Spieletest: Der Pate II

3828 0 1 10. August 2009
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Titel:Der Pate 2
EAN:5030932066220
System:Windows Vista
USK:Freigegeben ab 18 Jahren
Label:Electronic Arts GmbH
Release:2009-04-09

„Eines Tages vielleicht aber auch nie, werde ich dich bitten mir eine kleine Gefälligkeit zu erweisen“. Dieser Satz dürfte wohl jedem Filmkenner und Cineasten bekannt sein. Jetzt haben Sie die einmalige Chance selbst Don zu werden. Alles was Sie tun müssen: Übernehmen Sie Laden für Laden und bauen Sie sich so eine eigene Welt des organisierten Verbrechens. Das kommt Ihnen bekannt vor? „Das ist ja das gleiche wie im ersten Teil des Spiels“, werden Sie denken. Nicht ganz. Im ersten Teil ging es darum sich vom Botenjungen zum Don hochzuarbeiten. Hier werden Sie gleich am Anfang des Spiels zum Don ernannt. Ziel ist es sich eine eigene Familie aufzubauen und dann die Herrschaft über mehrere Städte zu erlangen.

Kleider machen Leute

Nicht so schnell. Bevor Sie jetzt voller Tatendrang loslegen Schutzgelder zu erpressen und Gegner zu den Fischen zu schicken, brauchen Sie erst einmal einen Anzug. Sie können schließlich nicht wie ein Vollpfosten rumlaufen. Sie sind Don, ziehen Sie sich auch entsprechend an, capisce? Auswahl haben Sie in dem Spiel genug. Electronic Arts (EA) hat an alles gedacht. Vom Haaransatz bis zu den Schuhen, kann alles verändert werden. Ein neues Hemd? Kein Problem. Wie hätten Sie es gerne offen oder zugeknöpft? Ob, Jackett, Krawatte oder Lederhandschuhe, Sie haben die Wahl. Nachdem man ein passendes Outfit gefunden hat, geht es auch schon los.

Unsere Spielfigur heißt Dominic. Was, Sie gegen Dominic nicht? Das macht nichts. Wir kannten ihn bis dahin auch nicht. Er kam in keinem einzigen Film der Pate-Trilogie vor. Dominic wird uns als engster Vertrauter von Michael Corleone vorgestellt. Das Spiel beginnt im Jahr 1959 mit der Flucht aus Kuba. Dort müssen Sie sich den Weg zum Flughafen freikämpfen, genauer gesagt freischießen. Nebenbei werden auch die wichtigsten Funktionen auf der Tastatur gezeigt. Ein Intro mit Tutorial. Vorbildlich, so fällt der Einstieg ins Spiel leichter. In New York angekommen, verdienen Sie sich Ihr erstes Geld mit dem üblichen Mafia Business: Drogenhandel, Prostitution, Schutzgelderpressung oder Geldwäsche. Das Spiel wurde von der Presse teilweise sogar als „Gangster-Simulation“ bezeichnet. Das ist deutlich übertrieben. Sie können zwar den Ladenbesitzern den Schädel einschlagen, wenn diese nicht zahlen wollen oder können. Unbeteiligte Passanten dürfen Sie allerdings nicht aus dem Weg räumen. Bevor Sie den Verfassers dieses Textes als Sadisten abstempeln: Das aus dem Weg räumen von Passanten wäre durchaus begründet. Damit alles realistischer wirkt, können Passanten sich Ihr Gesicht merken. Das hat den Nachteil, dass diese dann sofort die Polizei auf den Plan rufen. Man kann dem nur mit Bestechung, immerhin über 200 US Dollar, vorbeugen. Mit Gewalt zum Schweigen bringen ist nicht möglich. Das haben wir im ersten Teil schon besser gesehen. Was hat EA also dazu gebracht, die Passanten im Spiel „unantastbar“ zu machen? Jedenfalls nicht der Jugendschutz. Das Spiel ist nämlich sowieso erst ab 18 freigegeben.

