal! Mana, Spezialfähigkeiten, Gegner, Schaden? Wir sind doch in keinem Rollenspiel!

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Und ob! „Gems of War“ ist im Kern ein Bejeweled-Klon, mischt das Ganze aber mit Elementen aus Rollenspielen und Trading Card-Games wie etwa „Magic: The Gathering“ oder „Hearthstone“. Im Verlauf des Spiels sammeln wir allerhand Karten, sogenannte „Troops“. Diese symbolisieren Einheiten wie etwa einen Ritter oder ein mächtiges Baumwesen. Jede Karte besitzt zudem eine einzigartige Fähigkeit, die wir im Verlaufe einer Partie benutzen können. Vorausgesetzt, wir haben genug Mana gesammelt. Das Sammeln geschieht in traditioneller Bejeweled oder Candy Crush Saga-Manier. Dabei gibt es sieben verschiedene Steine auf dem Spielfeld. Lösen wir eine Dreier-Kette, erhalten wir Mana für eine unserer Truppen. Haben wir genug davon gesammelt, können wir auf Abruf eine der Spezialfähigkeiten auslösen. Neben den Elementen wie etwa Feuer oder Wasser finden wir im Spielfeld auch Totenkopfsymbole. Reihen wir hiervon drei aneinander, fügen wir unserem Gegner Schaden zu. Der Schaden bestimmt sich durch den Kampfwert unserer Karte, ganz nach dem Kartenprinzip von „Hearthstone“. Durch die Truppenkarten, Waffen für unseren Helden sowie die verschiedenen Fähigkeiten unserer Kämpfer kommt sogar ein wenig Taktik ins Spiel und bietet einige coole Combos.

„Gems of War“ besteht allerdings nicht nur aus einer zusammenhangslosen Partie. Das Spiel liefert eine Story, die allerdings getrost ignoriert werden kann. Sie dient lediglich dazu, das Spiel weiter voranzutreiben. Nach dem Tutorial finden wir uns auf einer Weltkarte wieder, die aus verschiedenen Königreichen besteht. Jedes Königreich liefert und Quests und Herausforderungen, die wir nach und nach abarbeiten. Zudem liefert jedes Reich täglich Gold, welches wir zum Kampf benötigen oder in Eisenschlüssel investieren können. Damit können wir Booster-Packs öffnen, die 3 verschiedene „Troops“-Karten beinhalten. Neben der Handlung gibt es noch einen PVP-Modus, Guilden, Charaktererstellung, Truppentraining und Level Aufstiege.

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Mühsam ernährt sich der Anführer

Das Alles wirkt auf den ersten Blick durchaus positiv, aber wie so oft gibt es kleinere Schnitzer, die den Gesamteindruck ein wenig schmälert.  Zwar gibt es massig Quests, die es zu bewältigen gilt, allerdings spielt sich jede Aufgabe gleich, nämlich “Besiege den Gegner”. Ein wenig Abwechslung hätten wir uns schon gewünscht. Gleiches gilt auch für die Herausforderungen. In fünf Schwierigkeitsstufen spielen wir gegen die immer gleichen Monster und grinden uns so wichtige Seelensteine zusammen. Diese sind für das aufleveln unserer Truppenkarten zwingend notwendig. Und hier stehen wir vor dem nächsten Problem.

Wir können unsere Truppenkarten aufwerten. Diese geschieht mit angesprochenen Seelensteinen, die wir nach jedem Kampf erhalten. Pro zerstörte Karte des Gegners erhalten wir einen Stein, maximal Vier pro Runde. Kostet das aufwerten Anfangs 10 steine, benötigt eine Level 4 Karte schon 50 der glitzernden Brocken. Wer also mehrere Karten gleichzeitig levelt, ist schnell pleite und muss sich mühsam durch jede Challenge kloppen. Im späteren Verlauf sind die Karten des Gegners so stark, das wir mit Level 4 Karten keine Chance mehr haben und quasi gezwungen sind, diese Herausforderungen mühsam abzuarbeiten. Wir können Karten auch entzaubern, erhalten hier aber vergleichweise wenig steine. Und mal ehrlich…wer entzaubert schon gerne seine hart erarbeiteten Karten!

