Die Sage von Kolossus (PC)

2125 0 3 9. Dezember 2010
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Titel:Die Sage von Kolossus
EAN:4017404018407
System:Windows 7
USK:Freigegeben ohne Altersbeschrnkung
Label:Purple Hills
Release:2010-08-27

Der Publisher Purple Hills ist vor allem für seine Casual Games bekannt. Da ist auch Die Sage von Kolossus keine Ausnahme. In bester Wimmelbildtradition spricht es vor allem Gelegenheitsspieler an, die einige ruhige Minuten vor dem heimischen PC verbringen wollen – ohne Druck und viel Action. Wer nun bei Genre der Wimmelbildspiele nur Bahnhof versteht, kann beruhigt sein: Im Grunde hat man nichts verpasst. Wimmelbildspiele sind die moderne Version der Bilderbuchreihe „Wo ist Walter?“. Es gilt, versteckte Gegenstände in einem beinahe vollkommen statischen, jedoch sehr detailliert gestalteten Bild zu finden. Aber Die Sage von Kolossus versucht sich mit einer Genre-Kombination: Nicht nur muss man Gegenstände finden, sondern diese auch zum Aufbau einer Siedlung nutzen.

Suchen, Finden, Klicken

Die Geschichte von Die Sage von Kolossus ist schnell erzählt und findet auch im Spiel nur in wenigen, kaum bewegten Szenen zwischen den Spielkapiteln Beachtung: Im antiken Griechenland schlüpft der Spieler in die Rolle eines 300 Jahre alten Herrschers, der von den Göttern verflucht wurde. Nur wenn er vor den Göttern seinen Namen reinwaschen kann, darf er sterben – und zu seiner Geliebten gehen, dessen Tod er nicht überwinden konnte. Also gründet der Herrscher irgendwo in der Wildnis ein neues Dorf und will es zu neuer Blüte führen. Ab da greift dann der Spieler ein: Im Umfeld des neuen Dorfes muss der Spieler für genug Feuerholz und Nahrung sorgen. Dies tut er, indem er eine der Stationen um das Dorf auswählt und auf diese Weise ein Wimmelbild startet. In sehr detaillierten Hintergründen, die von nervig dudelnder Musik unterlegt sind, sucht man nun mit der Maus Zentimeter für Zentimeter ab. Hat man einen Gegenstand gefunden, klickt man ihn an und er wird dem Korb des Spielers hinzugefügt. Ist dieser voll, beendet das Spiel das Wimmelbild und kehrt zurück zur Übersicht, wo die gefundenen Gegenstände dem Ressourcenpool der Siedlung hinzugefügt werden.

Der unordentlichste Ort auf Erden

Mit der Zeit werden zwar immer neue Gebiete und Ressourcen verfügbar, dennoch nutzt sich das Spielprinzip durch andauernde Wiederholungen ab. Später im Spiel entstehen ganze Produktionsketten, etwa durch den Bau von Landgut und Bäckerei. Im Grunde genommen handelt es sich jedoch immer wieder um dieselben Minispiele, nur mit anderen Gegenständen, wobei manche Gebäudebilder geradezu absurd unordentlich sind, sodass man daran zweifeln könnte, dass hier wirklich Menschen arbeiten. Sehr ärgerlich: Einige Produktionsgebäude wie das bereits erwähnte Landgut haben teilweise zwei oder gar mehr erzeugte Güter, jedoch erscheint nicht immer genau die Ressource, die man benötigt. Benötigt man dringend Nahrungsmittel, findet jedoch nur (nicht verzehrbare) Weintrauben und Oliven, verliert man Ressourcen, denn jeder Tag (= Wimmelbild) kostet sowohl Nahrung als auch Brennmaterial. Sehr ungünstig gelöst!

Anspruchsloses Spieldesign in Vollendung

Außer Ressourcen verliert man auch jede Menge Zeit in den einzelnen Wimmelbildern. Vor allem die Naturszenen mit ihren Grün- und Brauntönen machen das Suchen zu einem Geduldsspiel. Da können auch die beiden Hilfsfunktionen kaum helfen. Funktion 1 lässt in unregelmäßigen und völlig willkürlichen Abständen ein Objekt aufleuchten, während die andere Tipp-Funktion explizit durch einen Button repräsentiert wird, der sich jedoch nur schleppend auflädt, was so manches Wimmelbild in die Länge zieht und an der Geduld des Spielers nagt. Das ist aber auch der einzige Nachteil, den man von der Nutzung der Hilfsfunktionen hat. Weder gibt es Punktabzug noch irgendwelche Klickeinschränkungen. Theoretisch könnte man jeden Zentimeter der Bilder nacheinander anklicken, ohne dafür bestraft zu werden. Dieses anspruchslose Spielprinzip wird in den vereinzelt stattfindenden Minispielen, die sich aus harmlosen Logik- und Kombinationsrätseln zusammensetzen, auf die Spitze getrieben. Nach etwa 20 Sekunden kann man jedes dieser Minispiele überspringen – und erhält trotz allem die Belohnung dafür. Damit richtet sich Die Sage von Kolossus vor allem an Spieler, die eine ruhige Kugel schieben wollen. Kein Leistungsdruck, keine Abwechslung. Da ist es kaum verwunderlich, dass man bereits nach zwei Spielstunden eine Auszeichnung für besondere Ausdauer freischaltet. Wesentlich länger kann man auch kaum wachbleiben.

Fazit

Die Sage von Kolossus versucht eindeutig, dem in Deutschland so populären Aufbaustrategie-Genre den einen oder anderen Spieler abzuwerben. Das man hier keine Perle wie Anno 1404 oder Die Siedler bekommt, ist klar, aber der Aufbauteil wirkt so aufgesetzt und unerheblich, dass es beinahe schmerzt. Allein die detaillierten und zu großen Teilen schön gerenderten Bilder sind ein Lichtblick, können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Die Saga von Kolossus sonst absolut seicht ist und Spieltiefe praktisch nicht vorhanden ist. Da überrascht es auch nicht, dass man nach gut vier Stunden das Spiel durchgespielt hat - Wiederspielwert gleich null.
Grafik
40%
Sound
25%
Gameplay
20%
Steuerung
50%

Gesamtwertung

35%

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