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Fini Tribe teilen raren Peel-Session-Song vor Boxset

Die Post-Punk-Pioniere aus Edinburgh blicken auf vier Jahrzehnte zurück


10.09.2025  Redaktion  0 Likes  0 Kommentare 
Fini Tribe teilen raren Peel-Session-Song vor Boxset Bild Fini Tribe teilen raren Peel-Session-Song vor Boxset Screenshot Fini Tribe teilen raren Peel-Session-Song vor Boxset Foto

Die schottische Post-Punk- und Electronic-Institution Fini Tribe aus Edinburgh veröffentlicht mit "We're Interested (Peel Session)" die zweite Auskopplung aus ihrer umfangreichen Werkschau "The Sheer Action of Fini Tribe: 1982-1987". Der Song wurde in den BBC-Studios in Maida Vale aufgenommen und von Dale Griffin, Schlagzeuger von Mott the Hoople, produziert. Nach der bereits veröffentlichten Vorabsingle "I Want More" ist dies der zweite Einblick in eine Anthologie, die die legendäre John-Peel-Session von 1985, die Original-12"-Singles (darunter "Detestimony"), die WaxTrax!-Veröffentlichungen sowie bislang unveröffentlichte Livemitschnitte versammelt - allesamt von den Bandmitgliedern selbst neu abgemischt und remastert.

Fini Tribe entstand 1980 im kulturell reichen, aber finanziell armen Edinburgh der frühen Achtziger. Aus einem dreiköpfigen Trio ohne Schlagzeuger wuchs mit der Zeit ein sechsköpfiges Ensemble mit gebrauchten oder geerbten Instrumenten: Chris Connelly, Simon McGlynn, Andy McGregor, Davie Miller, Philip Pinsky und John Vick probten in den kalten, feuchten Kellern der Niddry Street und Blair Street in Edinburghs Altstadt.

Ein Song, der die Stadt selbst ist
Für Sänger Chris Connelly markiert "We're Interested" einen entscheidenden Moment in der Bandgeschichte. Ausgehend von John Vicks melancholischer Klaviermelodie sei der Song von endlosen Spaziergängen und Radtouren entlang von Edinburghs Union Canal inspiriert worden.
Der Song IST Edinburgh - mehr als die meisten anderen: Er ist das Grün des Braid Burn Valley, die feuchte Geschichte unseres Proberaums in der Niddry Street, die verborgenen Gassen der New Town.
Chris Connelly
Zur Aufnahmesession bei der BBC ergänzt Connelly, dass Dale Griffin an jenem Frühlingssonntag 1985 sein Gehör großzügig zur Verfügung gestellt habe, als die junge Band ihre erste John-Peel-Session einspielte. Der Song sei seither zu einem Livefavoriten geworden, dessen eindringliche Melodie über vierzig Jahre hinweg nichts von ihrer Kraft verloren habe.

Musikalisch bezog sich Fini Tribe auf Einflüsse von Throbbing Gristle, Wire, Can und Captain Beefheart sowie auf die kantigen Funk-Bands, die damals aus der John-Peel-Show tönten - garniert mit den reichhaltigen Film-, Literatur- und Kunstimpulsen der Festivalstadt Edinburgh.

Vom Proberaum zum WaxTrax!-Vertrag
Die Bandgeschichte liest sich wie ein Lehrstück des britischen Post-Punk: Nach einer Debüt-EP auf dem eigenen Label Finiflex folgte 1985 die erste John-Peel-Session. 1986 erschien mit der EP "Let The Tribe Grow" der von Kirchenglocken getriebene Track "Detestimony", der - ohne dass es die Band zu jenem Zeitpunkt ahnte - zu einem ihrer prägendsten Statements werden sollte. Auftritte wie jener in den Assembly Rooms, bei dem Skulpturen, Film, Ritual und mit greller Posterfarbe gefüllte Müllsäcke über dem Publikum zum Einsatz kamen, rückten die Band näher an die Performancekunst als an klassischen Rock.

1987 unterschrieb Fini Tribe bei WaxTrax! Records und veröffentlichte mit einer perkussionslastigen Coverversion von Cans "I Want More" ihre erste Single für das Label - ein Vorstoß in Richtung der amerikanischen Dancefloor-Szene. Nach einer weiteren Single, einer Neuinterpretation von "Detestimony", und einem denkwürdigen, in Flammen endenden Auftritt im Glasgower Third Eye Centre löste sich diese Bandbesetzung schließlich auf. Chris Connelly schloss sich danach den Revolting Cocks an und zog nach Chicago.

Auch der einstige BBC-DJ John Peel selbst äußerte sich seinerzeit anerkennend über die Band:
Sie stehen auf jede Menge Gerumpel, Gepolter und Geheul - es besteht also eine gute Chance, dass ich beim Radiohören mitwippe.
John Peel
Auch Shirley Manson von Garbage, die einen Essay zum Boxset beisteuerte, würdigt das Erbe der Band unmissverständlich.
Fini Tribe war DIE coolste Band der Stadt - ihr Beitrag zur schottischen Musikgeschichte kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Shirley Manson
"The Sheer Action of Fini Tribe: 1982-1987" ist die erste, von der Band selbst kuratierte und gestaltete Werkschau und enthält neben Archivfotos auch Essays von Gründungsmitglied Andy McGregor, der auch das Artwork gestaltete, sowie von Manson und dem Autor Alastair McKay. Aufgenommen wurde das Material an mehreren Orten in Edinburgh - darunter Wilf's Planet, Pier House und die Niddry Street Rehearsal Rooms - sowie in London in den Southern Studios und den BBC-Studios Maida Vale.

"We're Interested" ist ab sofort auf allen gängigen Plattformen erhältlich, das komplette Boxset "The Sheer Action of Fini Tribe: 1982-1987" erscheint am 10. Oktober über Shipwrecked Industries als Drei-CD-Digipak mit 24-seitigem Booklet.

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