Spieletest: Final Fantasy VIII (PC)

4094 0 1 22. Januar 2014
Gefällt mir!

Titel:Final Fantasy VIII - Platinum
EAN:0711719858522
System:PlayStation
USK:Freigegeben ab 12 Jahren
Label:Squaresoft
Release:2006-02-06

Final Fantasy…

…allein diese zwei Worte lassen einen jeden RPG-Fan das Herz bis zum Anschlag pumpen. Wenn dann noch eine neue Zahl dahinter steht, dann rennen wir alle zum Spieledealer unseres Vertrauens und kaufen es – egal zu welchem Preis und trotz der Tatsache, dass es fast immer binnen weniger Monate eine Platinum-Version gibt, die gut die Hälfte billiger ist. Und: Ja wir kaufen die „streng limitierte“, „super seltene“, „absolut epische“ special, limited Edition mit diversen Zusatzinhalten, Gimmicks und Fandom Artikeln, auch wenn diese 2-3 mal soviel kostet wie das schnöde Spiel allein. Und selbst wenn nur eine hübschere Verpackung sich als „limited Edition“ präsentierte: Wir würden auch diese kaufen! Das Phänomen „Final Fantasy“ besteht aus einem ganz simplen Rezept: Eine tiefe, emotionale Story, ein komplexes, jedoch leicht zu lernendes Kampf- und Belohnungssystem und wiederkehrende serielle Elemente, die sich durch mehr oder minder alle Teile gleichermaßen ziehen. Hinzu kommen noch immer für den Stand der Dinge bahnbrechende Grafik und ein zumeist fantastischer Soundtrack. Hierbei soll all denjenigen armen Seelen, die noch kein „Final Fantasy“ Spiel gespielt haben erklärt sein, dass die Spiele mit fortlaufender Nummer nicht aufeinander basieren. Es handelt sich also nicht um ein mehrteiliges Spiel, sondern um eine mehrteilige Reihe von Spielen, die durch ihre seriellen Elemente verknüpft sind und nicht durch den Inhalt. Erst ab der Compilation zu „Final Fantasy VII“ (PS1) wurden mehr Spiele um eine Kerngeschichte herum aufgebaut, diese tragen dann aber keine weiterführende Nummer, sondern tragen den Namen des Hauptspiels plus Zusatz.

Mittlerweile umfasst die Reihe „Final Fantasy“ 14 Hauptspiele (das 15. erscheint dieses Jahr für die PS4), diverse Ablegerspiele sowie Bücher und Filme, wobei grundsätzlich „Square Enix“ immer die Hand über diese Marke hat.

Übersicht FFVIII

„Final Fantasy VIII“ – von den Fans liebevoll FFVIII genannt – erschien 1999 für die PlayStation und hat sich bis heute mit über 8 Millionen (!!) mal verkauft. Damit ist es das 2. erfolgreichste Final Fantasy Spiel aller Zeiten. Auf 4 CDs (ja…CD!) kämpfte sich die Truppe um den jungen Kadetten Squall durch eine Welt voller Monster, politischer und persönlicher Intrigen, Hexerei und Krieg, in denen es um nichts anderes geht als um die Rettung bzw. Vernichtung der Welt. Und hierbei griff – damals noch Squaresoft – weit zurück in die Vergangenheit des Geschichtenerzählens, um einen Bösewicht zu finden die wir alle aus unserer Kindheit noch kennen: die böse Hexe.

Seit Kurzem gibt es “Final Fantasy VIII” nun auch als Steam-Download, in der digital remastered Version, die wir für euch getestet haben. Grafisch zwar kein absolutes Misterwerk, sind die Hintergründe doch immer noch recht verpixelt, dafür sind die Spielfiguren hervorragend überarbeitet worden.

Balamb Garden

Held der Geschichte ist der 17 Jährige Squall Leonhart (dem wir aber auch einen eigenen, neuen Namen geben können), der als Kadett in der Militärschule Balamb-Garden kurz vor seiner Abschlussprüfung steht. Wenn er diese Prüfung besteht, wird er ein voller SEED, der Elite-Söldnertruppe des Garden, die für verschiedenste Missionen von den unterschiedlichen Kunden angeheuert werden. Als Söldner machen sie alles, wofür man sie bezahlt: Personenschutz, Sicherheitsdienste, Spionage, Aufklärungsmissionen und Attentate.

