Psychonauts (PC)

1938 0 4 24. September 2008
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Es kommt eine Zeit da wird es für kreative bzw. eigenwillige Spieldesigner Zeit sich eine neue Heimat zu suchen. Wenn die Motivation durch konservatives Denken, eingeschränkte Entwicklungszeit oder einfach zu vie Bürokratie leidet, dann hat es sich eingebürgert den sicheren Hafen der großen Spielschmieden zu verlassen und mit einer kleinen aber feinen Mannschaft sein Glück wieder an den Wurzeln zu versuchen. Tim Schafer, besser bekannt als “Grim Fandango” sah dies zur Jahrtausendwende genauso und hat sich mit einem kleinen Team an die Entwicklung eines einzigartigen “Adventures” gesetzt. Adventure hauptsächlich deshalb, weil dem Ganzen eine fortlaufende Story zu Grunde liegt. Eigentlich ist das Spiel aber eher action- als denklastig.

Was sie schon immer über PSI wissen wollten…

Nachwuchsartist Razputin läuft davon und flieht zu den Psychonauts. Ein Sommerlager in dem eine ganz besondere Art von Schule stattfindet. Kein Seilhüpfen oder Bockspringen, sondern PSI wird hier gelehrt. Die Kunst, anderen Leuten in den Kopf zu steigen. Da Raz ein gewisser Hang dazu nicht abzusprechen ist, scheint dies für ihn die erste Adresse zu sein um seine eigenen Fähigkeiten zu steigern. Wenig angepasst, erleidet er dort jedoch bald Schiffbruch und das Ende seiner geistigen Karriere scheint nah. Zum Glück für ihn erkennen die Lehrer jedoch sein enormes Potenzial und so darf er weiter machen. Ziel ist es in nicht allzu ferner Zukunft die Kräfte soweit auszubauen dass damit nahezu alles kontrolliert werden kann. Hilfreich sind hierfür natürlich nicht nur die Lehrer sondern auch der Mentor des Camps, “Ford Cruller”. Doch nach kurzer Zeit passieren im Camp seltsame Dinge. Die Gehirne der Mitschüler verschwinden und ein mutierter Riesenfisch greift sich Lili. Raz steht vor einem Riesenproblem. Irgendjemand scheint von ihm zu erwarten dass er ihre kleine Welt rettet.

Das Gehirn – Objekt der Begierde

Bevor der Spieler in Psychonauts Zugang bzw. Einlass ins Spiel erhält, gilt es in guter Rollenspielmanier ein Tutorial zu absolvieren. Dazu muss ein einfacher Hindernisparcours gemeistert werden, der mit den Grundlagen der Spielsteuerung vertraut macht. Der Parcours spielt in der “geistigen” Welt der Telepathie. Um es schlicht auszudrücken, man mogelt sich sozusagen körperlich durch das Gehirn eines anderen. Da es im Gehirn von jemand anderem durchaus recht abstrus zugehen kann, sollte man sich nicht allzu viel auf die Gesetze aus der Realität verlassen. Hat man diese kleine Einführung gemeistert, geht es ins Camp das frei erforschbar ist. Wie überall im Leben darf man sich zwar alles ansehen, jedoch (noch) nicht alles machen.

Aufbau und Hege eines Telepathen

Im Spiel bzw. in den einzelnen Leveln gibt es diverse Dinge die man tunlichst suchen und einsacken sollte. Einziger Weg sich selbst und seine Fähigkeiten zu steigern sind die PSI Marken welche mit Levelup bzw. Kräfteerweiterungen locken. Des Weiteren finden sich PSI Karten, vielerlei andere mehr oder minder nützliche Gegenstände, darunter die gültige Währung im Camp, die Pfeilspitzen. Sowie, last but not least, die Teile der Schnitzeljagd, welche sozusagen das eigentliche Spiel darstellen da sie letztendlich zur Lösung des Campproblems führen. Raz steigt also mitten ins Geschehen ein, und arbeitet sich levelweise in der Geschichte vorwärts um am Ende hoffentlich das Camp befreien zu können.

