18 Wheels of Steel: Convoy

1841 0 0 24. September 2008
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Titel:18 Wheels of Steel: Convoy
EAN:3700046242255
System:Windows 98
USK:Freigegeben ab 6 Jahren
Label:FIP Publishing GmbH
Release:2005-11-11

Massig Chrom, unendliche Landstraßen und ein Donut am Truck-Stop. Leider wird diese Fernfahrerromantik otmals überschätzt, denn das reale Leben sieht anders aus: Termindruck und Stress stehen bei allen Brummifahrern genauso auf der Tagesordnung, wie Verkehrskontrollen und Sekundenschlaf. Nein, wir sind nicht bei der Jahresvollversammlung der Fernfahrer, sondern nähern uns langsam aber sicher dem Review zu einer der erfolgreichsten TruckerSims “18 Wheels of Steel: Convoy”. Na dann: Anschnallen, Gang reinhauen und ab gehts…

Coast to Coast

“Convoy” ist nicht die erste Ausgabe von “18 Wheels of Steel” und am Spielprinzip hat sich im Vergeich zu den Vorgängern auch nicht so viel verändert. Man startet als kleiner, unbedeutender Brummifahrer irgendwo in den USA dessen Aufgabe es ist Güter von A nach B zu bringen. Ungeübte Fahrer starten mit dem gut gemachten Tutorial, welches einem die wesentlichen Aspekte der Fahrt und Bedienung der Stahlkolosse näherbringt. Schnell packt den Spieler dann die Begeisterung, denn das Fahrverhalten des LKW ist überaus nett umgesetzt und das Rückwärtseinparken mit Sattelschlepper wird schon bald zur echten Konzentrationshöchstleitung.

Im Rahmen des Tutorials darf man dann auch sogleich die ersten Fahrten von seinem Basislager aus zu einer der umliegenden Städte machen und dort Waren abliefern. Hierzu fährt man auf eine mit einem rotierenden Stern markierte Stelle und holt sich dort einen der beschriebenen Aufträge ab. Schnell den Anhänger andocken und los gehts. Nach einer Weile auf der Landstraße kommt man bald in die Stadt und muss sich mit Hilfe der Karte zurechtfinden, um zu wissen wo genau man seine Ware abliefern soll. Natürlich sind auch viele andere Fahrzeuge unterwegs und von Zeit zu Zeit kommt es da auch zu dem einen oder anderen Blechschaden, den man sich aber an verschiedenen Stellen in vielen Städten gegen Bares reparieren lassen kann.

Money, money, money…

Für jeden ausgeführten Auftrag gibts natürlich auch ein Gehalt, mit dem man aber nicht neue Lastwägen kaufen kann, sondern vielmehr nach einer Weile andere Fahrer für sein eigenes kleines Unternehmen verpflichten kann. Hier gibt es allerdings schon die ersten Ungereimtheiten: Lastwägen kann ich wie gesagt nicht kaufen, diese gibt es im Wesentlichen umsonst, denn ich kann in jeder Stadt meinen LKW gegen ein anderes Modell eintauschen. Hierbei erschließt sich dem Spieler aber nicht der Sinn, denn außer einem leicht veränderten Fahrverhalten gibt es in den unterschiedlichen Modellen keinerlei sonstige Unterschiede.

Dass man Fahrer für seinen eigenen Fuhrpark anheuern kann ist eigentlich ein tolles Feature und erinnert subtil an “Der Planer”, aber hier endet auch wieder jeder Aspekt einer Wirtschaftssimulation. Denn als “Boss” all seiner Beschäftigten hat der Spieler keinerlei Einfluss auf die Fahrer, weder was deren Routen angeht, noch was deren Auftragslage oder beförderten Güter betrifft. Hier fehlt es dem Spiel an einem echten Konzept. Wozu sollte man als Spieler weitere Fahrer anheuern, wenn doch am Ende immer dasselbe Spielprinzip stehen bleibt: Transportiere Güter von A nach B und zwar genauso wie im Tutorial !?

Gähn…(Vorsicht: Tester im Sekundenschlaf)

Auf seinen Fahrten quer durch die Vereinigten Staaten kommt man an so ziemlich jeder großen Stadt vorbei, kann überall halten, tanken, vielleicht etwas essen oder auch eine Nacht im Motel verbringen. Letzteres ist allerdings ziemlich unnötig, denn der Fahrer verspürt keine virtuelle Müdigkeit, das heißt er kann eigentlich beliebig lange am Steuer sitzen, zumindest so lange, wie der Spieler vor dem PC es aushält. Denn jetzt kommts: Die Fahrten dauern allesamt sehr, sehr lange. Angenommen Du nimmst an deinem Basislager einen Auftrag an bestimmte Maschinen von hier an die Ostküste zu bringen, dann kannst Du Dich darauf einstellen, dass die Fahrt gut und gerne drei Stunden dauert. Ja, Echtzeit.

Natürlich entspricht diese Fahrzeit immer noch lange nicht der Realität, aber wenn man nach einer Stunde mit 80 km/h über die Highways “brettert” und dann einen Blick auf die Karte wirft um zu sehen, dass noch gut 2/3 der Strecke vor einem liegen, beginnt man schon an sich zu zweifeln. Instinktiv wird jeder anfangen in den Optionen nach einer Einstellungsmöglichkeit zu suchen. Vergeblich. Ärgerlicherweise wird bestimmt jeder Spieler, der zum ersten Mal die Wahl hat, welchen Auftrag er annehmen will mit Sicherheit so einen Mammutauftrag nehmen, weil diese natürlich besser bezahlt sind. Würde jetzt auf den Fahrten immer wieder aufregendes und neues geschehen könnte man ja noch darüber hinwegsehen, aber irgendwie geschieht nicht so viel. Die Landschaften und Städte sehen nach einer Weile alle gleich aus, auch wenn sie grafisch wirklich nett gemacht sind.

Witzigerweise bedient sich “18 Wheels of Steel: Convoy” einer gewissen Realitätsnähe, allerdings nur in gewissen Punkten. Wenn man zum Beispiel ohne Licht in der Nacht herumfährt, hält einen mit Sicherheit die Polizei an und verpaßt einem ein Ticket. Wenn ich aber mit 80 km/h durch die Innenstadt heize und dabei alles aus dem Weg walze was sich mir in den Weg stellt drücken die Cops scheinbar beide Augen zu. Desweiteren gingen die Entwickler so weit, dass man sogar einen Blinker setzen kann, wenn man abbiegt, haben aber vergessen dafür zu sorgen, dass man als Spieler in der Anzeige irgendwo auch sieht, dass man blinkt. Da bleibt nur der Wechsel zu Außenansicht zur Vergewisserung. Alles nicht so schlimm, aber entweder man entwickelt ein Arcadegame mit kurzen Fahrzeiten ohne Anspruch an die Realität oder man entwickelt eine Simulation mit den beschriebenen langen Fahrzeiten und dafür aber einer durchgängigen Realitätsnähe. Irgendwie hat man bei “18 Wheels of Steel: Convoy” beides zu erreichen versucht.

Fazit

Unterm Strich ist "18 Wheels of Steel: Convoy" eine durchaus ernstzunehmende Truckersimulation, die allerdings wohl nur waschechten Fans der Stahlkolosse zusagen dürfte. Otto-Normal-Spieler werden angesichts des flachen Spielprinzips und der stundenlangen Fahrten durch die Pixelwüsten der USA Probleme haben sich mit dem Spiel anzufreunden.
Grafik
71%
Sound
65%
Gameplay
31%
Steuerung
80%

Gesamtwertung

59%

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