Spieletest: Thomas Was Alone (PC)

2856 0 0 16. Juli 2014
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Kennt man ein Jump’n’Run, kennt man alle. Das Genre mit Klempnervorbild zählt unzählige Vertreter zu seinen Reihen, oftmals, da sie relativ schnell und einfach zusammengeschustert sind. Spieleliebhabern graust es daher vor ständig recyclten Spielelementen, repetitivem Aufbau und einer faden Story. Nimmt man alleine das Spielprinzip von „Thomas Was Alone“, ist dieses in der Tat kaum etwas Neues. Was das Indie-Gehüpfe von Mike Bithell auszeichnet, ist die Summe seiner Teile.

Willkommen bei Artificial Life Solutions!

Das ist der Name der fiktiven Firma, die sich mit Experimenten bezüglich künstlicher Intelligenz ihr Brötchen verdient. Eine ganz besondere KI der Firma trägt den Namen Thomas-AT-23-6-12 und wird kurzerhand Opfer eines Systemfehlers. Dieser hat fatale Folgen, denn Thomas beginnt etwas, was ironischerweise ganz und gar nicht von ihm erwartet wurde. Er denkt. Das kleine, rote Rechteck findet sich plötzlich in seiner simulierten Umgebung zurück, die er Level für Level erkundet. Er beobachtet aufmerksam und seine erste Beobachtung ist ernüchternd. Thomas ist alleine. Niemand ist da, mit dem er seine Beobachtungen teilen könnte. Das bleibt jedoch nicht lange so, schnell begegnet er anderen Charakteren, jeder mit einer einzigartigen Fähigkeit. Einer einzigartigen Persönlichkeit dazu. Die sind auch nötig, denn schon bald stoßen die bunten Rechtecke in den schwerer werdenden Welten an ihre pixelige Grenze. Teamwork ist gefragt, wenn sie weiter vorankommen wollen. Der Kampf gegen nichts Geringeres als die Welt an sich beginnt.

Wasser, Stacheln, Tiefe Gruben

Die Gefahren, denen ihr in „Thomas Was Alone“ begegnet, sind keine Neuen. Ihr springt über bodenlose Tiefen, ihr benutzt Aufzugplattformen, flüchtet vor steigendem Wasser oder dem euch gnadenlos vorwärtsschubsenden Screenende. Kein Problem.
Wenn nicht manche Wassergruben zu lang, manche Plattformen zu hoch und manche Schalter zu weit weg wären. Daher schaltet ihr euch durch eure springenden Pixel, jeder mit einem anderen Bewegungsmuster, um allen Schritt für Schritt in die Zielboxen zu helfen. Stehen alle in ihren entsprechenden weißen Umrissen, geht es weiter. Taktisches Vorgehen und Timing sind hierbei das A und O, um alles sicher zu überstehen und nicht plötzlich einem anderen Charakter den Weg zu blockieren.

Der Weg ist das Ziel

Anders als bei Mario und Co, bei denen das Plotziel von vorneherein klar ist und drauf hingearbeitet wird, versucht sich „Thomas Was Alone“ an einem kontinuierlichen Erzählstrang. Jedes neue Level enthüllt einen Teil der Geschichte, Stück für Stück von einem Erzähler vorgetragen, nach Abschluss eines Kapitels geben Zitate fiktiver Personen Rückschluss auf den Effekt der Handlungen außerhalb der Simulation. Die Rolle der Story ist in diesem Zusammenhang nicht schwer zu bewerten.
Anders gesagt, „Thomas Was Alone“ liefert nicht weniger als ein Paradebeispiel dafür, wie man eine Geschichte zu schreiben hat. Jeder neue Abschnitt entfaltet die zu Beginn fast kindlich einfache Geschichte in eine mitreiß

ende Erzählung über Freundschaft, Liebe, Erkenntnis und Verlust. Der Erzähler leistet großartige Arbeit und lädt dazu ein, die einzelnen Charakterzüge der grafisch so simplen Figuren zu verinnerlichen, bis sie komplex genug werden, um das Spielprinzip mit Leichtigkeit zu überschatten. Dennoch schafft das Spiel es, den Schwierigkeitsgrad tief genug zu halten, um die Story mitzufühlen, aber auch hoch genug, um nicht anspruchslos zu sein. Und nicht nur Story und Gameplay stimmen.
Der Soundtrack untermalt das gesamte Geschehen, das Wesen des Spiels an sich so sehr wie kaum ein anderer. Anspruchsloses, unoriginelles Rumgedudel sucht man hier vergeblich. Wer für Soundtracks ähnlich „Little Inferno“ schwärmt, wird sich hier neu verlieben.
Alles trägt sich und passt nahtlos, wie ein brillantes Puzzle, es ist einfach zu sagen, dass die großartige Story und der tolle Soundtrack das Gerüst dieser Indie-Perle sind. Wäre „Thomas Was Alone“ eine Scheibe Brot, finden sich hier Butter und Marmelade.

Gamepad oder Tastatur?

Bei der Entscheidung, wie ihr Thomas und seine Freunde durch die Welt steuert, stehen euch entweder die Tastatur oder das Gamepad zur Verfügung. Das Gamepad wird in der Regel schnell erkannt und funktioniert flüssig, abgesehen von den Bewegungstasten braucht ihr noch einen Knopf für das Springen, zwei zum Umschalten zwischen den Charakteren. Das Spiel ist simpel genug, um nebenher noch ein Bier trinken zu können und es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen. An einigen Stellen ist der Griff zur altbewährten Tastatur dann aber doch ganz sinnvoll. Besonders bei Passagen, die eine sehr genaue Steuerung voraussetzten, neigt das Gamepad zu plötzlichen Charakterbewegungen. Das befördert euch dann nicht grade selten in Stachelmeere, unendliche Weiten oder das tödliche Nass und ist bei Checkpoint-armen Levels eher ungesund für euren Blutdruck.

Fazit

Die Stimmigkeit aller Komponenten von "Thomas Was Alone" ist fantastisch. Wer "Thomas Was Alone" durchspielt, erlebt in mehrerer Hinsicht ein Kunstwerk.
Grafik
65%
Sound
96%
Gameplay
96%
Steuerung
80%

Gesamtwertung

90%

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