Chrome (PC)

3956 0 1 3. März 2011
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Titel:Chrome
EAN:4280000108388
System:Windows 7
USK:Freigegeben ab 16 Jahren
Label:EMME Deutschland GmbH
Release:2010-10-22

Der First-Person Shooter Chrome hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Da aber eine neue Auflage des Spiels in die Läden kommt, ist dies Grund genug, nochmal ein Auge auf den Titel zu werfen. Ob der Shooter vom polnischen Entwickler Techland immer noch Spaß macht oder ob das Gameplay veraltet ist, dass erfahrt ihr in der folgenden Review.

Vom Kollegen verraten

In Chrome schlüpft der Spieler in die Rolle des Söldners Logan. In der ersten Mission des Spiels, genannt „Prolog“, hat man den Auftrag, geheime Dokumente der Firma OCTOLAB zu stehlen. Zusammen mit seinem Kollegen Pointer macht sich Logan auf den Weg und dringt in das Gebäude der Firma ein. Kurz darauf wird Logan aber von seinem Kollegen verraten und zurückgelassen. Auf der Flucht begegnet er Carrie, mit deren Hilfe er sich in Sicherheit bringen kann. Fortan arbeiten die beiden als Söldner zusammen und suchen im Valkyria-Sonnensystem nach gut bezahlten Aufträgen. Im Laufe der Spielhandlung geraten die beiden zwischen die Fronten zweier großer Unternehmen, die beide auf der Suche nach der seltenen Ressource Chrome sind. Es beginnt ein übles Spiel aus Lügen und Intrigen und Carrie will sich aus der Feindschaft der beiden Konzerne raushalten, doch dann taucht Logans alter Partner Pointer auf und der Protagonist des Spiels sinnt auf Rache.

Auf ins Gefecht

Das Gameplay von Chrome glänzt leider mit ermüdender Eintönigkeit. Man läuft durch die Level und erschießt immer gleich aussehende Gegner aus der Klonfabrik. Hin und wieder gibt es kleine Schalterrätsel, die allerdings ziemlich leicht sind. Für etwas Abwechslung sorgen gelegentlich eingestreute Hack-Minispiele. Hierbei muss sich der Spieler in Terminals reinhacken um Türen zu öffnen, Geschütze auszuschalten oder um Daten herunterzuladen. Dabei muss man ein Memory-Minispiel absolvieren, welches allerdings keine Schwierigkeit für den Spieler darstellt. Mit der Zeit wird das Memory zwar etwas anspruchsvoller, doch richtig fordernd wird es nie. Des Weiteren ist es auch möglich sich hinters Steuer von Fahrzeugen zu setzen. Allerdings ist die Steuerung beim Fahren etwas gewöhnungsbedürftig und ungenau. Trotzdem macht es Spaß und bringt den Spieler in den teils großen Außenarealen schnell voran. Diese großen Außenareale bringen aber auch ein Problem mit sich. Hat man kein Fahrzeug zur Verfügung, so gibt es eine Menge Laufarbeit zu leisten, was etwas Langeweile aufkommen lässt. Das Missionsdesign des Spiels ist leider etwas repetitiv ausgefallen. So gibt es von den insgesamt 15 Missionen gleich drei Missionen, in denen man eine entführte Person retten muss. Bei der Gestaltung der Missionen kann man den Entwicklern also etwas Ideenarmut vorwerfen. Gut gelungen sind hingegen die beiden Stealth-Missionen, die sich gameplaytechnisch vom restlichen Spiel etwas abheben. Während man im normalen Spielverlauf wie Rambo durch die Map rennt, so muss man in den Stealth-Missionen aufpassen und darf nicht erwischt werden, ansonsten ist die Mission fehlgeschlagen. Das bedeutet, dass man sich an die Gegner anschleichen und sie leise ausschalten muss. Vom Schwierigkeitsgrad her, sind diese Level auch um einiges schwerer als die üblichen Missionen und mit falscher Ausrüstung wird es für den Spieler fast schon unmöglich die Level erfolgreich abzuschließen. Für die Ausrüstung ist man als Spieler aber selbst verantwortlich, da man sich vor jeder Mission seine Ausrüstung nach den eigenen Wünschen selbst zusammenstellen kann. Dabei stehen dem Spieler einige Waffen, wie Messer, Pistolen und Maschinengewehre zur Verfügung. Zusätzlich kann man sich noch etwas Munition und verschiedene Gadgets, wie Tarnvorrichtungen, Medi-Packs und Granaten einpacken. Unterwegs kann man neue Waffen, Munition und andere Gegenstände bei besiegten Gegnern erbeuten. Doch man hat nur einen begrenzten Platz im Inventar, weshalb man sich durchaus Gedanken machen sollte, welche Waffen und Gegenstände man mitnimmt. Das Inventar erinnert dabei an das aus Resident Evil 4. So ist es dem Spieler möglich die Ausrüstung zu verschieben und somit Platz zu schaffen für weitere Dinge.

