Spieletest: Avadon 2 – The Corruption (PC)

2332 0 0 24. Dezember 2013
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Titel:Avadon: The Black Fortress
Label:Spiderweb Software
Release:2012-05-21

“Avadon 2 – The Corruption” ist ein Spiel, für das man sich Zeit nehmen sollte und es auch muss. Das klassische RPG im Stile der legendären “Baldur’s Gate”-Reihe ist kein Spiel, sondern eine komplette Parallelwelt – wenn man über gewisse Designentscheidungen des Entwicklers hinweg sehen kann. Alle anderen sollten sich den Kauf von “Avadon 2” noch einmal gründlich überlegen.

Direkte Fortsetzung des ersten Teils

“Avadon 2” spielt einige Jahre nach den verheerenden Ereignissen des ersten Teils. Für alle Neueinsteiger: Im ersten Abenteuer namens “The Black Fortress” in der Fantasywelt namens Lynaeus bekämpften sich zwei rivalisierende Fraktionen: Die ordnungsliebendem “Pakt” und die archaischen “Farlands”. Als Mitglied der sagenumwobenden Hand von Avadon, einem Geheimbund, der sich dem Schutz des Paktes verschrieben hat, musste der Spieler rundenbasierte Kämpfe in diesen Szenario bestreiten. Der zweite Teil spielt einige Jahre nach diesen Ereignissen: Avadon ist gefallen, die Welt des Paktes unter Belagerung. Und zwischen den Fronten befindet sich der Spieler.

Reinrassiges Retro-Rollenspiel

Die Spielmechanik basiert auf den klassischen Rollenspielen wie “Ultima” oder “Baldur’s Gate”. In der Rolle einer von fünf Klassen, Blademaster (Nahkämpfer), Shadowwalker (Schurke), Shaman (Totenbeschwörer), Sorcerer (Zauberer), oder Tinkermage (Mechaniker), erkundet der Spieler die Welt von Avadon in Echtzeit. Kommt es zum Kampf, wechselt das Spiel in eine rundenbasierte Spielmechanik, die Schadenswerte auswürfelt und somit richtiges Retro-Rollenspiel liefert.

Die Parallelen zu den erwähnten Spielereihen nehmen im Laufe der Handlung zu: Statt einem einheitlichen Questpfad wird “Avadon 2 – The Corruption” nach wenigen Spielstunden offen. Der Spieler kann sich dann entscheiden, ob er den Pakt rettet – oder doch die Farlands und damit den Krieg unterstützt. Moralisch gerät die Spielfigur immer wieder in ambivalente Situationen, die kein Schwarz-Weiß-Sehen zulässt.

Technisch aus der Urzeit

“Klassisch” lässt sich zudem auch die Technik des Spiels beschreiben, denn einfache, vorgerenderte 3D-Sprite aus der Iso-Perspektive beherrschen die Grafik. Für alle Nicht-90iger: Isometrische Perspektive ist die “von schräg oben”. Immerhin sind die Locations mit viel Liebe gestaltet. Musikalisch sind ebenfalls keine Highlights zu erwarten, denn der größte Teil der Kulisse besteht aus gleichartigen Soundsamples. Zur Verteidigung muss man jedoch erwähnen, dass das Entwicklerstudio, “Spiderweb Software” de facto nur aus einem Mitarbeiter besteht.

Inhaltlich: Massive Geschichte und viel Lesearbeit

Am Umfang ist “Avadon 2” kaum zu überbieten: Nach 25 Stunden ist zwar die Hauptquest erledigt, aber es gilt noch jede Menge andere Seitenmissionen oder Dungeons zu erforschen. Meist verstecken sich hinter zufällig am Wegesrand gefundenen Diebesverstecken komplette Geschichten. Dies kombiniert die Erlebnisse zu einem massiven Erlebnis mit riesigem “Immersion”-Faktor.

Der Haken an der Sache: Es gibt keinerlei Vertonung. Mehrere Seiten lange Texte flankieren jede Quest und jedes Objekt mit Hintergrundgeschichte. Dies geht so weit, dass man sich fühlt, als würde ein (gut geschriebenen) Fantasy-Roman präsentiert. Das gesamte Storytelling wird über die Textebene abgewickelt, was aufgrund der fehlenden Lokalisierung für deutsche Spieler schnell zum Hindernis werden kann. Zudem benötigt “Avadon 2 – The Corruption” so deutlich mehr Einarbeitungszeit als neuere Vertreter des RPG-Genres. Und damit auch zu einem zweischneidigen Brett.

Fazit

"Avadon 2" ist ein schwer verdaulicher, weil ambivalenter Brocken Software. Einerseits kurzweilig, andererseits für ein sehr spezielles Klientel entwickelt. "Old School" ist hier die einzig passende Beschreibung. Das Gesamtpaket kann insgesamt überzeugen.
Grafik
40%
Sound
35%
Gameplay
75%
Steuerung
75%

Gesamtwertung

65%

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