Mit dem Kampfzug durch die Monster-Apokalypse
Endless Rails stammt vom kleinen Studio Monoblok und wird gemeinsam mit Maple Whispering Limited veröffentlicht. Inhaltlich verzichtet das Spiel auf große erzählerische Ambitionen. Die Welt wurde von Monstern überrannt und dein Zug soll möglichst lange durch dieses Ödland rollen. Mehr braucht es für das Spielprinzip tatsächlich nicht.Dabei ist der Zug keineswegs nur eine hübsche Kulisse für einen gewöhnlichen Survivors-Klon. Zwischen den einzelnen Kampfabschnitten erreichst du Stationen und kannst dort Münzen in neue Waggons, Waffen, Drohnenplätze und Verbesserungen investieren. Waggons lassen sich außerdem neu anordnen oder miteinander verschmelzen, wodurch stärkere Varianten entstehen und zusätzliche Modulplätze freigeschaltet werden.
Das ist eine ziemlich schöne Idee, weil der eigene Zug dadurch sichtbar mit jedem erfolgreichen Abschnitt wächst. Du stellst dir deine kleine Kampfmaschine tatsächlich Stück für Stück zusammen und musst dabei entscheiden, welche Verbesserungen für den aktuellen Run besonders sinnvoll erscheinen.
Die eigentlichen Fahrten zwischen den Stationen sind bewusst kurz gehalten. Häufig vergehen lediglich 20 bis 30 Sekunden, bevor die nächste Station erreicht wird. Dadurch entwickelt Endless Rails ein enormes Tempo. Kämpfen, Belohnung kassieren, Zug verbessern und sofort weiterfahren - große Leerlaufphasen gibt es praktisch nicht.
Endless Rails besitzt eine wunderbar einfache Grundidee: Dein Zug wird mit jeder Station ein bisschen mehr zur fahrenden Kampfmaschine.
Drohnen übernehmen das Ballern, du die Entscheidungen
Spielerisch erinnert Endless Rails zunächst an die mittlerweile zahlreichen Bullet-Heaven-Titel, setzt aber einen interessanten Schwerpunkt. Die Waffen feuern weitgehend automatisch. Statt permanent selbst zu schießen, steuerst du deine Drohnen und versuchst, sie möglichst effektiv gegen die heranstürmenden Monster einzusetzen.Gleichzeitig muss der Zug geschützt werden. Gegner kommen aus unterschiedlichen Richtungen und werden mit zunehmender Strecke zahlreicher beziehungsweise gefährlicher. Dadurch entsteht ein schönes Spannungsfeld: Einerseits möchtest du möglichst viele Gegner ausschalten, andererseits darfst du dich nicht so sehr auf einzelne Ziele konzentrieren, dass eine andere Gruppe ungehindert deinen Zug erreicht.
Gerade während der ersten Runs funktioniert dieses Konzept ausgesprochen gut. Überall explodieren Gegner, neue Verbesserungen tauchen auf und nach wenigen Augenblicken wartet bereits die nächste Station. Dadurch entsteht ziemlich schnell das bekannte Gefühl, nach einem gescheiterten Versuch eben doch noch einen weiteren Run starten zu wollen.
Noch interessanter finden wir allerdings den Zugbau. Neue Waggons werden nicht einfach nur hinten angehängt. Du kannst ihre Reihenfolge verändern, passende Wagen miteinander verschmelzen und zusätzliche Module installieren. Dadurch entwickelt sich während eines Runs eine kleine Optimierungsaufgabe. Welche Kombination bringt momentan den größten Vorteil? Welcher Wagen sollte verbessert werden? Und lohnt sich eine Investition jetzt oder wartet man lieber auf eine bessere Gelegenheit?
Das eigentliche Highlight von Endless Rails ist weniger das automatische Dauerfeuer als das ständige Basteln an der eigenen fahrenden Festung.
Station 20 stellt dabei gewissermaßen den regulären Meilenstein eines erfolgreichen Durchlaufs dar. Danach kann die Reise im Endless-Modus weitergehen. Das passt zwar hervorragend zum Namen, doch gerade hier fällt auf, dass steigende Zahlen und immer größere Gegnerhorden allein nicht automatisch für langfristige Abwechslung sorgen.
Das ist schade, denn das Fundament ist gut. Wir hätten schlicht gerne mehr davon: mehr Zugtypen, mehr ungewöhnliche Waggons, mehr Waffen, stärkere Synergien, überraschendere Ereignisse und deutlich mehr Möglichkeiten, einen Run vollkommen anders zu gestalten als den vorherigen. Endless Rails wirkt deshalb stellenweise wie die ausgezeichnete Grundlage für ein wesentlich umfangreicheres Spiel.