Bei der Verwendung der Medi-Packs haben sich die Entwickler allerdings für eine etwas unorthodoxe Variante entschieden. Während es in anderen Spielen Gang und Gäbe ist, dass das Medi-Pack die Gesundheit sofort erhöht, wird in Chrome die Gesundheit nur stückchenweise wiederhergestellt. Dies bringt im Kampf durchaus Probleme mit sich, wenn man beschossen und die Gesundheit nur langsam wieder aufgebaut wird. Dieser Umstand kann schnell zu Frustmomenten führen, was durch eine sofortige Heilung mit dem Medi-Pack hätte verhindert werden können. Ein weiterer Kritikpunkt ist das Speichern des Spiels. Leider gibt es in Chrome kein Checkpointsystem, wodurch der Spieler gezwungen ist selbst zu speichern. Zum Einen ist dieses System ein Segen, da der Spieler zu jeder Zeit und an jedem Ort speichern kann, andererseits ist das System auch ein Fluch, da es vorkommen kann, dass der Spieler inmitten der Action schlichtweg vergisst abzuspeichern. Und ist das virtuelle Leben ausgehaucht und kein Speicherstand da, so muss man die Mission eben von vorne beginnen, was für ziemlich viel Frust sorgen kann. Das Speichersystem bringt auch ein weiteres Problem mit sich. Durch das häufige Zwischenspeichern, das man als Spieler tätigen muss, um bestimmte Aktionen nicht wiederholen zu müssen, wird dem Titel der Spielfluss genommen.

Das HUD des Spiels ist recht übersichtlich gestaltet und gibt dem Spieler viele Informationen preis. Recht nützlich ist das Radar, welches sich mittig in der unteren Bildschirmhälfte befindet. Hierbei werden die Feinde, die sich in der Nähe befinden mit einem weißen Punkt gekennzeichnet. Allerdings werden nur Feinde angezeigt, die sich in etwa auf der gleichen Höhe wie der Spieler bewegen. Sniper, die sich auf Türmen befinden oder Gegner die sich in einem anderen Stockwerk eines Gebäudes aufhalten, werden nicht angezeigt. Trotzdem ist das Radar äußerst hilfreich bei der Lokalisierung von Gegnern. Die kleine Minimap zeigt dem Spieler, wo sich das nächste Missionsziel befindet. Wahlweise kann man per Knopfdruck auch eine große Map einblenden lassen, welche etwas übersichtlicher ist. Bei der Munitionsanzeige sind die Entwickler wiederum einen anderen Weg gegangen, was sich leider auch als falsche Entscheidung herausstellt. Anstatt die Munition, die sich im Magazin befindet, mit einer Zahl darzustellen, wird dies in Chrome mit einem grünen Balken gemacht, der sich mit jedem Schuss ein wenig leert. Der Spieler weiß dadurch nur in etwa, wie viel Munition noch im Magazin ist, aber nicht, wie viel genau. Während eines Kampfes ist diese Anzeige also nur bedingt hilfreich. Eine numerische Anzeige wäre aber die bessere Alternative gewesen.

