Spieletest: 100% Orange Juice! (PC)

2925 0 0 2. September 2014
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An und für sich hat „100% Orange Juice!“ herzlich wenig mit den Vitamin C-haltigen Zitrusfrüchten zu tun. Statt Direktfruchtsaft liefert der quietschbunte Titel dafür Pudding, Karten, kämpfende Enten und all das in einer niedlichen Animegrafik. Ihr dürft würfeln, sammeln und kämpfen. So stark auf süß getrimmt, dass sich beim Spielen die Zähne vor Karies zerkrümeln, kommt der hochprozentige Saft als kleines, feines Brettspiel daher. Geht das Prinzip auf?

Auf zum Brettspielabend!

Während der Name des Spiels wirkt wie Asiens Antwort auf Tattoos von unzusammenhängenden Schriftzeichen, sind viele der Spielelemente konservativ und bekannt. „100% Orange Juice!“ ist ein virtuelles Brettspiel, welches ihr entweder alleine oder mit euren Freunden (Off- und Online!) spielen könnt. Das Spielbrett ist aus verschiedenen Feldern zusammengesetzt, die euch teleportieren können, Punkt einbringen (oder abnehmen) und Ähnlichem. Nebenbei könnt ihr auf manchen Feldern eine Karte aus eurem Deck ziehen, welches ihr euch außerhalb der Spielbrettschlachten zusammenbaut. Für Kartennachschub sorgt der Shop, in dem ihr euch Boosterpacks holen und eure Sammlung aufstocken könnt. Was ihr schon alles gesammelt habt, könnt ihr in eurem Kartenbinder begutachten.

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Aber damit nicht genug! Manche Felder werfen euch auch mit einem zufälligen Gegner in den Ring, den es zu besiegen gilt! Zusammen mit den Stats des gewählten Charakters (vier sind es an der Zahl) gilt es, durch Würfelglück den Verteidigungswurf des Gegners zu übertreffen. Schafft ihr das, besiegt ihr euren Bösewicht, schafft ihr das nicht, kriegt ihr ordentlich auf den Deckel. Ist eure Energie auf Null gesunken, legt ihr euch kräftig lang und bleibt da so lange liegen, bis ihr einen Würfelwurf zum Wiederbeleben schafft. Alle Regeln sind natürlich im Spiel bei den Optionen nachzulesen.

Du spielst nicht allein!

Um den Spaß zu maximieren, bietet „100% Orange Juice!“ eine Vielzahl an Modi, die es euch ermöglichen, alleine oder mit Freunden und Fremden das Brett zum Glühen zu bringen.
Ruckzuck ist eine Lobby erstellt, um Onlinesessions zu ermöglichen oder ihr setzt euch mit eurer Spielerunde vor den Schirm und wählt eines der vorgefertigten Bretter. Auch Storyfreunden wird etwas geboten: Für jeden der vier Charaktere wird eine Kampagne mitgeliefert, die durchgespielt werden darf, in Dialogsequenzen gepaart mit Brettspielrunden.

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Die Story eures Standartcharakters beginnt packend.
Ihr seid grade dabei, ungesunde Massen an Pudding zu vernichten, als das Geschehen eskaliert. Der Supergau: Ein Vieh namens Poppo klaut euch den Pudding. Nicht nur, dass das kleptomanische Etwas euren Brei mopst, einen verzweifelten Hilfeschrei später stellt sich heraus, das Poppo auch noch die Brieftasche eines nichtsahnenden Studenten geklaut hat! Geldbörse und Pudding: das perfekte Verbrechen. Der vierte Charakter stößt dazu und es schreit förmlich nach Duell. Also werden alle Protagonisten auf das nächstbeste Spielfeld geworfen und fangen an, sich gegenseitig auf den Deckel zu geben.
Es empfiehlt sich, bei der Sinnfrage nicht zu tief zu bohren: Die Story soll süß sein, es geht um das Artwork und ganz besonders geht es um euren Pudding.

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Alle Macht dem Würfel!

Spieler, die gerne die Kontrolle über das Geschehen haben, werden an „100% Orange Juice!“ vermutlich nicht viel oder höchstens Frust finden, denn:
So ziemlich alles wird über einen Würfelwurf entschieden. Der Würfel entscheidet, wohin ihr geht, der Würfel entscheidet, ob ihr im Kampf trefft oder auch nicht, das ganze Spielgeschehen besteht eigentlich aus Würfelwürfen. Das Problem dabei ist, dass nicht wie bei ähnlichen Spielen den Würfel seht und anhalten müsst, der Wurf ist kompletter Zufall. Dadurch habt ihr leider automatisch kaum Einfluss auf das Spiel und Können bringt euch da herzlich wenig. Umso schlimmer ist, dass die Computerspieler scheinbar den Glückstag ihres Lebens haben. Während ihr verzweifelt versucht, euch auf Punktefelder zu retten, kommen eure Kumpanen vorbei und hauen euch an die Wand. Bei wem da Frust aufkommt, der hat zumindest noch die gezogenen Karten, von denen man irgendwie nie irgendeine einsetzen kann. Wer Gefallen daran findet und das Spiel des Stils wegen genießt, der wird sich daran nicht stören. Spieler, die großen Wert auf Spielmechanik legen, werden nicht viel Gefallen an „100% Orange Juice!“ finden.

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So bunt…

Grafisch werden sich an dem saftigen Brettspiel die Geister teilen. Wer auf das zuckersüße Design steht, kann sich hier auf etwas freuen. Das Artwork ist mitunter die größte Stärke dieses Spiels, ist sorgfältig gestaltet und überzeugt. Die geschaffene Atmosphäre ist sehr stark an die Zielgruppe angepasst, alles wirkt kindlich und zeitweise etwas albern, von der puddinglastigen Story mal abgesehen. Wer mit Animes überhaupt nichts anfangen kann und alles ansatzweise süße strikt meidet, für den wird dieses quietschfidele Farbfest die Hölle sein.

So quietschig…

Auch im Sound steht der Titel seiner Grafik in nichts nach. Es ist alles vorhanden: Animeintrogedudel, unmenschlich hohe Stimmen und Poppo, der/die/das den eigenen Namen über den eigentlichen Zweck auch noch als Verb, Füllwort und Präposition verwendet. Auch hier gilt wieder: Wer sich mit sowas anfreundet, wird Spaß hier dran haben. Ansonsten sollte man Distanz halten.

Pro

  • Schönes, interessantes Artwork
  • Für Fans des Stils ein schöner Zwischendurchtitel
  • Möglicherweise als Partyspiel geeignet

Contra

  • Sehr stark abhängig vom eigenen Würfelglück
  • Auf Zielgruppe fixiert
  • „Poppo Poppo Poppo Poppo Poppo…“

Fazit

Ist man ein Freund des Animestils, kriegt man mit "100% Orange Juice!" ein schönes, kleines Spiel geliefert. Andere werden sich vermutlich an dem Spielprinzip stoßen.
Grafik
73%
Sound
69%
Gameplay
58%
Steuerung
70%

Gesamtwertung

66%

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