Um für diese Aufgaben gewappnet zu sein werden die Kadetten eines Garden (es gibt mehrere), im Kampf sowie in der Magie unterrichtet und ihnen stehen die sog. Guardian Forces kurz G.F. zur Seite. Das sind mächtige Elementar Wesen, die nicht nur dem Kämpfer Status-Boni und spezielle Passiv-Boni geben, sondern auch im Kampf gerufen werden können. Hierbei beschützen sie den Helden der sie rief solange, bis sie ihre Attacke ausführen können. Mit diesen Kräften haben es die SEED und die Spezialeinheiten anderer Garden geschafft weltweit an die Spitze des Militärs zu rücken, was sie einerseits zu wichtigen politischen Verbündeten, aber auch zur Zielscheibe feindlicher Nationen macht.

Die erste Mission

Um sich für die Abschlussprüfung zu qualifizieren muss Squall sein erstes, ungezähmtes G.F. besiegen und sich so seine Macht zu Nutze machen. Da ein solches Monster nicht ohne weiteres von einem Schüler bezwungen werden kann, steht ihm seine Lehrerin Quistis Trepe und 2 bereits gebundene G.F. zur Seite. Auf dem Weg zu Ifrit, so der Name des ungezähmten G.F., erfährt man mehr über die Welt in der sich FFVIII abspielt und was auf Squall als SEED zukommt. Quistis, obwohl kaum älter als er, ist bereits SEED und demnach mit ihrer Peitsche und ihrem G.F. Shiva recht begabt, weshalb sich die erste Mission als Kinderspiel herausstellt. Als größte Gefahr in der Feuergrotte stellen sich eigentlich nur Quistis Annäherungsversuche an Squall dar…

Die Abschlussprüfung aber, in der fast jede Entscheidung, die man während der Mission trifft, direkten Einfluss auf eure Endergebnisse und damit euren Anfangssold haben, ist um Längen anspruchsvoller.

Cifer

Ein guter Held hat natürlich einen Gegenpart. Squalls ewiger Rivale und Antagonist ist Cifer der, wie Squall selbst mit einer Gunblade kämpft. In der Anfangssequenz des Spiels kämpfen die Beiden gegeneinander und verletzen sich dadurch jeweils an der Stirn, wodurch sie ihre charakteristischen Narben erhielten. Während sich Squall aber als streberhafter Musterschüler hauptsächlich mit sich selbst und seinem Training beschäftigt, hat es der ewige Sitzenbleiber und Störenfried Cifer nicht ganz so leicht. Da er schon mehrmals durch die Abschlussprüfung gerasselt ist und auch in Trainingskämpfen nicht davor zurückschreckt seine Partner zu verletzten gilt diese letzte Prüfung auch als seine letzte Chance am Balamb Garden zu bleiben. Sollte er auch dieses Mal Mist bauen, so würde er unehrenhaft und ohne Abschluss von der Schule fliegen. Unglücklicherweise werden gerade die beiden zusammen mit dem etwas energischen Faustkämpfer Xell in einem Team zur Abschlussprüfung geschickt. Diese besteht in einer reellen Mission, in der es darum geht eine vom Feind besetzte Stadt zu befreien und strategisch wichtige Punkte zu sichern. Cifer wird dieses „Sichern“ jedoch schnell zu langweilig und er stürmt los, um sich an der Front zu beweisen. Als seine Untergebenen müssen Xell und Squall ihm folgen, was zu einer Eskalation führt, die die halbe Stadt vernichtet…

SEED

Wie sollte es anders sein: Squall, Xell und Selphie (die später zur Mission dazukam) bestehen die Prüfung, werden SEED und – je nachdem wie ihr euch bei der Mission geschlagen habt – mit Lob und Ehren und einem guten Sold (der nach einer bestimmten Anzahl an Schritten automatisch gutgeschrieben wird) belohnt. Cifer jedoch hat wieder versagt…

Auf dem Ball der zu Ehren der neuen SEED gegeben wird lernt Squall Rinoa kennen, eine junge, mysteriöse Frau die zuvor oft mit dem Direktor der Schule gesehen worden war. Jedoch was genau sie im Balamb Garden zu suchen hatte wird erst bei Squalls erster, echten SEED Mission klar: Er soll die Rebellenorganisation Waldeule, deren Anführerin Rinoa ist, bei einem Anschlag auf die Galbadianische Botschafterin Edea unterstützen.

FFVIII

Bei dieser ersten Mission bleibt es aber nicht. Es folgen noch mehr Aufgaben zusammen mit Rinoa und den Waldeulen. Es folgen unerwartete Kämpfe, neue Gegner, alte Feinde, Geheimnisse werden enthüllt und es bricht ein neuer Krieg aus, der das Gesicht der Welt für immer verändern wird. Die Gruppe um Squall wächst mit jedem Spielabschnitt und ihr Abenteuer führt sie quer über den Globus in versteckte Regionen, uralte Tempel und in eine Sci-Fi Stadt, deren Technologie augenscheinlich eher aus dem „Final Fantasy 13“ (PS3) Universum stammt, als aus dem 1999 erschienenen 8. Teil. Es werden Wüsten durchquert, es wird gefahren, geflogen und sogar in den Weltraum reist man mit dem Spaceship Ragnarök.

