Ori and the Blind Forest (PC)

4437 0 5 20. März 2015
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Es ist noch früh im Jahre 2015, aber „Ori and the Blind Forest“ bietet sich jetzt schon an, Indie-Titel des Jahres 2015 zu werden. Das 2D-Action-Adventure ist nicht nur wunderschön, sondern bietet neben tollen Gameplay eine herzergreifende Geschichte. Selten hat uns eine Story so sehr berührt wie hier. Wir haben den Indie-Titel getestet und sagen euch, wieso Ihr euch diese Spieleperle nicht entgehen lassen solltet und selbst Genre-Muffel einen Blick riskieren müssen.

 

Herzergreifend, Süß und Traurig

Alle paar Monate erscheint ein Titel, der wie aus dem Nichts kommt und die Spielerschaft in seinen Bann zieht. Jüngstes Beispiel dafür ist Ori and the Blind Forest. Entwickelt wurde der Action-Platformer von den Moon Studios, einer Gruppe von Entwicklern bestehend aus Ex-Mitarbeitern wie Blizzard oder Animation Lab.

 

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Was diese Jungs in den ersten Minuten auf den Bildschirm zaubern, lässt viele AAA-Titel vor Neid erblassen. Der Prolog erweckt zahlreiche Emotionen in uns, die selbst dem stärksten Mann ein Tränchen entlocken dürfte. Aber so zuckersüß die Geschichte auch anfängt, so schnell wird einem bewusst, dass Ori and the Blind Forest keineswegs eine Kindergeschichte mit Friede-Freude-Eierkuchen Mentalität ist. Es berührt uns, erweckt Freude, Trauer, Mitleid und spielt mit dem Gefühl des „Verlorenseins“ und der Einsamkeit.

Ori ist ein Beschützer-Geist, der eines Tages vom Himmel fällt. Eine bären-ähnliche Kreatur nimmt sich Ori an und kümmert sich rührend um Sie. Die beiden sind fortan füreinander da und leben ein glückliches Leben. Doch die Idylle währt nicht lange, als ein schreckliches Ereignis die Welt von Nibel und das Leben der Beiden ins Chaos stürzt. Vielmehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Schon der Prolog ist alleiniger Kaufgrund, da Moon Studios etwas schafft, was zahlreiche Spiele vergebens versuchen. Es baut eine Bindung zum Spieler auf. Wir fühlen uns direkt in die Welt hineingezogen, freuen und leiden mit den Charakteren. Die Geschichte um Ori und seiner Zieh-Mutter Naru ist so herzerwärmend und traurig, dass wir regelrecht mitfühlen, was in den beiden vorgeht. Das liegt zum einen an dem tollen Sounddesign, der Audio-Visuellen Präsentation und nicht zuletzt an den beiden starken Charakteren. Dabei verzichtet das Spiel auf jegliche Art von Dialogen oder Sprachausgabe.

 

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Bindung macht den Meister

Schon nach kurzer Zeit treffen wir auf eine dritte Figur, das Licht „Sein“. Dieser neue Freund steht uns tatkräftig zur Seite, erzählt uns die Geschichte des Waldes und dient uns nebenbei auch direkt als Waffe. Mit Sein an unserer Seite machen wir uns auf und retten den Wald vor allerlei Bösewichten sowie der Großen Bedrohung in Form der dunklen Eule „Kuro“. Ori and the Blind Forest ist ein klassisches 2D-Action-Adventure im „Metroidvania“-Stil. Wir hüpfen und kämpfen uns durch wunderschöne Welten, schalten nacheinander neue Fähigkeiten frei und sammeln Upgrades in Form von Lebens- und Energiezellen ein. Diese neu-erlernten Fähigkeiten schalten uns vorher unzugängliche Wege frei. So könne wir mit der Powerstampfer Brücken zerstören, nutzen den Doppelsprung um größere Abgründe zu überwinden oder überladen Sein, um schwere Wände zu durchbrechen.

