Spieletest: Fork Parker’s Holiday Profit Hike (PC)

3229 0 0 15. Januar 2015
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Der alljährliche Steam Winter Sale ist rum. Wir haben viel Geld ausgegeben, unzählige Spieleperlen für günstiges Geld ergattert und fleißig Abzeichen erstellt. Neben all den großen Blockbustern hat sich aber auch ein Spiel in unserer Bibliothek gesellt, welches A.) völlig kostenlos ist und B.) unglaublich viel „Spaß“ macht. Man beachte bitte, dass Spaß hier hervor gehoben ist. Denn wir reden hier über eine spezielle Art des Spaßes und der Freude. Verwirrt? Ja? Dann weiterlesen.

 

Der Reinhold Messner unter den CEO’s

Das Spiel hat tatsächlich eine Story! Wir versuchen die komplexe Story für euch möglichst einfach zu erklären. Ein ominöser Vorstandsvorsitzender will mehr Umsatz im vierten Quartal. Nun ist es Fork Parker, CEO des amerikanischen Publishers Devolver Digital, genau dafür zu sorgen. Parker willigt ein und begibt sich prompt per Helikopter ins kalte Gebirge um für die nötigen Einnahmen zu sorgen. All das Geschehene wird in hochwertigen und aufwändig animierten Cutscenes in Szene gesetzt. OK OK…die Story ist nicht komplex und die Zwischensequenzen sind nicht hochwertig animiert. Dass es sich um Fork Parker höchstpersönlich handelt, entspricht allerdings der Wahrheit! Ehrlich!

Wie unschwer zu erkennen, handelt es sich bei Fork Parker’s Holiday Profit Hike um einen 2D-Platformer der alten Schule. Einen Platformer mit Charme, mit Witz und mit einer unglaublich großen Portion Frustration, Ärger, Wut und hier und da auch ein paar Tränen. Der Titel ist nämlich bockschwer. Wer also ein nettes Jump’n’Run der Marke Super Mario erwartet, der sollte den Titel erst gar nicht anrühren und ihn tunlichst meiden.

Aber wer soll es dann spielen? Die eigentliche Zielgruppe hat sicherlich schon zwischen den Zeilen gelesen, aber wir sagen es euch zu Sicherheit noch einmal. Das Spiel richtet sich ausschließlich an Freunde von „Super Meat Boy“ oder „VVVVVV“. Kurzum: An die Masochisten des Platformer-Genres.

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Hart, aber (un)fair

Fork Parker’s Holiday Profit Hike ist wie schon angesprochen Bockschwer. Fehler werden hart bestraft und zurück bleibt ein frustrierter Spieler, der am liebsten seinen Controller an die Wand werfen möchte und anschließend seine Krokodils Tränen im Schoß seiner Mutti trocknet. Das Spiel lässt keinen Raum für Fehler, nicht oft nehmen wir uns eine kleine Pause und versuchen die Situation taktisch anzugehen. Aber wieso spielt man solch ein Spiel überhaupt. Macht sowas denn Spaß? Das muss jeder für sich entscheiden. Wie schon angesprochen, ist das Spiel auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten. Causal Gamer oder Fans von klassischen Platformern werden nach 5 Minuten entnervt den „Deinstallations-Knopf“ suchen und entgeistert den Kopf schütteln.

Wir steuern Fork Parker, den CEO des amerikanischen Indie-Publishers Devolver Digital. Ziel ist es, mit möglichst viel Geld den Gipfel des Berges zu erklimmen. Dies geschieht nicht nur durch simples Hüpfen auf verschiedenes Terrain. Ein Kernelement des Spiels sind Haken, die wir per Tastendruck verschießen können. Diese Haken werden durch Seile verbunden. Mit Fork’s Gehstock können wir uns an diese hängen oder an ihnen herumrutschen. Nun liegt es an uns, durch cleveres setzend der Haken den Gipfel des Berges zu erklimmen. Auf unserem Weg nach oben sammeln wir Geld in Form von Scheinen oder Säcken ein und dürfen in regelmäßigen Abständen ein Camp aufschlagen, welches uns als Checkpunkt dient. Aber nicht nur die Umgebung bereitet dem alten Fork Probleme. Man möge meinen, dass es schon schwer genug wäre, als alter Mann samt Gehtstock einen Berg zu erklimmen. Da wir hier aber über einen bockschweren Platformer reden, darf eine Sache natürlich nicht fehlen. Richtig: Gegner und Fallen. Die entsprechen der durchschnittlichen Jump’n’Run-Einerlei. Ihr wisst schon: Pinguine, Schneemänner, Pullover tragenden Eisklötzen mit Stacheln auf dem Kopf und fliegenden Weihnachtspullundern.