Sizilianisches Marketing

Das Spiel bietet viele Verdienstmöglichkeiten. Die Spielwelt wäre perfekt, wären da nicht die „Mitbewerber“ aus anderen Clans. Ihre Aufgabe ist es, möglichst viele Kartelle unter Ihre Kontrolle zu bringen. Dadurch wird Ihr Vermögen immer Größer und die „Mitbewerber“ werden vom Markt gedrängt. Die Kartelle bringen das meiste Geld. Schutzgelder von Bordellen oder Bars sind dagegen nur Peanuts. Dennoch benötigen Sie die „kleine Fische“. Die Ladenbetreiber, die von Ihnen eingeschüchtert wurden, waschen für Sie das Geld von den Kartellen. Anders als im ersten Teil des Spiels, bleiben die Läden nicht auf immer und ewig Ihr Eigentum. Die anderen Familien finden es verständlicherweise nicht so schön, dass sie deren Geschäfte übernehmen. Sie kommen auch zurück und mischen Ihr Lokal auf. Deshalb sollten Sie Wachen abstellen. Eine Wache kostet pro Tag 100 Dollar. Sie sollten hierbei nicht sparen. Es könnte nämlich passieren, dass Ihr Lokal ganz schnell wieder den Besitzer wechselt. Jedes Kartell, das man übernimmt, bringt einen Bonus für die Familie. Darunter: Schutzwesten, Totschläger oder gepanzerter Fahrzeuge. Die Sachen werden Sie auch brauchen. Ihre Gegner schießen nicht mit Platzpatronen. Doch Vorsicht: Verlieren Sie nur ein Kartell ist auch der Bonus weg. Das gilt sowohl für Sie als auch für die rivalisierende Familie. Hart, aber fair. Sobald Sie alle Kartelle und Läden übernommen haben, zieht sich die andere Familie in ihr Anwesen zurück. Um ganz oben in der Nahrungskette zu stehen, müssen Sie nun zum Anwesen dieser Familie fahren und den Don samt Wachen aus dem Weg räumen. Insgesamt müssen 5 Familien erledigt werden.

Das Leben als Mafioso

Leider wird der Spielablauf bereits nach kurzer Zeit etwas eintönig. Die Kämpfe und Missionen laufen nach einem ähnlichen Muster ab. Das Spiel verspricht eine Open-World Spielprinzip. In Wahrheit sind jedoch sehr viele lineare Muster zu erkennen. Hoffentlich wird EA einen dritten Teil herausbringen. Das Potential ist bei diesem Spiel enorm, genutzt wurde jedoch höchstens 30%. Außerdem ist die Spielzeit deutlich zu kurz geraten für einen Open-World Titel. EA, da hätten wir uns mehr gewünscht.

Leider wurde an der Grafik gespart. Die Texturen bieten wenig Details. Die Explosionseffekte sind wirklich sehr gut gelungen. Das kann man leider nicht von den Texturen und der Stadtstruktur sagen. Der Wechsel von Tag auf Nacht erfolgt abrupt. Ein technischer Fortschritt ist im Vergleich zur ersten Version für den Laien nicht zu erkennen. Der innovative Don Modus entpuppt sich als bessere 3D Karte. In der Ansicht lassen sich Wachen für Geschäfte engagieren, sowie die eigenen Leute mit verschiedenen Fähigkeiten upgraden. Einen strategischen Nutzen bietet die Karte kaum. Befehle geben oder auf Angriffe der Gegner kann man hier jedoch nicht reagieren. Gut gelungen ist jedoch die Synchronisation. Obwohl nicht die Original Synchronstimmen aus dem Film genommen wurden, passen sie jedoch ideal zu dem Spiel. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Die gesprochenen Texte der Mitstreiter und Passanten wiederholen sich oft. Dadurch kommt es zu Kommentaren, die so gar nicht zur aktuellen Situation passen. Da kann GTA deutlich mehr bieten. Doch jetzt kommt das ABER. Im Gegensatz zu GTA vermittelt das Spiel eine echte Mafioso Atmosphäre. Eine eigene kleine Mafiawelt. Das Spiel bietet das „gewisse Etwas“. Trotz der schwachen Grafik. Dennoch, es wurde hier sehr viel Potential verschenkt.

Fazit

Eine Gesamtwertung zu geben, erweist sich schwieriger als gedacht. Das Open World Prinzip ist wie für dieses Spiel gemacht. Jedoch werden die Missionen schnell eintönig. Kartell aufsuchen, alles niederschießen was einem entgegenkommt, Läden übernehmen, Geld kassieren. So könnte man das Spiel in wenigen Worten beschreiben. Der Blutfaktor wurde nahezu auf null reduziert. Die Prostituierten sind auch nicht mehr so freizügig angezogen. Der versprochene Don-Modus ist leider nicht so modern wie versprochen. Dennoch macht das Spiel sehr viel Spaß. Es ist eines der wenigen Spiele auf dem Markt, dass sowohl gut Action vereint mit einer guten Portion Strategie verbindet. Alles in allem eine klare Kaufempfehlungen.
Grafik
87%
Sound
97%
Gameplay
95%
Steuerung
93%

Gesamtwertung

93%

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