Auf unserer Reise treffen wir auf zahlreichen Feinden, die es auszuschalten gilt. Diese lassen nämlich wertvolle Geisterlichter fallen. Diese nutzen wir dazu, Ori mit passiven Fähigkeiten aufzuwerten. Der Skill-Tree umfasst drei unterschiedliche Zweige. So können wir etwa Sein’s Angriffskraft erhöhen, schalten die Fähigkeit frei, unter Wasser zu atmen oder aber lassen uns versteckte Gegenstände auf der Weltkarte anzeigen. Neben Fähigkeitspunkten können wir in der Welt von Nibel zahlreiche Lebens- und Energiezellen finden. Dieser erhöhen dauerhaft unsere Lebenspunkte oder erweitern unsere Energieleiste. Diese sind auch dringend notwendig, denn Ori and the Blind Forest ist nicht gerade ein entspannter Waldspaziergang und hält so manche Herausforderung parat. Damit wir nach jedem Bildschirmtod nicht von vorne beginnen müssen, dürfen wir den Spielstand an in der Welt verteilten Geisterportalen speichern. Diese sind aber vergleichsweise selten.

 

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Hart, aber fair!

Kommen wir zu einer Besonderheit. Die angesprochene Energieleiste dient uns nicht nur als Ressource für Spezialangriffe, sondern auch als mobiler Speicherpunkt. Diese sogenannte „Seelenbindung“ speichert nicht nur den Spielstand, sondern dient uns auch als Zentrum für die passiven Fähigkeiten. Damit wir eine solche Seelenbindung eingehen können, benötigen wir Energie, die wir entweder von Feinden ergattern oder wir zerstören die in der Welt verteilten Energiezellen. Dieses mobile Speichersystem ist auch bitter nötig, denn Ori and the Blind Forest ist bei weitem kein leichtes Spiel. Der Schwierigkeitsgrad zieht stetig an, wirkt dank der präzisen Steuerung aber nie unfair. Wenn wir einmal das zeitliche segnen (was häufig passiert), machen wir nie das Spiel dafür verantwortlich, sondern schieben den virtuellen Tod auf unsere Unfähigkeit. Die Steuerung ist punktgenau und funktioniert sowohl mit dem Gamepad als auch mit der Tastatur hervorragend.

Die Welt von Nibel bietet viel Abwechslung. Wir erkunden dunkle Ruinen, feurige Vulkane, mysteriöse Nebelwälder oder hüpfen und rennen durch saftig-grüne Ebenen. Durch sogenannte Weltereignisse verändert sich der Wald im Laufe der Geschichte nachhaltig. Haben wir etwa die Essenz des Wassers wiederhergestellt, können wir fortan durch zuvor verseuchtes Gewässer schwimmen. Das wiederum eröffnet neue Wege und Abschnitte oder ermöglicht es uns, Abkürzungen zu angrenzenden Waldgebieten zu nehmen. Der Übergang zweier Waldgebiete geht nahtlos ineinander über, lästige Ladepausen gibt es nicht.

 

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Wunderschönes Nibel

An Abwechslung mangelt es Ori and the Blind Forest nicht. Neben den spaßigen und schnellen Kämpfen gibt es auch allerlei Rätsel zu lösen. Diese reichen von simplen Schalterpuzzeln bis hin zu kniffligen Jump’n’Run-Einlagen. Meist gilt es, präzise Sprünge, gekonntes Ausweichen und den Einsatz unserer Fähigkeiten aufeinander abzustimmen. So lenken wir einen Energiestrahl zu einer bröckeligen Wand um. Dadurch erhalten wir Zugang zu einem großen Felsbrocken, den wir wiederum zum Stopfen eines Lavaflusses benötigen, der uns am Weiterkommen hindert. Gleichzeitig bekommen wir von Gegnern auf die Mütze und nutzen den Brocken als Deckung vor dem tödlichen Strahl. Oder wir katapultieren uns durch eine dornenverseuchte Höhle, während wir gegnerische Projektile mit Ori’s Schwanz greifen und uns so von Projektil zu Projektil schleudern.