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Eine weiterer Kritikpunkt ist die Ressoruce Gold, denn jede Quest ist mit einem Eintrittsgeld versehen. Und das sind nicht selten 60 Gold pro Questabschnitt. Besteht solche eine Quest aus Vier Abschnitten, sind wir so schon mal schnell 240 Gold los. pro Sieg erhalten wir aber nur gut die Hälfte zurück. Verlieren wir einen Kampf, ist das Geld futsch und wir müssen erneut in die Tasche greifen. Glücklicherweise erwirtschaften unsere Königreiche pro Tag (in Echtzeit) eine bestimmte Anzahl an Münzen, die wir durch einfaches anklicken auf unser Konto gutschreiben dürfen. Zusätzlich zu jedem Königreich dürfen wir uns eine Hauptstadt aussuchen, die zusätzlich bis zu 500 Gold pro Tag produziert. PVP-Gefechte sind in der Regel ein wenig teurer als PVE-Scharmützel, werfen dabei aber mehr Gold als Belohnung ab. Wer sich täglich einloggt, bekommt zusätzlich Gold gutgeschrieben und darf pro Tagesboni auf noch mehr Gold zurückgreifen. Auf der höchsten Stufe sind das satte 300 Bonusmünzen. Und um die ganze Sache noch ein wenig abzurunden, gibt’s je nach Guildenstufe noch einen kleinen Obolus.

 

Hearthstone lässt Grüßen

Anfangs stehen intensiv-Spieler also mit leeren Taschen dar. Wer sich aber zeitnah ein paar Königreiche sichert und den PvP-Modus besucht, wird dank der vielen kleinen Boni ein reicher Mann bzw. Frau sein und muss sich fortan keine Gedanken mehr über Motten im Geldbeutel machen. Das Free2Play-Model geht im Großen und Ganzen in Ordnung, ein wirkliches Pay2Win-Gefühl kommt nie auf. Trotzdem sind die Echtgeld-Items eine Spur zu teuer. Ein Magischer Schlüssel kostet umgerechnet 2,30 €. Für Drei Karten (1x garantiert „Ultra-Rare“) ist das schon eine staatliche Summe. Trotzdem geht das System in Ordnung, da wir nach wenigen Stunden schon so viel Gold besitzen, dass wir pro Tag ein Booster-Pack kaufen können.

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Der Rest ist grundsolide. Die Grafik geht völlig in Ordnung, die Effekt sind dem Spiel entsprechend. Sogar der Soundtrack hat seine guten Momente und vermittelt in den Gefechten ein kleines bisschen „epischen“ Grundton. Sprachausgabe gibt es bis auf kleine Fetzen unseres Charakters keine, ist aber auch nicht zwingend notwendig. Leider wurde hier schon etwas dreist von Blizzards großem Vorbild geklaut. Haben wir einen Kampf gewonnen, werden wir mit einem fast identischem „Victory“-Bildschirm belohnt inklusive 1:1-Kopie des Jubels und Feuerwerk.

„Gems of War“ ist letztendlich ein Spiel, welches primär für Gelegenheitsspieler entwickelt wurde. Anhand des Echtgeld-Shops und der teils derben Preise merkt man dem Titel seinen Ursprung als Mobile Game an. Trotzdem ist der PC-Port gut gelungen, das Kartensammeln macht Laune und sorgt für Motivation. Kleine Gimmicks wie Leaderboards und Guildenupgrades runden den guten Gesamteindruck ab. Fans von „Bejeweled“ und „Puzzle Quest“ können bedenkenlos zugreifen. Fans von Hardcore Trading Card-Games wie „Hearthstone“, „Magic“ oder „Infinity Wars“ vermissen ein wenig taktischen Tiefgang, dürfen aber trotzdem gerne einen Blick wagen.

PRO-CONTRA

 

 

Fazit

Toller Mix aus Sammelkarten und Bejeweled, welcher ein wenig an seinen Mobilegame-Wurzeln krankt. Wer einen Blick über den Tellerrand wagt, der bekommt ein Grundsolides Puzzle-RPG mit Suchtfaktor geboten. Auch Core-Gamer sollten dem Titel eine Chance geben. Wer also Lust auf etwas Abwechslung vom Bejeweled/Hearthstone-Alltag hat, ist hier an der genau richtigen Stelle.
Grafik
70%
Sound
65%
Gameplay
90%
Steuerung
70%

Gesamtwertung

75%

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