Handgezeichnete Apokalypse mit viel Persönlichkeit
Grafisch setzt Studio Monoblok nicht auf technische Höchstleistungen, sondern auf einen stark stilisierten Look. Dicke Konturen, vergleichsweise einfache Formen und die leicht handgezeichnet wirkende Präsentation verleihen der postapokalyptischen Welt einen gewissen Comic-Charakter. Das funktioniert überraschend gut.Gerade der Zug wird dadurch zum optischen Mittelpunkt. Wenn immer mehr Waggons hinzukommen und rundherum Monster, Geschosse und Effekte über den Bildschirm fliegen, entsteht ein angenehm chaotisches Gesamtbild. Trotz der zunehmenden Zahl von Gegnern bleibt das Geschehen meistens ausreichend lesbar.
Die isometrische Perspektive unterstützt das Spielprinzip ebenfalls. Man erkennt schnell, aus welcher Richtung Gefahr droht und wo die eigenen Drohnen gerade unterwegs sind. Das ist wichtig, denn in späteren Abschnitten bleibt kaum Zeit, einzelne Elemente lange zu suchen.
Technisch ist Endless Rails vergleichsweise genügsam. Die offiziellen Mindestanforderungen nennen unter anderem vier Gigabyte Arbeitsspeicher sowie eine GTX 970 beziehungsweise Radeon R9 390. Auf dem PC funktioniert die Präsentation insgesamt ordentlich und passt zum bewusst kompakten Charakter des Spiels.
Endless Rails gewinnt optisch nicht durch technische Brillanz, sondern durch einen Stil, der Zug, Monster und Ödland sofort wiedererkennbar macht.
Direkte Steuerung trotz permanentem Bildschirmchaos
Bei der Steuerung hält Endless Rails die Einstiegshürde erfreulich niedrig. Da die Waffen automatisch feuern, kannst du dich auf Bewegung, Positionierung und die Verwaltung deiner Drohnen konzentrieren. Das Grundprinzip ist schnell verstanden und bereits nach wenigen Minuten benötigt man kaum noch bewusste Gedanken für die elementare Bedienung.Studio Monoblok empfiehlt selbst einen Controller, und tatsächlich passt dieser hervorragend zum Spiel. Die direkte Bewegung der Drohnen funktioniert angenehm und ermöglicht schnelle Reaktionen, wenn sich größere Gegnergruppen dem Zug nähern.
Interessant ist außerdem, dass sich auch der Zug begrenzt vorwärts beziehungsweise rückwärts bewegen lässt. Diese Möglichkeit steht allerdings weniger im Mittelpunkt, als man beim ersten Blick auf Endless Rails vielleicht vermuten würde. Meistens liegt die Aufmerksamkeit klar auf den Drohnen und der Abwehr der Gegner.
Die eigentliche Herausforderung entsteht deshalb nicht durch komplizierte Eingaben, sondern durch das permanente Priorisieren. Welche Gegner stellen gerade die größte Gefahr dar? Wo müssen die Drohnen hin? Wann sollte man seine Aufmerksamkeit auf eine andere Seite des Zuges verlagern? Je voller der Bildschirm wird, desto hektischer werden diese Entscheidungen.
Die Verwaltung der Waggons und Upgrades könnte an einigen Stellen noch etwas besser erklärt werden. Das Zusammenführen und Optimieren des Zuges erschließt sich zwar nach einer gewissen Zeit, ist aber nicht in jedem Detail sofort so intuitiv wie das eigentliche Kampfgeschehen. Insgesamt bleibt das Handling dennoch angenehm unkompliziert.
Ordentliches Dauerfeuer für die Fahrt durchs Ödland
Akustisch setzt Endless Rails konsequent auf Action. Wenn Gegner in großen Mengen auftauchen und die Drohnen permanent feuern, entsteht schnell die erwartete Mischung aus Schüssen, Treffern und Explosionen. Das Sounddesign unterstützt damit vor allem das unmittelbare Feedback des Kampfsystems.Gerade bei einem Bullet-Heaven-Spiel ist dieses Feedback wichtig. Gegner verschwinden teilweise im Sekundentakt und Treffer müssen sich deshalb befriedigend anfühlen, ohne dass jedes einzelne Ereignis die Aufmerksamkeit beansprucht. Endless Rails findet hier eine ordentliche Balance.
Auch die Musik passt zum hohen Tempo der kurzen Fahrabschnitte und sorgt dafür, dass die Reise durch das Ödland nicht vollkommen steril wirkt. Einen außergewöhnlichen Soundtrack, der sich dauerhaft im Gedächtnis festsetzt, sollte man allerdings nicht erwarten.
Das passt letztlich zum gesamten Spiel. Endless Rails erledigt viele seiner grundlegenden Aufgaben zuverlässig und konzentriert sich sehr konsequent auf seinen zentralen Gameplay-Loop. Akustisch funktioniert das, ohne einen eigenen Höhepunkt darzustellen.
Deutsche Bildschirmtexte sind vorhanden, eine umfangreiche Sprachausgabe spielt aufgrund der sehr reduzierten erzählerischen Ausrichtung ohnehin keine nennenswerte Rolle. Damit bleibt auch dieser Bereich angenehm unkompliziert und lenkt nicht vom eigentlichen Kern ab: Zug ausbauen, Monster vernichten und die nächste Station erreichen.



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