Wie man anhand der Screenshots sehen kann, ist Ori and the Blind Forest ein Augenschmaus. Egal ob butterweiche Animationen oder knallige Spezialeffekte, alles wirkt wie aus einem Guss. Wirklich atemberaubend sind aber die Hintergründe. Diese wurden allesamt von Hand gezeichnet und präsentieren sich nicht nur gestochen scharf, sondern auch detailverliebt. Jeder Stein, jeder Busch, jeder Hintergrund hat seinen ganz eigenen Charakter. Nicht nur optisch ist Ori and the Blind Forest ein Genuss. Auch der Soundtrack und das Sounddesign überzeugen auf ganzer Linie. Während unser Abenteuer in den Ruinen mit dunklen, bedrohlichen Klängen untermalt wird, rennen wir auf den grünen Wiesen zu treibender, orchestralen Musik, die innerlich „Schneller, weiter, höher“ ruft.

 

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Fast Perfekt!

Ist Ori and the Blind Forest perfekt? Nicht ganz. Allerdings muss man Fehler schon mit der Lupe suchen und es sind nur minimale Kleinigkeiten, die eine perfekte Wertung verhindern. Ein Schnellreise-System hätte durchaus Sinn gemacht. Andererseits kann man so die wunderschöne Umgebung genießen. Zudem gibt’s hier und Da ein paar Trial&Error-Momente, die akribisches Auswendiglernen erfordern, wie bspw. Die Fluchtsequenzen. Der tolle Soundtrack und das „Ich hab’s geschafft“-Gefühl lassen aber auch solche Momente schnell vergessen.

Leider ist dieses tolle Abenteuer schon nach knapp 6 Stunden vorbei. Perfektionisten, die alles sammeln und komplett Upgraden wollen, benötigen knapp 7 Stunden. Wenn die Credits über den Bildschirm laufen, dann sind wir traurig. Nicht weil das Ende enttäuschend, im Gegenteil. Das Ende ist befriedigend und die Story bietet auch ein paar tollen Wendungen. Nein…wir sind traurig, dass dieser einzigartige Trip nach Nibel vorbei ist. Was bleibt, ist die Erinnerung an wundervolle Charaktere, eine mysteriös-schöne Welt und das Gefühl, eines der besten Spiele der letzten Jahre gespielt zu haben.

 

DennisMeine Meinung

Wie der Test schon erahnen lässt, habe Ich mich in dieses Spiel regelrecht verliebt. Das letzte Spiel, welches mich ähnlich stark fasziniert hat, war „Gone Home“. Das war auch ein Indie-Titel bekannter Genregrößen.

Ein Spiel schafft es selten, mich wirklich in seinen Bann zu ziehen. Aber Ori, Naru, Kuro, Sein. Mensch, das sind interessante Charakter, die eine Geschichte erzählen, die mich persönlich ergreift. Es weckt Emotionen wie Hass, Freude, Glück, Trauer. Alleine der Prolog ist für mich schon ein Kaufgrund, denn die ersten 5 Minuten sind wirklich etwas ganz besonders. Die interessante Geschichte gepaart mit einer derart schönen Präsentation…Leute…das ist was ganz Feines.

Und ja, es flossen echte Männertränen! Wenn Ich jetzt an die letzte Szene des Prologs denke, läuft es mir eiskalt den Rücken runter und Gänsehaut macht sich breit. Oder der Titeltrack, während Ich durch die grünen Wiesen flitze. Oder die Fluchtsequenz aus dem Ginso-Baum. Es gibt so viele dieser Momente! Für mich der absolute Top-Anwärter zum Spiel des Jahres 2015.

 

Fazit

Ori and the Blind Forest ist bildschön, erzählt eine tolle, emotionale Geschichte, bietet tolles Sounddesign, entwickelt eine Bindung zum Spieler und setzt nebenbei den Standard für kommende Metroidvania‘s. „Spiel des Jahres“-verdächtig und Pflichtkauf. Nicht nur für Fans des Genres.
Grafik
100%
Sound
98%
Gameplay
95%
Steuerung
98%

Gesamtwertung

95%

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