Zudem entwickeln sich die Charaktere und vor allem Squall bricht seine Hülle aus Kälte und Unnahbarkeit auf und zeigt sein wahres Gesicht. Was ein typisches Element der Final Fantasy Reihe ist wird im 8. Teil zu seiner Höchstform ausgebaut, nämlich das verschleiern des eigentlichen Feindes. Während man zu Beginn ganz klar Edea als Feind sieht, entwickelt sich im Verlauf der Geschichte eine Wendung nach der anderen, an deren Ende nichts mehr so ist, wie es zu Beginn schien und man wird sich zwangsweise Fragen: Stehe ich auf der richtigen Seite?

Das ist Final Fantasy.

Gameplay

Weg von der Handlung – darüber können (und werden!) ganze Seminare an Universitäten gehalten. „Final Fantasy VIII“ ist ein klassisches rundenbasiertes Rollenspiel, in dem jeder Charakter für ihn individuelle Fähigkeiten, Stärken und Schwächen hat. Der Handlungsbalken, also die Zeit bis zur nächsten Aktion kann hierbei auf „aktiv“ also Echtzeit oder „warten“ gestellt werden. Je nach Spieler kann so die Geschwindigkeit im Kampf angepasst werden.

Neben den normalen physischen Attacken gibt es natürlich wie in jedem guten RPG auch Zauber. Diese werden im Spiel nicht durch MP (Magiepunkte) oder der gleichen betrieben, sondern sie werden Stückweise vom Gegner gezogen, was sich im Spiel „Draw“ nennt. Dies war zu der damaligen Zeit Revolutionär, da bis dato Zauber fest mit einem Verbrauch von magischer Kraft einhergingen und auch nur bestimmte Charaktere zaubern konnten. Zwar hat sich Squaresoft schon im 7. Teil von dieser strengen Charakterrollendogmatik gelöst, doch erst im 8. Teil der Reihe konnte man ohne Magie Zauber wirken. Dieses barg natürlich eine Hülle neuer Möglichkeiten. Die wichtigste davon ist das sog. „Koppeln“. Hierbei werden Zauber mit einem Parameter gekoppelt, was dazu führt, dass der Parameter steigt. Je mehr von einem Zauber vorhanden sind (maximal 99) und je mächtiger der Zauber ist (der effektivste Zauber ist mal wieder Ultima), desto höher steigt der Parameter. Dies klingt natürlich im ersten Moment phänomenal, da man schon früh im Spiel volle Kontrolle über seine Parameter hat und diese je nach Lage vor einem Kampf vorbereiten konnte. Aber, wie wir seit Spiderman wissen birgt jede große Macht auch große Verantwortung und vor allem Beschränkungen, denn verbraucht man die Zauber sinken auch die Parameter. Vor allem wenn man einen Zauber mit den HP, also dem Lebensbalken seiner Figur gekoppelt hat bedeutet das quasi einen nicht regenerierbaren Schaden an den Lebenspunkten mitten im Kampf. Zudem tendiert man natürlich dazu nur die Zauber zu koppeln, die die besten Parametersteigerungen ergeben. Dies führt aber dazu, dass man dann diese Zauber natürlich nicht mehr verwenden sollte. Diese beiden Aspekte des Koppelns machen FFVIII zu einem der wenigen RPG in denen man zwar zaubern kann und dies sogar uneingeschränkt mit jedem Charakter zu jeder Zeit im Kampf, dies aber bewusst nicht tut. Das Spiel beschneidet sich hier leider ungemein selbst.

Die Kämpfe, insofern sie nicht Teil der Story sind, sind Zufallskämpfe die auf der frei begehbaren Weltkarte oder in bestimmten Maps jederzeit anfangen können. Was viele verteufelten, lieben genau so viele Menschen – der Zufallskampf wird wohl auch in Zukunft die Gamer spalten.

