Spieletest: Das Schwarze Auge – Nordlandtrilogie – Schicksalsklinge HD (PC)

6946 0 0 28. Oktober 2013
Gefällt mir!

Titel:Das Schwarze Auge: Schicksalsklinge (Version 2013) - Collectors Edition
EAN:4020636120664
System:Windows 7
Label:EuroVideo Bildprogramm GmbH
Release:2013-07-30

Es ist nicht einfach eine umfassende Beschreibung für Das Schwarze Auge (DSA) zu finden, denn jeder, der sich ein wenig mit Fantasy beschäftigt, stößt unweigerlich auf dieses deutsche Spiel mit internationalem Bekanntheitsgrad. Dabei handelt es sich ursprünglich um ein Pen & Paper Rollenspiel, das bereits lange vor den Computerspielen eine wirklich hervorragende Möglichkeit bot, in eine fantastische Welt voller Orcs, Magier und dunklen Wesen einzutauchen. DSA wurde das erste mal 1984 herausgegeben und spielt in der Fantasy-Welt Aventurien. Das Spielkonzept ist dabei so einfach, wie genial: Mit einem Charakter-Blatt, auf dem eure Eigenschaften, Skills und ähnliche Dinge festgehalten werden, sowie mit einigen Würfeln bewaffnet, begebt ihr euch in die unbekannte Welt und stürzt euch in die wildesten Abenteuer. Natürlich haben auch deutsche Videospielentwickler sehr schnell erkannt, dass dieses Genre großes Potential hat und wurden so erfolgreich mit ihrer Computerspielreihe, dass diese sogar internationale Erfolge feiern konnte. Wir haben für euch das HD-Remake des ersten Teils der Serie getestet.

Das Schicksal liegt in deiner Hand

Bei der sogenannten Nordlandtrilogie handelt es sich um drei Titel, die im DSA-Universum spielen und aufeinander aufbauen. Der erste Teil „Schicksalsklinge“ wurde bereits 1992 auf dem deutschen Markt veröffentlicht und schaffte es ein Jahr später in die internationalen Läden, da es hierzulande einen enormen Erfolg verbuchen konnte. Das gute an fantastischen Geschichten ist, dass sie – damals wie heute – zeitlos sind und man im Vakuum nicht sagen könnte, wann genau diese Story geschrieben worden ist. In „Schicksalsklinge“ ist es nämlich eure Aufgabe, nicht nur die große Stadt der Gegend zu retten, sondern eigentlich alle lebenden Geschöpfe im Nordland. Doch eins nach dem anderen: Zunächst beginnt ihr das Spiel natürlich damit, dass ihr eure Gruppe zusammenstellt, die aus bis zu sechs Kämpfern bestehen kann. Dabei habt ihr die Auswahl aus gleich einer ganzen Reihe von Charakteren, von denen einige klassischer Natur sind und zum Beispiel einfache Magier, Krieger oder Kämpfer darstellen. Andere sind für nicht-Fans zunächst unbekannt und hören auf Bezeichnungen wie Auelf, Firnelf oder Thorwalerin, um nur einige zu nennen. Tatsächlich kann man jedoch in Das Schwarze Auge nicht wirklich genau festlegen, welche Klasse welche Eigenschaften hat, denn obwohl jeder Charakter mit einer gewissen Präferenz startet – Magier können nicht mit Waffen umgehen, dafür jedoch mächtige Zaubersprüche loslassen, während Krieger Meister jeglicher Waffengattung sind und allein der Versuch, einen Zauber zu sprechen, lächerlich aussehen würde – kann man alles im Laufe der Geschichte ändern.

So ist es absolut möglich, aus einem angehenden Magier einen Schwertkampfvirtuosen zu machen, wohingegen ein Jäger plötzlich anfängt, seine nekromantische Ader zu entdecken und von nun an nicht mehr mit Pfeil und Bogen, sondern mit beschworenen Skeletten kämpft. Inwiefern das natürlich sinnvoll ist, sei einmal dahin gestellt, doch es ist absolut möglich. Trotzdem solltet ihr zunächst eine ausgewogene Gruppe zusammenstellen, die ein paar Frontkämpfer besitzt, einige magisch Begabte, sowie ein paar Bogenschützen. Am Besten sucht ihr euch auch ein oder zwei Klassen, die eine Mischung aus den drei Angriffstypen darstellen und zum Beispiel sowohl mit Pfeil und Bogen, als auch mit Magie umgehen können. Das lässt euch im Kampf gegen die verschiedenen Gegner flexibler agieren und außerdem habt ihr so einen Backup-Plan, wenn eurem Magier mal das Mana ausgeht oder eure Bogenschützen keine Pfeile mehr besitzen. Natürlich könnt ihr in den verschiedenen Dörfern, die im ganzen Land verteilt sind, zu mehr oder weniger günstigen Preisen Nachschub kaufen und dort Munition, Waffen, Ausrüstung und Tränke erstehen, die das Abenteuerleben vereinfachen sollen. Außerdem müsst ihr immer darauf achten, dass ihr Getränke und Essen dabei habt, denn eure Charaktere wollen verpflegt werden. Sonst werden sie krank, was sie schwächt und im Kampf nutzlos macht, bis sie schließlich das Zeitliche segnet – und das solltet ihr selbstverständlich vermeiden.

