Call of Juarez

2320 0 1 24. September 2008
Gefällt mir!

Titel:Call of Juarez
EAN:5907577270599
System:Windows 2000
USK:Freigegeben ab 18 Jahren
Label:Ubisoft

Ego-Shooter gib es eigentlich wie Sand am Meer, vor allem Shooter, die sich mit den Kriegen dieses Jahrhunderts auseinandersetzen. Der Wilde Westen hingegen wurde bisher von den Entwicklern nur selten besucht. Zuletzt war es Activision mit “GUN”, die bewiesen haben, dass sowas aber durchaus funktionieren kann. Nun liegt uns mit “Call of Juarez” ein neuerlicher Wild-West-Shooter aus dem Hause Ubisoft/Techland vor und man darf gespannt sein, ob die Wohnzimmerluft bleihaltiger wird. Unser Test wirds zeigen…

Jage oder werde gejagt

Vor einigen Jahren flüchtete Billy aus seinem Heimatdorf vor seinem gewalttägigem Stiefvater, doch heute ist er auf dem Weg sein Elternhaus zu besuchen. Als er jedoch dort ankommt findet er seine Eltern ermordet vor. In diesem Augenblick kommt Ray vorbei und sieht den Heimkehrer neben den Leichen stehen. Ray ist ein Ex-Revolverheld, der aber mittlerweile eher zu einem gläubigen Prediger geworden ist und nun Billy für den Mörder hält. Grund genug die Gottesfurcht eine zeitlang auszusetzen und sich wieder den Revolvergürtel umzuschnallen und sich auf die Jagd nach Billy zu begeben.

Im Spielverlauf schlüpft man als Spieler interessanterweise 15 Kapitel lang in beide Rollen, sowohl in die Haut von Billy, dem flüchtenden Stiefsohn, der selbst die Mörder seiner Eltern “kennenlernen” möchte, als auch in die Haut von Ray, der den Falschen für den Mörder hält, das aber nicht wissen kann und ihn jagd. Das Interessante daran ist, dass man je nachdem in welcher Haut man gerade steckt, gegen sich selbst arbeiten muss, um eben nicht erwischt zu werden bzw. um sein Alter Ego zu erwischen. Dementsprechend unterscheidet sich die Spielweise der beiden Charaktere enorm: Während man als Billy eher mit Stealth-Action beschäftigt ist, scheut man als Ray keine Konfrontation und bemüht bei jeder Gelegenheit seine Colts. Damit erklärt sich dann aber auch das Motto des Spiels: Jage oder werde gejagt.

Du gegen den Rest des Westens

Das Gameplay selbst bietet uns beste Ego-Shooter-Kost: Mit den verschiedensten Revolvern und Gewehren gehen wir auf Scharen von Banditen los, die unseren Weg kreuzen und in der Wüste bestattet werden wollen. Daneben kann man von Peitschen bis hin zu Dynamit noch andere Waffen wählen. Was einem jedoch von der ersten Spielminute auffällt ist die bis dahin unbekannte Spielwelt-Physik. Da kann man mit Wasser ein gelegtes Feuer löschen oder sich mit Hilfe von Staub tarnen. Diese neue Interaktivität mit den umliegenden Objekten ermöglicht auch ein verbessertes Klettern und Springen, einfach weil man weiß, dass man mit nahezu jedem Objekt auf dem Bildschirm interagieren kann. Nichts was man auf dem Schirm sieht dient nur der Optik. Und diese ganzen Features braucht man auch, denn die KI-gesteuerten Gegner sind keineswegs dumm und je mehr man sie täuschen kann, umso besser ist es für die eigene Haut.

Ein paar ganz besondere Gameplay-Elemente hät das Spiel auch noch für uns bereit. Zu erwähnen ist hierbei insbesondere die von Max Payne bekannte Slowmotion-Funktion, die an die Matrix-Trilogie erinnert. Hier verlangsamt sich das komplette Gameplay und alle Bewegungen werden nur noch in Zeitlupe ausgeführt. Ist man gerade in einen Schusswechsel verwickelt, schleicht das Fadenkreuz langsam über den Bildschirm und wenn es auf dem Gegner erscheint ist der richtige Moment den Abzug zu ziehen.

Daneben gibt es auch noch einen Schnellschussmodus, wenns mal ganz besonders zackig sein muss. Der Nachteil: Man kann hier nur einhändig schießen, während man sonst beide Colts rauchen lassen kann. Natürlich gibt es zu guter Letzt auch noch das Duell, wo du und dein Kontrahent auf einer verlassenen Straße am Ende der Welt in einer verlassenen Stadt steht und wer als erster blinzelt tot ist. Ein Countdown signalisiert wann dieser Moment gekommen ist und dann sollte man tunlichst das Fadenkreut so schnell es geht auf den Gegner bringen und abdrücken.

Grafik und Sound

Als Basis für “Call of Juarez” diente eine aufgemotzte Chrome-Engine, was dann auch die besonders gelungenen Landschaften und Szenarien erklärt, die auch schon in “Chrome Specforce” begeistern konnten. Aber auch die Charaktere wurden spitzenmässig modelliert und bewegen sich physikalisch korrekt, auch in Sprung- oder Reitszenen. Die Explosionen und Feuereffekte sind ebenfalls sehr gelungen und geben kaum Anlaß zur Kritik.

Die deutschen Synchronsprecher leisten wie von Ubisoft/Techland gewohnt eine hervorragende Arbeit und verleihen dem Spiel mit ihren Stimmen eine tolle Atmosphäre. Gleiches gilt auch für die passende Hintergrundmusik, die dem Spiel auf den Leib geschneidert wurde und Bestnoten verdient.

Fazit

"Call of Juarez" ist ein ganz besonderer Ego-Shooter. Im Wilden Westen angesiedelt überzeugt er durch eine packende Story, eine gelungene technische Umsetzung und durch eine bemerkenswerte Spielphysik. Wer Clint Eastwood zu seinen Lieblingsschauspielern zählt, bei "Spiel mir das Lied vom Tod" an Charles Bronson denken muss und heute um "12 Uhr Mittags" nichts vor hat, der sollte schleunigst das Pferd satteln und beim lokalen Spielehändler "Eine handvoll Dollars" locker machen und sich "Call of Juarez" zulegen.
Grafik
87%
Sound
94%
Gameplay
82%
Steuerung
89%

Gesamtwertung

88%

» Wie wir bewerten - Hinweise und Erläuterungen zu unserem Wertungssystem

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.