Spieletest: Cosmic DJ (PC)

2820 0 1 23. November 2014
Gefällt mir!

Musik bewegt, soviel ist klar. Wer Musik macht, kann daher logischerweise auch viel bewegen oder? Eine Möglichkeit wäre, sich eine Klampfe zu kaufen und ein paar schräge Akkorde am Lagerfeuer runterzuleiern. Oder man holt eine Violine und vergeigt es sich ordentlich. Das ist zwar alles gut und schön, hat nur einen kleinen Nachteil. Es dauert. Lange. Und es dauert noch länger bis die eigenen Klänge was anderes als schmerzverzerrte Gesichter in die leidende Menge zaubert. Geht das nicht anders?
Ja! Alternativ kann man natürlich auch ein intergalaktischer Ultra-DJ werden und dabei durch ballernde Soundkonstrukte Liebende zusammenbringen, eine Band wiedervereinen oder einen Hund zusammensetzen. All das liefert Cosmic DJ, einem farbenstrotzenden Musikspiel aus dem Hause Gl33k. Lasst die Party beginnen!

Die eigene Musikkarriere

Wer wollte nicht schonmal ein Rockstar sein und die Massen begeistern? Hier ist das alles kein Problem: Buchstäblich von der ersten Sekunde an seid ihr zur Musiklegende geboren. Dabei kriegt ihr Hilfe von Steve3, einem schwebenden, unförmigen Raumzeitcomputerwesensding, denn in dessen Unsterblichkeit hat seine Musiksammlung recht bescheidene Ausmaße angenommen. Und darum braucht dieses astrale Etwas mit Stonermentalität, die dem Dude alle Ehre macht, eure Hilfe. Ihr wisst doch, wie man mit einem intergalaktischen Sequencer umgeht, oder?
Dieses abstrakte Teil sollt ihr nämlich nutzen, um ein paar frische Tracks herzustellen.
Habt ihr erstmal losgelegt, geht es auch gleich zur Feuertaufe über. In der Stadt steigt die Fete des Jahrtausends und ihr sollt mit euren Kompositionen dafür sorgen, dass das so bleibt. Aber keine Sorge, der anscheinend völlig taube Tanzmob ist nicht sehr anspruchsvoll. Nach ein paar willkürlichen Beats im Sequencer brennt die Bude und euer Ruf als legendärer DJ scheint gerettet. Bis Steve4 auftaucht. Der fiese Halbbruder mit der unerträglichen Stimme nimmt nämlich nicht nur eure heißgeliebten Jamtennen auseinander, er versaut auch noch die Party mit seinen miesen Schwingungen. WHAT!
Jetzt bleibt nur noch eins: ihr müsst die Jamtennen aufsuchen, sie wieder zusammensetzen und Steve4 besiegen… mit der MACHT DER MUSIK!

2014-11-14_00010

Bumm Tschaka Bumm

So kompliziert das ganze Sequencer-Konzept auch klingen mag, so simpel ist es umgesetzt: Denn eine Sequence ist erstmal nur ein unterteilter Zeitabschnitt, der sich ständig wiederholt. Jeder Moment der Sequence ist eine Spalte, wie in einer Tabelle. Darüber hinaus hat der Sequencer vier Tonhöhen. Denkt man sich diese nun als waagerechte Spalten, hat man tatsächlich eine Tabelle. So kann jedem platzierten Beat eine Tonhöhe und ein Zeitpunkt in der Sequence zugeordnet werden.
Nun wird die Sequence durchgehend automatisch wiederholt. Es gibt zwei Möglichkeiten, um Töne zu platzieren. Zum einen kann man frei zum laufenden Rhythmus über vier Tastaturtasten Noten spielen.
Die andere Möglichkeit ist die tatsächliche Tabelle. Mit einem Klick wird eine Note platziert, mit einem zweiten wird die Note wieder entfernt. Das hat vor allem den Vorteil einer genaueren Bearbeitung, aber auch den Aspekt, dass man seine Tonfolgen genau vor Augen hat.
Es gibt für jedes Instrument eine Sequence, alle laufen gleichzeitig und werden mehr und mehr zu einem eigenen Track.

2014-11-14_00006

Das ist zwar alles schön und gut, aber wie wird daraus ein Spiel?
Nun, das ist eine berechtigte Frage.
Es gibt- das Tutorial mitgezählt- Im gesamten Spiel 6 Level. Dabei erzählt jedes Level einen kleinen Teil der Geschichte, hauptsächlich wie die einzelnen Jamtennen repariert werden können. Um das zu erreichen müsst ihr Tracks erstellen- Je mehr Noten, desto mehr füllt sich euer Party-Meter. Wenn das voll ist, habt ihr es geschafft.
Pro Level gilt es 4 Tracks zu komponieren. Seid ihr am Ende eines Levels angekommen, werdet ihr auf ein cooles kleines Gimmick stoßen: Alle Tracks des Levels werden vom Spiel nämlich in einem Remix neu zusammengefügt und können gespeichert, sogar als MP3 exportiert werden! Und während ihr auf den Remix wartet könnt ihr die Zeit nutzen um euer eigenes Cover zu gestalten.
Unsere hauseigenen Hit-CDs „Testmania-Burgurrocket“, „3D-Schildkröten auf Cola“ und „C0rg1l0v3“ sind nicht im Handel erhältlich.

