Agrar Simulator 2011 (PC)

4471 0 5 11. Februar 2011
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Titel:Agrar Simulator 2011
EAN:4020636112010
System:Windows 2000
Label:UIG Entertainment
Release:2010-10-08

Das Bewirtschaften eines Getreidefeldes liefert auf jeden Fall Stoff für einen Simulator-Spiel, aber auch das muss erst einmal vom Hersteller sinnvoll umgesetzt werden. Nun möchte man doch meinen, dass es dem Studio UIG Entertainment gelingen könnte – ist es ja Entwickler einer Masse anderer Simulatoren. Vom Straßenbau zur Pistenraupe über Abschlepper hin zum Sprengmeister wurde alles bereits in Form eines PC-Spieles simuliert, um nur einige zu nennen. Mit über 16 Titel müsste die Firma ja ein wahrer Simulator-Experte sein, aber im Oktober scheiterte die Firma schon daran, eine spielbare Version des Agrar Simulators auf den Markt zu bringen und war gezwungen, eine Rückrufaktion zu starten. Der neue Simulator, der auf dem Titelbild der DVD-Hülle als “erweiterte” Version angepriesen wird (richtig wäre “funktionierende”), ist nun Thema dieses Reviews. Und auch wenn der Agrar Simulator nun wirklich kein Nerven-Thriller ist, erwartet man doch wenigstens eine nette Wirtschaftssimulation, bei der man seine grauen Zellen etwas nutzen darf.

“Wie simulier’ ich nun Agrar?!”

Ist man kein erfahrener und examinierter Landwirt, fällt einen schon der Einstieg ins Spiel nicht leicht. Es wird nicht nur die Steuerung nicht erklärt, sondern es fehlt auch irgendein Hauch einer Einweisung in die landwirtschaftlichen Gerätschaften. Oder weiß etwa jeder auf Anhieb, was “grubbern” ist, wann genau man ein Feld zu pflügen und wann zu düngern hat? Ein in das Spiel integriertes Tutorial ist nicht nur zeitgemäß, sondern wäre in so einem Spiel auch notwendig gewesen. Lustlos darf also das Handbuch studiert werden, welches auf wenigen Seiten beschreibt, was man zuerst macht. So startet das Spiel in der Ego-Perspektive und man rennt erstmal intuitiv mit der WASD-Steuerung durch die Gegend. Entdeckt man schließlich auf der Escape -Taste das Spielmenü, können Traktor, Pflug und andere Geräte gekauft werden. Dort pachtet man auch ein Feld und stellt Mitarbeiter ein.

Trecker fahren, Tag und Nacht…

Schließlich wurden mit einer Traktorfahrt die Landschaft und einige Grafikbugs erkundet und möchte den landwirtschaftlichen Investitionen nun einen Sinn geben. Die Misere beginnt: Mit Traktor und Pflug kreuzt man zunächst fröhlich über den Acker, bis man deprimiert feststellt, dass dies unerträglich lange dauert und man sich sicher ist, dass das zumindest weder Sinn des Spieles, noch ein kleiner Teil von Spielspaß sein kann. Achja, dier Mitarbeiter! Den hat man schließlich nicht zum Bier trinken eingestellt, also lässt man nach einigem Suchen nach der Funktion ihn die undankbare Ackerarbeit machen. Zwar macht er das auch brav, doch dauert es ebenso eine Ewigkeit. Anstatt selbst mit dem Traktor zu cruisen, kann man ihm dabei zuschauen! Mit Stoßgebeten bedankt man sich in diesen Moment bei der Vorspul-Möglichkeit im Spielmenü, die einem erlaubt, die Zeit um drei bzw. sechs Stunden oder einen Tag zu überspringen. Doch was ist das?!? Mit Entsetzen stellt man fest, dass der Traktor mit dem Angestellten sich außerhalb des Raum-Zeit-Kontiuums befindet: Während die Uhr und das Wetter im Zeitraffer vorspringen, pflügt der Traktor den Acker immer noch in Schnarchgeschwindigkeit. Somit dauert die Bewirtschaftung eines Feldes mehrere öde Echtzeitstunden, in denen man mehrmals mit dem Trecker das ganze Feld systematisch abtuckert. Man könnte meinen, dass die Monotonie wegen der realistischen Simulation in Kauf genommen wird, aber dieser Spielablauf ist schlichtweg eine Beleidigung für jeden, der seine Freizeit in dieses Spiel investiert.

Fazit

Nun bringt der Entwickler schon eine “erweiterte” Version des Spieles raus, nachdem die vorherige vermurckst wurde, hat aber das Wesentliche immer noch vergessen: den Sinn des Spieles. Die schnelle Istallation des Spieles tröstet kaum, wenn dafür offensichtlich an Inhalt gespart wurde. Auch wenn es bei unserem Spieletest wegen protesthaften Abbruchs nicht zur Ernte eines Getreidefeldes kam, wird die anfängliche Motivation, einen florierenden Bauernhof zu führen, durch unerträglich monotone Treckerfahrten zu Nichte gemacht. Diese werden auch nicht durch Original-Claas-Modelle oder einer akzeptablen Grafik besser. Lieblos wurde ein Bauernhof mit Gerätschaften hingeklatscht, ohne je den Eindruck zu hinterlassen, sich zu einer wirtschaftlich sinnvollen Simulation Gedanken gemacht zu haben. Das wurde von Sim Farm bereits 1993 um Welten besser umgesetzt.
Grafik
80%
Sound
66%
Gameplay
50%
Steuerung
75%

Gesamtwertung

65%

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