Doping für den Söldner

Ab der zweiten Mission verfügt Logan über spezielle Implantate in seinem Körper, die ihm spezielle Fähigkeiten verleihen. So ist es ihm möglich genauer zu zielen, schneller zu rennen und die Zeit zu verlangsamen. Ein weiteres Implantat ermöglicht es ihm, an weit entfernte Gegner heranzuzoomen, um sie besser treffen zu können. Darüber hinaus gibt es noch ein Implantat, welches ihm die Fähigkeit verleiht, seine Gegner auch durch Wände hindurch sehen zu können. All diese Implantate laden förmlich zum Taktieren im Kampf ein und können für diesen Zweck auch kombiniert werden. So kann man beispielsweise während eines Kampfes die Zeit verlangsamen und zusätzlich mit einem anderen Implantat die Fähigkeit des Zielens verbessern, wodurch die Feinde keine Chance mehr haben. Wer sich vor Treffern schützen will, der kann das Panzerung-Implantat benutzen, wodurch der Schaden bei Treffern erheblich minimiert wird. Der Einsatz dieser Implantate hat aber einen Haken: sie überlasten das Neuralsystem von Logan. Daher kann man sie auch nur für kurze Zeit einsetzen. Hierbei ist auch die Tatsache zu beachten, dass manche Implantate das Neuralsystem schneller überlasten als andere. Man sollte sie also mit Bedacht einsetzen und immer ein Auge auf die Anzeige haben. Ist man unachtsam mit der Nutzung dieser Körperverbesserungen gewesen und das Neuralsystem gänzlich überlastet, so wird die Nutzung für ein paar Sekunden gesperrt.

Den kenn ich doch

Wie oben schon erwähnt kämpft man in Chrome gegen immer gleich aussehende Gegner. Zwischen den Level ändert sich zwar die Gattung der Feinde, aber innerhalb einer Mission bleiben es dieselben. Sowas ist schade, macht es die einzelnen Level doch recht eintönig und langweilig. Erschwerend kommt hinzu, dass die Intelligenz der Gegner äußerst gering ist. In vielen Fällen ducken sie sich, obwohl keinerlei Deckung in der Nähe ist, weshalb sie leicht zu erschießen sind. Manchmal bemerken sie nicht mal, dass der Kollege in ihrer Nähe erschossen wird und bleiben daher regungslos stehen. Ist man als Spieler selbst in Deckung, machen die Feinde keinerlei Anstalten uns da rauszulocken. Stattdessen bleiben sie an ihrem Platz stehen und warten, bis man wieder rauskommt. Immerhin kommt es an manchen Stellen vor, dass auf den Spieler Granaten geworfen werden, damit er aus seiner Deckung flüchtet. Leider ist dieses Gegnerverhalten relativ selten. Im Gegenzug können sie sehr gut zielen, da man im offenen Gefecht einige Treffer einstecken muss. Vorsicht ist geboten, bei den sogenannten „Walkern“. Dabei handelt es sich um bemannte Maschinen mit Bordgeschützen. Bei diesen Gegnern sollte man schnell das Weite suchen, außer man hat eine Panzerfaust oder andere durchschlagkräftige Waffen zur Hand. In einigen Level warten zudem kleine Endgegner auf den Spieler. Viel Taktik braucht man für diese Gegner allerdings nicht. Eigentlich muss man nur so lange drauf ballern, bis die Lebensanzeige des Widersachers bei null ist. Hierbei wäre sicherlich mehr drin gewesen, man hat aber trotzdem seinen Spaß an diesen Fights.

Um die Gegner ins Jenseits zu befördern, stehen dem Spieler viele verschiedene Waffen zur Verfügung. Von Pistolen über Maschinen- und Scharfschützengewehre bis hin zum Raketenwerfer ist alles dabei, was das Shooterherz begehrt. Die Waffenmodelle unterscheiden sich zum Einen über das Aussehen und zum Anderen besitzen sie verschiedene Reichweiten und unterschiedliche Schadenswerte. Die Waffengeräusche hätten durchaus wuchtiger sein können, hören sich aber ganz in Ordnung an.