4 Töne und nicht mehr!

Was Cosmic DJ die „spielerische“ Erscheinung verschafft, ist sicherlich die einfache Zugänglichkeit. Die Musikerstellung bleibt übersichtlich, einfach und macht Spaß. Das wird mit dem Ziel verbunden, einen Corgi zu reparieren, ein zerstrittenes Paar neu zu verlieben und und und. Eigentlich ein perfekter Titel, um in die Erstellung von Musik an sich hineinzufinden.
Leider ist die übertriebene Vereinfachung auch das größte Problem, mit dem das Gameplay zu kämpfen hat. Denn trotz leicht spielerischer Elemente bleibt das Spiel im Grunde ein Gadget, um schnell kleine Musikelemente zusammenzufügen. Wer aber wirklich frei Musik machen will, wird sich sehr schnell an einigen Punkten stoßen.
Während zum Beispiel bei Schlagzeugkits 4 Tonspuren grade so ausreichen, sieht’s mit den restlichen Instrumenten ganz anders aus. Spätestens wenn man versucht, simple Gitarrenmelodien oder Keyboardfolgen zu komponieren fühlt man sich mit weniger als einer handvoll Tonhöhen regelrecht kastriert. Nach einigen Takten gehen dann auch schnell die Ideen aus und Frust kommt auf. Zwischentöne fehlen völlig, um nicht vom vorgegebenen Beat im Hintergrund abweichen zu können. Auch die Geschwindigkeit kann nicht variiert werden. Das höchste der Gefühle sind Lautstärkeregler, die sich pro Instrument individuell einstellen lassen. Dazu kommt, dass manche Instrumente sich nicht oder nur sehr entfernt an der vorgegebenen Tonfolge orientieren.

2014-11-14_00005

Hat man das Spiel (recht schnell) dann durch, kommt die berühmte Frage: „Was nun?“ Alternativ zur Geschichte gibt es einen „Quick Play“-Modus. Dort wird euch willkürlich ein Arrangement aus Instrumenten zusammengewürfelt, mit dem ihr euch dann austoben könnt. Eine eigene Auswahl treffen könnt ihr nicht wirklich.
Auch die Covererstellung fällt dürftig, wenn auch ausreichend aus. Ihr habt Sticker, Motivroller, könnt malen, habt auswählbare Hintergründe… Ärgerlich ist nur, dass eure Arbeitszeit mit der Fertigstellung des Remix auch ohne Warnung abrupt aufhört. Nicht die alte, englische Schule und eigentlich unnötig, den kreativen Fluss so zu unterbrechen.
Zu guter Letzt, und damit wird das eigentliche Gameplay in Frage gestellt, fällt bei den eigenen Notenkonstrukten kein bisschen qualitative Wertung ein. Denn scheinbar hat das unendliche Gedröhne von Steve3 sämtliche Lebensformen der Galaxie steintaub gemacht. Egal was ihr baut, egal ob ihr bei den Tracks nur wie besessen auf alle Tasten hämmert, dem Dancefloor ist es schnurz. Tatsächlich werdet ihr für euren Lärm auch noch gehuldigt, selbst wenn eure Kreationen klingen, als würde man einen Rasenmäher mit einer laufenden Kettensäge zwangsernähren. Bewertet wird nicht die Harmonie und auch nicht, ob die Noten im Takt sind- ihr müsst einfach nur genug platzieren. Für jedes Instrument gibt es eine gewisse Punktzahl, die ihr erreichen könnt. Die kriegt ihr, sobald ihr eine bestimmte Anzahl an Noten gesetzt habt. Selbst wenn sie die abartigste Disharmonie seit Menschengedenken ist.

Grafik

Wie könnte ein Musikspiel, indem ihr als intergalaktischer, kosmischer DJ die Menge zum ausrasten bringt und durchs All fliegt schon aufgemacht sein? Das ganze Spektakel wirkt wie ein sehr, seehr heftiger Trip auf dubiosen Substanzen. Kommt schon, es gibt Roboterbands und einen Schäfercorgi mit Jetpack. Klartext: Bunte Farben, viele helle Lichter und teilweise mehr oder weniger abstrakte Motive und Formen. Gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache, dafür aber schon irgendwie lustig.

2014-11-14_00004

Sound

Wer hätte es gedacht? Der Sound hat bei einem Musikspiel natürlich eine ganz besondere Bedeutung. Wenn’s damit nicht klappt, ist das Spiel praktisch für die Tonne. Bei Cosmic DJ ist es allerdings nicht so.
Denn die eigenen Lieder können sich, wenn man es richtig macht, schon hören lassen. Trotz sehr spartanischer Möglichkeiten und fehlendem Einfluss beim Remix der Tracks klingt das eigene Produkt gegen Ende nicht schlecht. Auch die beiden Synchronstimmen von Steve3 und 4 haben einen sehr… eigenen Charakter, sind aber gut umgesetzt. What!

2014-11-14_00002

Pro

  • Spaßiges und leichtherziges Musikspiel
  • Exportieren und Covergestaltung für eigene Tracks
  • Leicht zu lernen und schön gestaltet

Contra

  • Große Einschränkungen bei der Musikerstellung
  • Keine qualitative Wertung der eigenen Kreationen
  • Kaum vorhandenes Gameplay im eigentlichen Sinne

Fazit

Ein witziges Musikspiel mit Potenzial. Fehlende Freiheiten bei der Musikerstellung und wenig restliche Gameplayinhalte dämpfen den Spielspaß leider ein wenig.
Grafik
60%
Sound
77%
Gameplay
59%
Steuerung
60%

Gesamtwertung

67%

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.