Stil, Design und kunterbunte Welten

Psychonauts baut auf einzelnen Leveln auf wie man das von klassischen Jump’n Runs kennt. Diese sind jedoch dem Fortschritt entsprechend eher knuffig denn knifflig zu nennen. Das Vorwärtskommen wird kaum ernsthaft behindert. Sprünge hängen nicht am letzten Pixel und hat man doch einmal grobe Fehler begangen und sozusagen das Zeitliche gesegnet (was nichts anderes heißt als seine Konzentration eingebüsst), so wird man aus dem Gehirn geworfen und kann sich nach einer Ruhepause wieder aufmachen. Da jederzeit gespeichert werden kann ist der Schwierigkeitsgrad sozusagen frei einstellbar.

Die Level selbst kränkeln evtl. an einer klitzekleinen Unaufmerksamkeit. Durch eine fest eingestellte Steuerung sollte man sich oft und genau umsehen um nicht evtl. den ein oder anderen Gegenstand bzw. Weg zum Weiterkommen zu übersehen. Wenn überhaupt Nachbessserungsbedarf besteht, dann hier.

Die Grafik ist eigentlich genau so, wie man das von Tim Schafer erwarten durfte. Einfach nur schön. Natürlich werden eingefleischte Adventurefans auf wunderschön gerenderte Hintergrundgrafiken in anderen Spielen verweisen, aber Ziel war hier definitiv der Spielspass, nicht die Arbeit der Technik.

Technische Features

Das Spiel wurde für die PS2 respektive für Konsolen geschrieben. Das merkt man der Steuerung an. Sie wurde einwandfrei für Gamepads ausgelegt. Nach kurzer Eingewöhnungszeit (im Tutorial) steht man damit vor keiner unlösbaren Aufgabe. Die eigenwillig seltsame Grafik, die schon angesprochen wurde, glänzt nicht gerade durch aufwendige Technik, passt sich aber wundervoll in die Spielatmosphäre ein. Die Animationen von Raz wirken sehr gut, auch der Spielercharakter selbst macht sich prima. Etwas weniger detailreich sind allerdings alle anderen Charaktere ausgefallen.

Der Sound macht ebenfalls einen guten Eindruck. Für alle gesprochenen Texte gibt es eigene Synchronsprecher, die ihre Aufgabe auch mit Freude ausgefüllt haben. Die Synchronsprecherin eines Protagonisten wird einigen deutschen Spielern sicherlich bekannt vorkommen, mehr sei hier nicht verraten. Die ausgewählte Musik kann man teilweise sogar eingeschaltet lassen, da sie weder nervig noch wiederholungsreich ausgelegt wurde.

Fazit

Zusammengefasst bietet Psychonauts Spaß, Spaß, Spaß, Spaß, Frust. Also eigentlich ein gutes Verhältnis. Der Spaß stammt definitiv aus dem Gameplay, den Grafiken, dem Spiel selbst und der witzigen Story. Der Frust höchstens aus der Steuerung bzw. der Kameraperspektive und der Langzeitmotivation. Psychonauts ist ein kunterbunter Stilmix, eine wie zusammengewürfelt und doch passend wirkende Genremischung. Sozusagen ein neuartiges Erfrischungsgetränk. Und ähnlich wie auf diesem Markt wird es Psychonauts wohl auch gehen, die einen lieben und die andere hassen es. Wer ein kurzweiliges nicht zu schweres und trotzdem spannendes und witziges Spiel sucht ist hier richtig. Für den eingefleischten Fan vielleicht ein wenig zu einfach bzw. zu kurz aber trotzdem absolut sein Geld wert.
Grafik
80%
Sound
85%
Gameplay
86%
Steuerung
75%

Gesamtwertung

86%

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