Zieht gegen die Orks in den Kampf

Nachdem ihr eure Party zusammengestellt habt, geht es auch direkt los mit eurem Abenteuer, was etwas schade ist, denn ein kleines Tutorial wäre sehr praktisch gewesen. So müsst ihr selbst herausfinden, dass ihr von neuen Aufträgen am besten in einer Taverne hört, nachdem ihr ein paar Bier mit dem Wirt und den anwesenden Gästen getrunken habt. Auch sind die verschiedenen Funktionen des Kampfes zunächst unklar, weshalb ihr wohl selbst herausfinden müsst, dass ihr mit eurem Schwertkämpfer nicht euren Magier anvisieren solltet – denn der haut dann tatsächlich zu. Doch nach und nach findet ihr euch zurecht und hört schon bald in einer Taverne von der großen Neuigkeit: Der Hetmann Tronde Torbensson ist auf der Suche nach mutigen Abenteurern, die für ihn eine kleine Aufgabe erledigen: Im Norden scheinen sich die verschiedenen Ork-Stämme zusammen zu rotten, denn Gerüchte besagen, dass sie nun einen großen Anführer haben, der alle Stämme vereinigt und sie gegen Menschen, Zwerge und Elfen in den Krieg schicken wird. Doch glücklicherweise sind Orks dumm und leicht zu beeindrucken: Wenn ihr Grimring, die legendäre Schicksalsklinge findet und einsetzt, könnt ihr Nordland retten. Denn diese Klinge gehörte einst einem großen Kriegsführer, der mit eben jener Klinge schon einmal einen Ork-Aufstand niedergeschlagen hat. Wenn ihr also das Schwert findet und mit ihm den Ork-Anführer tötet, dann werden sich die restlichen Orks zurückziehen und der Frieden kann wieder einkehren.

Das ist jedoch einfacher gesagt als getan, denn leider ist die Klinge nach dem Tod des Trägers verschollen. Glücklicherweise lebt sein Enkel in Felsteyn, nur einige Ortschaften weiter – vielleicht hat er noch weitere Informationen, die euch helfen, die Schicksalsklinge zu finden. Nachdem ihr dort hin marschiert seid, könnt ihr tatsächlich einige Informationen ergattern: Isleif Olgardsson ist sich sicher, dass das Schwert mit seinem Großvater beerdigt worden ist. Wo jedoch dieses Grab ist, kann er euch nicht sagen. Dafür gibt er euch drei weitere Namen, die mehr wissen könnten, sowie ein Fetzen von einer Schatzkarte, die möglicherweise den Standort des Schwertes preisgeben kann. Nun macht ihr euch also auf, reist quer durch das Land und versucht, die Karte wieder zusammen zu setzen. Leider habt ihr dafür nicht alle Zeit der Welt, denn nach zwei Jahren der Zeit im Spiel werden die Ork-Horden über das Land herfallen und ihr habt verloren. Nun müsst ihr also genau überlegen, wie ihr die Zeit nutzt, denn es ist sehr wichtig, dass ihr auch einige Nebenaufgaben erledigt. Denn ihr braucht Erfahrung, um aufzusteigen, Geld, um mächtigere Dinge zu kaufen und außerdem Informationen, die ihr so am schnellsten bekommen könnt. Wenn ihr jedoch zu lange trödelt, kommen die Orks. Und da soll noch einmal jemand sagen, dass das Abenteuerleben lustig und froh wäre.