Sollten wir tatsächlich mal das Zeitliche segnen, müssen wir Strafe zahlen und unserem Konto werden 5000$ abgezogen. Glücklicherweise haben wir eine unbegrenzte Anzahl an Leben zur Verfügung, was den Frustfaktor ein wenig in Grenzen hält. Trotzdem ärgern wir uns zu Tode, wenn wir gerade einen wertvollen, schwer zu erreichenden 20000$-Geldsack eingesammelt haben und dann in die Tiefe fallen, um anschließend von einem Pullover getötet zu werden. Das eingesammelte Geld ist futsch und wir beginnen vom letzten Checkpoint erneut. Ach ja…das eingesammelte Geld müssen wir erneut einsammeln. Ist das nicht fantastisch?!

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Der alten Mann und dessen Fortbewegung

Also, wir haben hier einen kniffligen, harten Platformer ala Super Meat Boy. Und was benötigt ein Platformer, um perfekt zu funktionieren? Natürlich eine perfekte Steuerung. Und hier schlampt Fork Parker’s Holiday Profit Hike. Denn die Steuerung ist ein wenig schwammig und fühlt sich generell etwas unpräzise an. Ein Totschlagargument für ein forderndes Jump’n’Run. Wir gehen sogar soweit und behaupten, dass es per Tastatursteuerung unspielbar ist. Mit dem Controller lässt sich Fork wesentlich besser kontrollieren, die nötige „Griffigkeit“ vermissen wir aber auch mit dem Joypad. Das liegt primär daran, dass Fork immer etwas rutscht bzw. etwas träge reagiert. Man hat das Gefühl, unsere Figur würde eine Sekund später reagieren. Präzise Sprungeinlagen sind somit eine echte Herausforderung. Aber vielleicht haben die Entwickler einfach nur realistisch gedacht. Ein alter Mann samt Gehstock reagiert nun mal nicht wie ein 25 Jähriger Bergsteiger.

Das Verbinden der Haken und die entstehenden Seile erfordern ein wenig Einarbeitungszeit. Die geschieht in der Regel aber relativ zügig und schon nach wenigen Minuten haben wir das System dahinter verstanden und verschießen Haken wie ein Profi. Man beachte, dass wir die Haken Verschießen wie ein Profi. Ob wir Sie allerdings auch dort befestigen, wo wir wollen, ist eine komplett andere Frage. Denn ein präzises landen der Haken ist schier unmöglich. Da wir nicht aus dem Stand zielen können, müssen wir immer in die Richtung springen, in die wir den Haken feuern möchten. Da passiert es schon mal schnell, dass man über die sichere Plattform hinaus springt und prompt in den Tot fällt. Zielen per rechtem Analogstick wäre aber auch zu einfach gewesen.

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The Bottom Shelf

Die Technik entspricht dem Indie-Genre Standard. Man besinnt sich auf 8bit-Grafik und NES-Sound. Die Animationen sind nett anzusehen und die Musik treibt uns immer wieder nach vorne. Ein großer Minuspunkt ist allerdings die Performance, denn selbst auf High-End Rechnern läuft das Spiel nicht rundum flüssig. Wir spielen mit gefühlten 20 FPS, Grafikeinstellungen gibt es keine. Wir können lediglich ein paar Lichteffekte hinzuschalten. Auswirkungen auf die Performance haben diese aber nicht. Zudem ist die Spielzeit von knapp 1 ½ Stunden recht kurz.

Diese technischen Macken sind störend, Super Meat Boy-Fans sehen darin aber kein Hindernis, sondern eine weiter Herausforderung. Wir bezeichnen es einfach als den „Muss doch zu schaffen sein“-Motor. Und genau hier brilliert Fork Parker’s Holiday Profit Hike. Es ist ein Nischenspiel, geschaffen für jene, die Frustration als Motivation ansehen, für die Ärger etwas Schönes ist. Ein Spiel, wo sich Wut und Freude die Klinke in die Hand geben.

PRO-CONTRA (FPHPH)

 

 

Fazit

Oh Devolver, Ich liebe dich! Dein Sinn für Humor und dein Händchen für erstklassige Indie-Kost ist nach wie vor unerreicht. Ich liebe Fork Parker’s Urlaubsreise in die Berge. Natürlich stören mich die technische Mängel und die unpräzise Steuerung. Aber was soll’s. Frustration war selten so spaßig wie hier. Als Super Meat Boy und VVVVVV-Veteran kann Ich also hier nichts falsch machen. So, war nett mit dir, aber Ich muss zurück in die Berge. Der nächste Speedrun wartet auch mich. Berg Heil!
Grafik
70%
Sound
70%
Gameplay
70%
Steuerung
50%

Gesamtwertung

70%

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