Die technische Seite von Chrome

Da das Spiel schon ein paar Jahre alt ist, kann man von der Grafik natürlich nicht erwarten, dass sie einem den Atem raubt. Vor fünf Jahren hätte man sich noch die Augen gerieben, für heutige Verhältnisse ist sie noch ganz ok.  Einige Texturen sind matschig, es gibt viele Pop-ups, Grafikfehler, wie zum Beispiel weiße Bäume, sind an einigen Stellen zu finden. Nichtsdestotrotz sind die Außenareale noch recht hübsch anzusehen und glänzen durch Abwechslung. War man im letzen Level noch im Dschungel, so findet man sich im nächsten in einer Wüste. Auch durch Wald- und Hügellandschaften darf man als Logan wandern, genauso wie durch eine Eiswüste. Leider sehen sich die Innenareale ziemlich ähnlich. Viele Räume werden in einem Level mehrfach benutzt und man denkt sich „Das kommt mir irgendwie bekannt vor.“ Weiterhin sind einige unscharfe Texturen zu finden und etwas Kantenglättung hätte einigen Objekten auch gut getan. Zudem sehen die Bewegungsanimationen der Spielfiguren etwas hölzern und unglaubwürdig aus.

Der Sound des Spiels ist ein zweischneidiges Schwert. Während die Synchronisation sehr gut gelungen ist und die Hauptfigur die deutsche Stimme von Brandon Frasier hat, so lässt die Hintergrundmusik zu wünschen übrig, denn es gibt schlichtweg keine. Während einer Mission muss der Spieler mit den Umgebungsgeräuschen Vorlieb nehmen. Nur an bestimmten Stellen setzt Musik ein, um für etwas Dramaturgie zu sorgen. Auch in den Zwischensequenzen gibt es eine musikalische Untermalung, welche ganz gut zum Spiel und zur jeweiligen Situation passt. Wer trotzdem Musik haben will, der kann bei einigen besiegten Gegnern eine Art Walkman finden, welcher Musik im Hintergrund abspielt. Da bei diesen Walkman aber immer derselbe Track heruntergeleiert wird, ist man ziemlich schnell genervt und schmeißt den Gegenstand wieder aus seinem Inventar. Ein weiteres Problem beim Sound ist die Tatsache, dass gesprochene Sätze manchmal kurz vor Ende abbrechen und man daher besser mitlesen sollte, um nichts zu verpassen.

Bei der Steuerung haben die Jungs und Mädels von Techland eine saubere Arbeit abgeliefert. Das Zielen klappt präzise und ohne Probleme. Zudem ist die Tastatur nicht überladen und man kann jede Funktion mit einem Knopfdruck aktivieren. Wer trotzdem Probleme hat, der kann sich die Tastenbelegung nach eigenen Wünschen im Pause-Menü zusammenstellen.

Fazit

Man merkt Chrome das Alter von knapp sieben Jahren schon an. Die Grafik reißt heutzutage keine Bäume mehr aus, die Gegner sind strohdumm und kommen aus der Klonfabrik. Leider wurde beim Sound geschlampt. Gameplaytechnisch bietet das Spiel zu wenig Abwechslung, macht aber trotzdem noch Spaß. Das Feature mit den Implantaten kann auch heute noch überzeugen und lädt zum Taktieren ein, was sehr viel Spaß mit sich bringt. War der Titel vor einigen Jahren noch ein absoluter Kauftipp, so ist er heutzutage einer von vielen durchschnittlichen First-Person Shootern, die für Kurzweil und nette Unterhaltung sorgen. Wer einen netten Shooter sucht, der auch auf einem schwachen Computer laufen soll, der sollte einen Blick auf Chrome werfen, denn für ein Budget-Spiel bekommt man mit 12 Stunden Spielzeit eine Menge Unterhaltung zum Hirnausschalten serviert.
Grafik
63%
Sound
61%
Gameplay
72%
Steuerung
80%

Gesamtwertung

70%

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