Kämpfen, Jagen, Kräuter sammeln

Die Kämpfe gegen die verschiedensten Gegner machen einen großen Teil des Spiels aus. So trefft ihr auf Wölfe und andere Tiere, auf menschliche Räuber und auf orkische Widersacher, die sich euch in den Weg stellen und alle nur eins wollen: Euer Leben. Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab und haben eine große taktische Komponente, denn ihr befindet euch auf einem Spielfeld, bei dem ihr die einzelnen Figuren eurer Gruppe steuert. Nun könnt ihr entscheiden, ob ihr euren jeweiligen Charakter bewegt, ihn angreifend lasst, das Inventar nutzt oder eine Mischung aus diesen Aktionen durchführen lasst. Dabei habt ihr eine bestimmte Anzahl von Aktionspunkten pro Runde, die unter anderem davon abhängen, wie viel Gepäck der Kämpfer mit sich herum schleppen muss. Ein Angriff, egal ob magischer Natur, Fernkampf oder Nahkamp, kostet dabei immer drei Aktionspunkte und kann nur einmal pro Runde ausgeführt werden. Ob und wie ihr die anderen Aktionspunkte nutzt, bleibt euch überlassen. Außerdem ist es möglich, aus dem Kampf zu fliehen, wozu sich auch manch humanoider Gegner entscheiden möchte, wenn er bereits kurz vor dem K.O. steht. Wenn ihm das gelingt, dann bekommt ihr weder Geld, noch Erfahrung und schon gar nicht Beute, weshalb ihr versuchen solltet, dies zu unterbinden. Wenn eure eigenen Kämpfer zu wenig Lebenspunkte haben, werden sie bewusstlos oder können direkt sterben. Bei letzterem bleibt nur noch die Möglichkeit, einen alten Spielstand zu laden, während bewusstlose Charaktere nach einer gesunden Portion Schlaf wieder auf dem Damm sind.

Außerhalb der Kämpfe werdet ihr euch in Kneipen umhören, Nebenaufträge annehmen, Händler und Tempel besuchen, sowie sehr viel reisen. Beim Reisen könnt ihr zwischen normaler Gangart und dem Gewaltmarsch wählen, wobei ihr bei normaler Geschwindigkeit langsam voran kommt, während der Gewaltmarsch zwar schnell, aber auch sehr anstrengend ist. Was auch immer ihr wählt, ihr werdet sehr oft in der Natur rasten müssen, wo ihr dann Wachen aufstellen solltet, um nicht von Räubern oder anderen Gegnern überfallen zu werden. Außerdem könnt ihr, wenn ihr zum Beispiel einen Jäger dabei habt, nach Wasser und Tieren suchen, die dann euren Hunger und Durst stillen können. Und auch Kräuter können gefunden werden, die dann mit alchemistischen Fähigkeiten zu verschiedenen Tränken verarbeitet werden. Dafür müsst ihr jedoch immer Zeit investieren und die ist bekanntlich begrenzt. Außerdem könnt ihr unterwegs auf verschiedene Events stoßen, bei denen ihr zum Beispiel eine Fährte von einer Wildschweinhorde findet. Wenn ihr diese jagen könnt, habt ihr genug Proviant für die nächsten Tage – aber wenn ihr sie nicht findet, habt ihr einige Stunden verschwendet. Außerdem trefft ihr auf Wanderer, die euch eine Geschichte erzählen und euch ebenfalls einige Stunden Zeit abknöpfen. Wenn ihr Glück habt, geben sie euch im Gegenzug sehr nützliche Informationen – doch ihr könnt nicht immer Glück haben. Ihr steht also immer vor der Entscheidung, wie genau ihr eure Zeit einteilen möchtet. Und das ist nicht immer einfach.

 

Fazit

Es ist schwer, ein Spiel zu beurteilen, dass vor über 20 Jahren aktuell war und nun lediglich auf HD aufpoliert worden ist. Es gibt einige Grafikfehler, die oft dazu führen, dass ihr den letzten Spielstand laden müsst. Auf der höchsten Auflösung verzerrt sich das Bild sehr stark und der HD-Effekt wäre bestenfalls vor zehn Jahren gut gewesen. Aber „Das Schwarze Auge: Schicksalsklinge“ ist einfach ein wirklich gutes Spiel, dass auch heute noch absolut überzeugt. Die Geschichte ist sehr tief, es gibt enorm viel abseits der vorgefertigten Pfade zu entdecken und das Spielprinzip macht einfach Spaß. Wer also auf Retro-RPGs steht und sich auf das Abenteuer einlassen kann, bekommt hier ein Remake eines bereits vor 20 Jahren herausragenden Spiels. Und an dem „herausragend“ hat sich nichts geändert!
Grafik
65%
Sound
90%
Gameplay
90%
Steuerung
76%

Gesamtwertung

83%

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.