Grafik und Sound

„Final Fantasy VIII“ (PC) erschien 1999, also kurz vor der Jahrtausendwende, was jedoch auch schon wieder 14 Jahre her ist. Ergo ist das Spiel im Original natürlich grafisch gesehen nicht mehr auf dem neusten Stand. Zudem war es ein PlayStation 1 Spiel, was wiederum das Volumen der Datenträger die verwendet werden konnte stark beschnitt. Auf 4 CDs passen nicht mal annähern so viele Daten drauf wie auf eine DVD, geschweige denn auf eine BluRay. Aber nichtsdestotrotz ist die Grafik schon für ein 14 Jahre altes Spiel phänomenal. In der nun neu erschienenen Version ist sie dank Bearbeitung nochmal um Längen besser, wie bereits oben angedeutet. Insbesondere wenn man sich den Sprung von der Polygon-Klotz-Legowelt von „Final Fantasy VII“ auf den 8. Teil ansieht. Zudem sind die Cutscenes, die im übrigen Final Fantasy sozusagen erfunden hat, ebenfalls grafisch überarbeitet worden und demnach auf dem neuesten Stand. Die Hintergründe sind wunderschön gestaltet und die Welt ist phantasievoll ausgefeilt. Die Hintergrundmusik legt sich wie ein sanftes Tuch auf die Szenerie und macht alles tatsächlich stimmungsvoll. Sogar teilweise wesentlich stimmungsvoller als so manches HD-Game von heute. Schließt man die Augen und hört nur die Musik, mit der sanften Brise, dem gelegentlichen Kreischen von Möwen und dem Klocken von Schiffen, die an das Dock kommen so glaubt man tatsächlich an einem Hafen zu stehen. Und das für 1999! Hier sieht man: Nur weil man digital Wimpern und Hautporen in eine Figur hämmert und alles voll synchronisiert, heißt es nicht, dass die Figur dadurch authentischer wird! Die Liebe zum grafischen Detail hat Final Fantasy in Extremum geführt und gerade dadurch seine Vormachtstellung als „Grafik-Vorreiter“ der Spieleindustrie behauptet. Zwar verwischen heutzutage durch immer mehr und mehr Geld, welches in die Games gepumpt wird die Grenzen zwischen den einzelnen Titeln, jedoch hat Final Fantasy nach wie vor den Mut neue Technologien auszuprobieren, neue Maßstäbe zu setzen und auch mal richtig daneben zu greifen, wenn es um Charakterdesign und Authentizität geht. „Final Fantasy VIII“ war, ist und wird immer ein Pionier der Optik in Games sein.

Nobuo Uematsu als Komponist der Musik (wie auch schon aller Final Fantasy Teile zuvor) kann und muss als nichts weniger bezeichnet werden als ein Genie in Midi. Obwohl die damaligen technischen Möglichkeiten bei weitem keine orchestrale Untermalung der Szenerie oder aber die einzelnen Themes zu den Figuren ermöglichte hat, wie es heute bei allen erfolgreichen Games der Fall ist, hat er es gemacht. Er hat reale Musik für das Spiel komponiert und diese dann durch den MIDI Reisswolf gehen lassen, damit diese auf die CDs passen. Erst heute, 14 Jahre nach dem Release gibt es mit „Distant Worlds“ eine Konzertreihe die die Musik aus Final Fantasy in die Philharmonien und Konzertsäle der Welt bringt. Egal ob man das Spiel an sich mag oder nicht, egal ob man das Gameplay mag, die Story oder was auch immer – die Musik des Spieles steht absolut über jeden Zweifel erhaben und zeigt auch hier die Pionierstellung der Marke Final Fantasy.

Fazit

„Final Fantasy VIII“ ist kein modernen Spiel, auch nicht in der überarbeiteten Fassung. Das muss man so stehen lassen.

Aber – und das muss man so wiederum anerkennen, war es 1999 als es erschien ein bahnbrechend gutes Spiel mit fantastischer Grafik, spieletechnischer Innovationen, die heute noch von anderen Titeln kopiert werden und einem Suchtfaktor, dem vielleicht grad noch die heutigen MMORPGs das Wasser reichen können. Nicht umsonst schrie die Game-Gemeinde auf als es hieß, dass die PS3 nicht mehr abwärtskompatibel sein würde und wir alle hielten unsere PS2 fest in den Händen wie Gollum seinen Schatz. „FFVIII“ hat eine bezaubernde Stimmung, eine rührende und fesselnde Geschichte, tiefgreifende Charaktere und einen bombastischen Soundtrack, den man auch mehr als episch zum Autofahren nutzen kann. Alles in allem einer DER Titel, die auf keinem Fall in einem gut sortierten Gamerhaushalt fehlen darf.

Und wer tatsächlich mit der alten Retro-Grafik nichts anfangen kann, der kann nun endlich trotzdem dieses Spiel genießen – denn die überarbeitete Version kann sich voll und ganz sehen lassen!

Fazit

Für alle RPG Fans ein absolutes Muss!
Grafik
94%
Sound
99%
Gameplay
97%
Steuerung
95%

Gesamtwertung

97%

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.