Spieletest: American Mc Gee’s Grimm (PC)

2535 0 0 13. Juli 2014
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Der Verdacht, der beim ersten Lesen des Titels aufkommt ist richtig: so viel vorab. “Grimm” ist American McGees Antwort auf die Märchensammlung der Gebrüder Grimm.

Nach McGees Neuauflage von “Alice im Wunderland” mit “American Mc Gee’s Alice” und “Alice: Madness Returns”,  die sich beide durch ihren düsteren und wortwörtlich wahnsinnigen Stil auszeichnen, bekommen jetzt nämlich Dornröschen, der Froschkönig und weitere Konsorten den spieletechnischen Suckerpunch ab.
Auf 3 Seasons verteilt nimmt der neue Arcade/3D-Platformer in jeder der insgesamt 23 Episoden ein Märchen in die Mangel.

Dabei ist das Spielprinzip simpel und deutlich weniger komplex als das seiner Vorgänger. Ihr spielt Grimm, einen frustrierten Vollbartzwerg mit bemerkenswertem Rückenpelz, der von den verweichlichten Grimm-Werken nicht sehr angetan ist. Früher haben diese furchteinflößenden Geschichten Respekt in Kinder gestanzt, jetzt hüpfen durch den Zauberwald süße Eichhörnchen, Glück und Frohsinn überall, der Himmel ist blau und die Bäume pink. Dem düsteren Zeitgenossen rollen sich dabei die Zehennägel auf und er beschließt, etwas zu ändern.

Ihr startet das Spiel über einen Launcher, in dem ihr eine Episode auswählen könnt, jede Episode ist ein eigenständiges Spiel. Im Hauptmenü aller Spiele könnt ihr die Optionen ändern, die Credits sehen, das Spiel beginnen und euch eine kurze Einführung in das Spielgeschehen durchlesen. Letzteres solltet ihr wenigstens einmal tun, die Erklärungen sind knapp und klar.
Das liegt unter Anderem daran, das das Spielprinzip an Tiefe nicht grade glänzt:

1. Jedes Märchen ist in ca. 6 Level aufgeteilt, die chronologisch die Geschichte erzählen.
2. Die Level sind süß.
3. Ihr nicht.
4. Bewegt ihr euch durchs Level, verdirbt euer Charakter die Umgebung. Je mehr verdorben das Level bei Abschluss, desto besser.
5. Die Umgebung zu ruinieren erhöht eure Verdorbenheitsskala, jedes Level setzt an die Skala einen Mindestlevel, das erfüllt werden muss um weiter zu kommen.
6. Jedes Level hat gute Samariter, die eure Arbeit wegputzen. ist eure Skala hoch genug, könnt ihr auch diese verwandeln und der Fortbestand eures Werkes ist gesichert. Eine Old-School Sprungattacke kann die “Gegner” ausserdem für einige Zeit betäuben.

Das wars. Dazu wurden in jedes Level noch Sammelobjekte geworfen und Platformerpassagen eingestreut. Besonders die ersten Episoden sind recht anspruchslos und fordern nur bedingt. Ein Arcadetitel mit leichtem Twist.

Ähnlich ist es mit der Grafik, die vor Allem in den ersten Titeln altbacken und unschön wirkt, trotz charmantem Comicstil. Die ersten zwei oder drei Märchen plätschern vor sich hin, ihr amüsiert euch am Ende über “eure” Version der Geschichte. Wenn euch das aber nicht aufhält und Episode für Episode fortzockt, könnt ihr etwas interessantes beobachten, grade hier ist das Seriensystem interessant:
Die Spiele werden besser. Schnell besser! Die Grafik wird filigraner, angepasster, Shader und Ähnliches finden Einzug, Der Effekt ist unbestreitbar: Alles wirkt schöner, moderner.

Auch die Spielmechaniken entwickeln sich rasch, die Sprungpassagen werden fordernder, die Welten größer. Die Geschichten machen Spaß, besonders Märchen wie König Midas, in denen ihr zur Abwechslung nicht Alles verfaulen lasst, sondern zu purem Gold verwandelt. Schnell wird “Grimm” eine Folge von lustigen, morbiden Satirespielen, welche den McGee-Stil aufsaugen wie ein Schwamm. Und es passt mehr und mehr. Am Ende der 23 Episoden hat man rund 28 Stunden Spielspaß auf dem Buckel, “Grimm” hat sich von einem kleinen Schock zu meinem Geheimtipp gemausert. Am Ende, wenn man dann “nur noch ein Märchen spielen will”, und merkt, dass man das Letzte grade abgeschlossen hat, kann sich schonmal etwas Wehmut breit machen…

…wenn einem das Spielprinzip nicht im Wege steht. Wer “Grimm” anfängt, muss sich im Klaren sein, dass der Titel nicht auf Spieltiefe ausgelegt ist. Anspruchsvoller werden die Level zwar, die Mechanik bleibt aber in allen Episoden die Selbe. Für wen repetitives Gameplay ein No-Go ist, der wird von “Grimm” schnell gelangweilt sein. Wenn man sich jedoch davon nicht abhalten lässt, sollte man der ersten Season eine Chance gewähren.

Fazit

"Grimm" ist ein charmanter 3D-Arcadeplatformer, der den angestaubten Grimmbrüdern einen witzigen Kick gibt und einen Testlauf wert ist.

Gesamtwertung

82%

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